Lehrer wird "Mr QR-Code" genannt

Chatbot als Deutschlehrer: Wie Schüler in Ostfildern von der KI lernen

In einer Gemeinschaftsschule in Ostfildern bekommen viele Schüler QR-Codes statt Arbeitsblätter. Sie lernen mit Chatbot und Tablet. Ganz ohne menschlichen Lehrer geht es aber nicht.

Teilen

Stand

Von Autor/in Astrid Meisoll

David Warneck ist Lehrer an der Erich-Kästner-Gemeinschaftsschule in Ostfildern (Kreis Esslingen) und setzt auf eine besondere Methode beim Lernen: einen KI-Chatbot. So sollen die Schülerinnen und Schüler unter anderem selber schnelles Feedback zu ihren Aufgaben bekommen. Mittlerweile setzt er Künstliche Intelligenz so häufig im Unterricht ein, dass seine Schülerinnen und Schüler ihm einen Spitznamen verpasst haben: Mr QR-Code.

KI im Unterrichtsalltag integriert

Die typische Chatbot-Unterrichtsstunde sieht so aus: Zu Unterrichtsbeginn holt sich jeder Schüler und jede Schülerin ein Tablet aus dem Schrank im Klassenzimmer. Dann geht’s los. QR-Code abfotografieren, einloggen in den Chatbot Lernbuddy und Fragen beantworten.

Die achte Klasse soll lernen, was eine Kurzgeschichte ist. Dazu stellt der Chatbot Fragen. Was sind die Merkmale einer Kurzgeschichte? Wie wird die Figur im Text beschrieben? Die Lernenden schreiben ihre Antwort in das Chatfenster.

Individuelles Lernen mithilfe von KI

Schülerin Leni Weis arbeitet gerne mit dem Chatbot. Allerdings sagt sie: "Da war ich letzte Stunde nicht da." Kein Problem, der Chatbot gibt nämlich auch Tipps und interagiert mit den Lernenden: "Da fehlt noch was, lies bitte noch mal im Text nach."

Lehrer David Warneck sieht darin einen großen Vorteil. Traditionell gebe es nur zwei Möglichkeiten: "Entweder ich unterrichte die ganze Klasse und nur wenige Schüler melden sich und machen mit. Oder ich verteile ein Arbeitsblatt. Dann hat jeder Schüler zu tun, aber sie wissen auch nicht, ob sie die Aufgabe schon vollständig bearbeitet haben." Ein Chatbot knüpft direkt an den Wissensstand der Schülerinnen und Schüler an.

Lehrer David Warneck nutzt viel KI im Unterricht.
Lehrer David Warneck nutzt viel KI im Unterricht.

Der Chatbot spricht auch ukrainisch

Auch zum Wiederholen von Unterrichtsstoff kann der Chatbot eingesetzt werden. Der Chatbot beherrscht sogar andere Sprachen, wenn es erforderlich ist. Für Schülerin Anastasiia, die aus der Ukraine kommt, ein großer Vorteil.

Deutschlehrer David Warneck gibt Hilfestellung und kann später auch die Lernprofile der Schülerinnen und Schüler einsehen. Wichtig ist: Er hat den Chatbot vorher mit geprüften Informationen gefüttert. Der Chatbot an der Erich-Kästner-Gemeinschaftsschule ist ein eigens für den Unterricht zugelassenes Modell. BW-Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sprach sich bereits Anfang des Jahres dafür aus, dass Künstliche Intelligenz in den Unterricht integriert und nicht ferngehalten wird.

Der Unterricht per QR-Code hat aber auch seine Tücken. Mal ist der falsche QR-Code dabei oder ein Dokument noch nicht für die Klasse freigegeben. Da braucht es dann technischen Support, den Lehrer David Warneck schnell gibt.

Die Schüler bewerten am Ende den Unterricht

Zum Ende der Stunde teilt David Warneck teilt noch einen letzten QR-Code aus. Der führt zu einer Rezensionsseite, die der Lehrer so erläutert: "Sterne vergeben wie bei Google-Bewertungen."

Heidelberg

Gewerkschaft fordert mehr Digitalisierung an Schulen KI und Unterricht: Wie eine Schule in Heidelberg Lernen neu denkt

Eine Schule in Heidelberg hat ein neues digitales Unterrichtszentrum eingerichtet. Dazu gehören unter anderem Tablets und eine sichere Lizenz für eine Künstliche Intelligenz (KI).

SWR1 Baden-Württemberg SWR1 Baden-Württemberg

Stuttgart

Sorgen um kritisches Denken Studie: Viele Lehrkräfte unsicher im Umgang mit KI-Tools wie ChatGPT

Wie stehen Lehrkräfte zum Einsatz von KI an Schulen? Darauf hat das deutsche Schulbarometer in einer repräsentativen Befragung von über 1.500 Lehrkräften erstmals geschaut.

Impuls SWR Kultur

Freiburg

Über 100.000 Euro Investition Vorreiter in BW: An Freiburgs Schulen gibt es jetzt KI - ganz offiziell

Wenn Freiburgs Schüler zukünftig KI nutzen wollen, müssen sie das nicht mehr heimlich unter der Schulbank machen. Möglich macht das ein datenschutzrechtlich abgesichertes Angebot.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Astrid Meisoll
Astrid Meisoll arbeitet als Moderatorin und Politik-Reporterin.

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!