Nach plötzlichem Tod eines Dressurpferdes

Bornavirus: Wie gefährlich ist es für Pferd, Haustier und Mensch?

Das Pferd Diallo der Dressurreiterin Jessica von Bredow-Werndl ist tot - der Verdacht liegt auf dem Bornavirus. Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Virus.

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Von Autor/in Lilly Zerbst

Nachdem das Pferd der Dressurreiterin Jessica von Bredow-Werndl am Wochenende noch fit war, ist es nun plötzlich gestorben - Grund war möglicherweise eine Infektion mit dem Bornavirus. Auch Menschen können sich mit dem Virus anstecken. Eine Erkrankung ist extrem selten, aber meist tödlich.

Wie gefährlich ist das Bornavirus für den Menschen?

Eine Infektion mit dem Bornavirus löst eine Gehirnentzündung (Enzephalitis) aus. Die Erkrankung verläuft beim Menschen aktuellen Erkenntnissen zufolge mit Fieber, Kopfschmerzen und neurologischen Symptomen wie Sprachstörungen oder Gangstörungen. Die Entzündung des Gehirns führt innerhalb von wenigen Tagen oder Wochen zum Koma und meist zum Tod. Eine ursächliche Behandlung oder Impfung gibt es nicht. Aktuell wird für die Notfallbehandlung auf antivirale Medikamente zurückgegriffen. 

Das Pferd Diallo der Dressurreiterin Jessica von Bredow-Werndl starb überraschend - im Verdacht ist das Bornavirus. Auch für den Menschen endet eine Infektion mit dem Virus meist tödlich.
Das Pferd Diallo der Dressurreiterin Jessica von Bredow-Werndl starb überraschend - im Verdacht ist das Bornavirus. Auch für den Menschen endet eine Infektion mit dem Virus meist tödlich. Eibner

Wie wird es übertragen? Und an wen?

Das Bornavirus wird durch die Feldspitzmaus übertragen. Sie selbst erkrankt nicht schwer, scheidet das Virus aber über Urin, Kot und Speichel aus. Darüber können sich dann auch Tiere und der Mensch anstecken. Der genaue Übertragungsweg ist aber nicht abschließend geklärt. Auch eine Übertragung über kontaminierte Lebensmittel ist denkbar.  

Feldspitzmaus in der Natur. Sie überträgt das Bornavirus. Eine Ansteckung von Pferd zu Mensch oder Mensch zu Mensch ist nicht möglich.
Die Feldspitzmaus überträgt das Bornavirus. Eine Ansteckung von Pferd zu Mensch oder Mensch zu Mensch ist nicht möglich. blickwinkel

Eine Infektion bei anderen Tieren ist insgesamt sehr selten. Häufiger betroffen sind Pferde, Schafe, Lamas und Alpakas. Eine Ansteckung bei Menschen, Hunden und Katzen kommt vereinzelt vor. Abgesehen von der Feldmaus scheidet aber kein anderes Tier und auch nicht der Mensch den Virus aus. Eine Übertragung beispielsweise vom Pferd auf den Menschen oder von Mensch zu Mensch ist damit weitestgehend ausgeschlossen.  

Wie verbreitet ist das Bornavirus in Baden-Württemberg?

Das Bornavirus kommt in Baden-Württemberg nur in wenigen Regionen vor. Eine Infektion bei Pferden ist selten, berichtet die Pferde-Fachärztin Dr. Cornelia Schnerr gegenüber dem SWR: "Bei uns in der Klinik hatten wir in den letzten 20 Jahren nur einen bestätigten Fall“. Schnerr praktiziert an der Pferdeklinik Salzhofen in Bretten (Kreis Karlsruhe), einer der größten Pferdekliniken Europas.  

Auch bei Menschen kommt eine Infektion mit dem Virus nach Angaben des Robert Koch-Instituts sehr selten vor. Das Virus ist seit 2020 meldepflichtig. Im vergangenen Jahr starben drei Infizierte in Bayern am Bornavirus. Die aktuellsten Zahlen zum deutschlandweiten Infektionsgeschehen stammen von 2023. Damals wurden fünf Fälle gemeldet, drei davon in Bayern und zwei in Brandenburg. Von einer hohen Dunkelziffer sei laut RKI nicht auszugehen. 

Damit zählt eine Bornavirus-Infektion zu den seltensten Erkrankungen in Deutschland. Das Risiko, vom Blitz getroffen zu werden, ist etwa 40-Mal höher als sich mit dem Bornavirus zu infizieren.

Was schützt vor dem Bornavirus?

Bisher ist keine Personengruppe bekannt, die besonders gefährdet ist, sich mit dem Bornavirus anzustecken - es gibt keine Hinweise darauf, dass bestimmte Hobbys oder das Halten von Haustieren das Risiko erhöhen. Bekannt ist nur: Die meisten Infektionen kamen bisher im ländlichen Bayern vor. 

Besteht Verdacht auf das Bornavirus bei Tieren, empfiehlt die Tierärztliche Fakultät der Universität München die folgenden Hygienemaßnahmen: Hände desinfizieren, Fußbäder, gesonderte Schutzkleidung. Klassische Desinfektionsmittel, die Viren abtöten, wirken auch gegen das Bornavirus.

Desinfektionsmittel töten das Bornavirus zuverlässig ab. Das Virus ist sehr selten.
Desinfektionsmittel töten das Bornavirus zuverlässig ab. Das Virus ist sehr selten. peopleimages.com

Damit durch Mäuse übertragene Erkrankungen in Tierkliniken nicht ausbrechen, schreibt die Tierärztekammer eine strenge Schädlingsbekämpfung vor. "Zu uns kommt monatlich der Kammerjäger", erklärt Dr. Cornelia Schnerr von der Pferdeklinik Salzhofen.

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Autor/in
Lilly Zerbst
Portraitbild der Reporterin Lilly Zerbst.

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