Drei Tote, mehrere Verletzte - das ist die Silvesterbilanz in Baden-Württemberg. Nach dem schweren Brandunfall im schweizerischen Crans-Montana werden auch von dort einige der Patienten in BW behandelt - unter anderem im Zentrum für Schwerbrandverletzte im Marienhospital in Stuttgart.
Dort gibt es nicht nur die medizinische Expertise, sondern auch Spezialräume für Schwerbrandverletzte - mit Temperatur- und Feuchtigkeitsregler. Die drei Betten dort sind laut Matthias Rapp, dem Leiter des Zentrums für Schwerbrandverletzte, belegt. Zusätzlich würden sowohl auf der Normal- als auch auf der Intensivstation weitere Brandverletzte versorgt.
Behandlung und Heilungschance: Alles hängt vom Verletzungsgrad ab
Je nachdem, wie tief eine Verbrennung ist, werden unterschiedliche Behandlungsmethoden eingesetzt, erklärt Matthias Rapp, der Facharzt für Orthopädie und spezielle Unfallchirurgie ist. Man unterscheidet dabei verschiedene Schweregrade: oberflächliche und tiefe Verbrennungen, jeweils zweit- oder drittgradig.
Dabei stelle sich die Frage, "ob man durch Hautersatzmaterialien die Verbrennungen zum Abheilen bekommt oder ob die Verbrennungen so tief sind, dass man Haut transplantieren muss", sagt Rapp. Denn: Je tiefer die Verbrennung laut Rapp ist, desto weniger Zellen sind vorhanden.
Weniger Zellen erschwerten es wiederum, dass die Haut von alleine abheile und eine "stabile Haut" entstehe. Schließlich seien weniger Zellen vorhanden, die neue Hautzellen herstellen. Tiefe drittgradige Verbrennungen seien immer mit einer Hauttransplantation verbunden, so Rapp.
Je tiefer die Verbrennung, desto mehr Narben
Bei oberflächlich zweitgradigen Verbrennungen heilten die Wunden meist folgenlos und narbenfrei, führt der Leiter des Zentrums für Schwerbrandverletzte aus. Diese seien dann auch nach einer gewissen Zeit, wenn die Haut wieder stabil sei, voll belastbar.
Anders sieht es aus bei tief zweitgradigen oder drittgradigen Verbrennungen. Ohne Hauttransplantation könne die Haut instabil werden - Hauttransplantation wiederum könnten zu Narben und Narbensträngen führen, die schließlich die Funktion und Beweglichkeit von beispielsweise Gelenken einschränken. Das Risiko bestehe also, dass die körperliche und sportliche Leistung nicht wieder voll hergestellt werden könne.
Warum gerade große Verbrennungen sehr komplex sind
Für Brandverletzungen brauche es zum einen das Spezialwissen darüber, wie welche Behandlungsmethoden wann eingesetzt werden, betont Oberarzt Matthias Rapp. Neben speziellen Materialien brauche es außerdem auch Spezialzimmer: Im Marienhospital liegen Schwerbrandverletzte alleine, isoliert - so können sie hochsteril behandelt werden.
Um die Folgen der Hautschäden zu kompensieren, müssen auch Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit stimmen: 40 Grad muss es laut Rapp warm sein und 60 Prozent Luftfeuchte geben.
Durch die Verbrennung ist nicht nur die Haut betroffen.
Doch eine Verbrennung schädigt nicht nur die Haut, erklärt der Facharzt: "Innerhalb der ersten vier, fünf Stunden werden Stoffe freigesetzt, die auf die Organe des Patienten - Lunge, Leber, Niere, das gesamte Immunsystem - einwirken." Dadurch entstünden weitere Probleme, die ebenfalls mit behandelt werden müssen.
Nicht nur körperliche Heilung: In Stuttgart wird auch an die Psyche gedacht
Psychische Folgen einer Brandverletzung werden im Marienhospital mitbehandelt. So gehören zu Rapps Team auch Psychologen und Psychiater, wie der Zentrumsleiter erläutert. Schon bei der Aufnahme, sobald die Patienten ansprechbar seien, werden diese "gescreent, ob irgendwelche Tendenzen dafür da sind, posttraumatische Belastungsstörungen - also psychische Probleme nach einem Unfall - zu entwickeln", erklärt Rapp. Sei das der Fall, sei die psychologische Betreuung in die gesamte Behandlung mit eingebunden.