Tote und Verletzte bei Bränden, Angriffe auf Polizei und Straßenbahnen - Silvester in Baden-Württemberg war nach Angaben des Innenministeriums eine Herausforderung für die Einsatzkräfte. Überwiegend seien die Feierlichkeiten aber friedlich verlaufen.
Bei mehreren Bränden im Land sind laut Polizei und Innenministerium am Silvestermorgen und in der Nacht insgesamt drei Menschen ums Leben gekommen: in Bonndorf im Schwarzwald (Kreis Waldshut), in Giengen an der Brenz (Kreis Heidenheim) und in Lenzkirch (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald). Die Brandursache ist demnach jeweils noch unklar.
Landesweit mehrere Verletzte - auch Polizeikräfte betroffen
Bei weiteren Bränden im Land habe es zudem mehrere Verletzte gegeben. In Mannheim sind laut Innenministerium mehrere Polizeikräfte mit Pyrotechnik beschossen und verletzt worden. Auch ein Straßenbahnfahrer sei so beschossen worden, aber unverletzt geblieben. Drei Straßenbahnen sind demnach durch Böller- und Steinwürfe beschädigt worden. Insgesamt sind im Land nach Angaben des Ministeriums sechs Polizeibeamtinnen und -beamte leicht verletzt worden. Überwiegend seien die Feierlichkeiten aber friedlich verlaufen.
Gewalt gegen Einsatzkräfte und Mitarbeitende des öffentlichen Dienstes verurteilte das Innenministerium in einer Mitteilung scharf. Sie werde mit den Mitteln des Strafrechts konsequent verfolgt werden. Innenminister Thomas Strobl (CDU) dankte den Einsatzkräften und betonte, die Silvesternacht stelle in jedem Jahr eine besondere Herausforderung dar.
Schwerbrandverletzte an Silvester Körperlich und seelisch: Wenn eine Verbrennung tiefe Schäden hinterlässt
Nach dem Brand in Crans-Montana wird eins der Opfer im Stuttgarter Marienhospital behandelt. Auch die anderen Betten im Zentrum für Schwerbrandverletzte sind nach Silvester belegt.
Häufig kleinere Brände
In den Leitstellen in Baden-Württemberg gingen in der Silversternacht zahlreiche Notrufe ein. Besonders häufig rückte die Feuerwehr wegen kleinerer Brände, etwa von Mülltonnen und Hecken, aus. Einige Polizeipräsidien berichteten von Böllern, die absichtlich in Mülltonnen geworfen worden seien. Aber auch noch heiße, weggeworfene Feuerwerkskörper hätten Brände verursacht.
Besonders die hohe Zahl kleiner und gleichzeitiger Brände in Stuttgart sei für die dortige Feuerwehr herausfordernd gewesen, sagte der Sprecher der Feuerwehr, Daniel Anand. Die Polizei zog eine positive Bilanz und sprach von einer ruhigen Nacht. Die Menschen hätten sich überwiegend an das Feuerwerksverbot im City-Ring gehalten.
75 Feuerwehr-Einsätze in Stuttgart - vier Verletzte bei Wohnhaus-Brand
Etwa 75 Einsätze zählte die Feuerwehr in der Landeshauptstadt. Neben vielen kleinen Bränden - etwa Mülleimern, die in Flammen standen - brannten demnach auch einige Balkone und Dachterrassen. In Stuttgart-Mitte brannte der Dachstuhl eines Mehrfamilienhauses. Laut Sprecher Anand ist die Zahl der Einsätze insgesamt etwas geringer gewesen als im Vorjahr. Angriffe auf die Einsatzkräfte hat es der Feuerwehr zufolge nicht gegeben.
Bei einem Brand in einem Mehrfamilienhaus in Korntal-Münchingen im Kreis Ludwigsburg seien vier Menschen leicht verletzt worden, wie die Polizei am Freitag mitteilte. Zunächst hatte die Polizei von neun Menschen berichtet. Nach Angaben des Sprechers hatten sie Rauch eingeatmet. Das Feuer brach im Flur des Hauses aus. Wie es zu dem Brand kam, war zunächst unklar. Mehrere Wohnungen seien unbewohnbar. Der entstandene Sachschaden werde auf etwa 200.000 Euro geschätzt, teilte die Polizei mit.
Das Polizeipräsidium in Pforzheim zählte am Neujahrsmorgen 251 Einsätze - zumeist wegen kleinerer Brände, wie ein Sprecher sagte. In Aalen registrierte das Polizeipräsidium insgesamt 45 Brände durch Feuerwerkskörper. Dabei sei ein Gesamtschaden von mehr als 160.000 Euro entstanden, so die Polizei. Auch mehrere Gebäude gerieten in Brand.
Feuerwerk in Klassenzimmer geworfen: Möbel geraten in Brand
In eine Heilbronner Schule sind Feuerwerkskörper geworfen worden und haben mehrere Möbel in Brand gesetzt. Zuvor sei in der Nacht von Unbekannten die Scheibe eingeworfen worden, sagte eine Polizeisprecherin. Feuerwehrleute löschten den Brand. Die Polizei sucht nun nach den Tätern. Insgesamt habe es im Bereich des Polizeipräsidiums Heilbronn bis zum Neujahrsmorgen 423 Einsätze gegeben.
Nach einem Feuer in einem Haus in Bernstadt im Alb-Donau-Kreis ist das Gebäude laut Polizei einsturzgefährdet. Ein Nachbar erlitt eine leichte Rauchvergiftung. Die Brandursache wird noch ermittelt.
Meterhohe Flammen bei Garagenbrand
In Wiesloch (Rhein-Neckar-Kreis) brannten eine Garage und ein davor abgestelltes Fahrzeug. Es entstanden meterhohe Flammen. Die Feuerwehr löschte den Brand. Ein angrenzendes Wohnhaus wurde nicht beschädigt. Laut Polizei wird der Sachschaden auf etwa 150.000 Euro geschätzt. Die Ermittler prüfen, ob ein Feuerwerkskörper den Brand ausgelöst hat.
Beim Brand einer Garage in Graben-Neudorf (Kreis Karlsruhe) wurde eine Frau leicht verletzt. Sie habe das Auto noch aus der Garage fahren wollen, als diese bereits in Flammen stand, sagte eine Sprecherin der Polizei. Die Flammen griffen auch auf das angrenzende Haus über. Die Ermittler schätzen den Schaden auf etwa 250.000 Euro.
In Aldingen (Kreis Tuttlingen) entstand bei einem Dachstuhlbrand ein Schaden von mehreren hunderttausend Euro. Zwei Bewohner wurden laut Polizei vorsorglich wegen des Verdachts auf eine Rauchvergiftung versorgt . Das Gebäude sei aktuell nicht mehr bewohnbar.
Feuerwerkskörper explodiert: Mann verliert an Silvester drei Finger
In Lahr (Ortenaukreis) verlor ein 42-Jähriger durch die Explosion von Feuerwerkskörpern drei Finger. Der Mann sei von Sanitätern in ein Krankenhaus gebracht worden, teilte die Polizei mit. Sie spricht von einem "unsachgemäßen Umgang mit Feuerwerkskörpern".
Bei einem Brand in einem Mehrfamilienhaus in Neuried (Ortenaukreis) ist ein 70-Jähriger am Neujahrstag leicht verletzt worden. Der Brand war am Nachmittag in der Wohnung des Mannes in Neuried ausgebrochen, wie die Polizei mitteilte.
Freiburg: "Überwiegend friedlicher Verlauf der Silvesternacht"
Das Polizeipräsidium Konstanz zieht nach eigenen Angaben eine gemischte Bilanz der Silvesternacht. Insgesamt habe es 260 Einsätze gegeben. In 45 Fällen seien Brände gemeldet worden. Mehrfach waren demnach auch Autos betroffen. Das Polizeipräsidium Freiburg verzeichnete in der Silvesternacht mehr als 100 Einsätze und spricht insgesamt von einem überwiegend friedlichen Verlauf. Es sei ein normales Einsatzgeschehen zum Jahreswechsel gewesen, so die Rettungsdienste in Südbaden.
Polizei: Rund 40 Tote bei Silvesterparty in Schweizer Skiort Crans-Montana
Bei einer Explosion und einem Brand sind während einer Silvesterparty im Schweizer Skiort Crans-Montana im Kanton Wallis nach Polizeiangaben zirka 40 Menschen Menschen ums Leben gekommen. Etwa 115 Menschen seien in einer Bar zum Großteil schwer verletzt worden, teilte die Kantonspolizei mit. Die Ermittler gehen von einem Unglück aus. Laut dem Schweizer Bundespräsidenten Guy Parmelin handele es sich "um eine der schlimmsten Tragödien, die es in unserem Land jemals gab".
Nach dem Brand in Crans-Montana werden mehrere Verletzte aus dem Schweizer Wintersportort in baden-württembergischen Spezialkliniken behandelt. Das Stuttgarter Marienhospital teilte am Freitag mit, dass ein Patient aufgenommen worden sei und intensivmedizinisch versorgt werde. Die BG Klinik in Tübingen nahm zwei weitere Brandopfer auf.