Der Brennerpass ist seit 11 Uhr für den Transitverkehr komplett gesperrt. In den Stunden vor der Sperre war der Verkehr praktisch problemlos über den Brenner und durch das österreichische Bundesland Tirol gerollt. Verkehrsexperten sprachen auch am frühen Nachmittag von einer überraschend ruhigen Verkehrslage. "Es ist wirklich sehr, sehr wenig los, auch auf den Ausweichstrecken", hieß es vom Österreichischen Automobil-, Motorrad- und Touring Club (ÖAMTC). In den vergangenen Tagen war ein Verkehrschaos befürchtet worden.
Ruhige Lage am Pfändertunnel
Auswirkungen waren unter anderem auch am deutsch-österreichischen Grenzübergang Lindau-Hörbranz am Pfändertunnel erwartet worden. Nach der Blockade der alpenquerenden Brennerautobahn und der parallel verlaufenden Bundesstraße sind die befürchteten Staus auf den Ausweichstrecken bis zur Mittagszeit aber ausgeblieben. Reger Verkehr, aber keine langen Schlangen - so stellte sich die Situation am Autobahn-Grenzübergang Lindau-Hörbranz dar. Von dort kann man über den Arlberg und den Reschenpass alternativ Südtirol erreichen.
SWR-Reporter Thomas Wagner berichtet, dass auf der A96 viel Verkehr herrsche, sich im Pfändertunnel aber kein Stau gebildet habe. Ähnlich sei die Situation in Konstanz Richtung Schweiz, der Zulaufstrecke über den Gotthard. Auch dort sei es völlig entspannt, habe eine Sprecherin der Bundespolizei gesagt. Reisende gehen davon aus, dass das an den frühzeitigen Warnungen liegen könnte. "Es war ja schon seit einer Woche bekannt, dass der Brenner zu ist. Das ist auf jeden Fall kein Chaos", sagt eine Frau. Sie sei überrascht. "Ich hoffe mal, dass es so bleibt wie bis jetzt. Aber bis jetzt war's gut", ergänzte eine andere.
Mehrere Tausend Menschen protestieren gegen Verkehrsbelastung
Anlass der Sperre ist eine Protestaktion von Bewohnern und Bewohnerinnen der Region. Mehrere Tausend Menschen haben sich am Brennerpass zu einer Demonstration gegen die hohe Verkehrsbelastung an der wichtigen Transitstrecke versammelt. Die Teilnehmer der Veranstaltung in Matrei am Brenner brachten Schilder mit Slogans wie "Genug ist genug" und "Ruhe im Tal!" mit.
"Es ist sensationell", sagte Karl Mühlsteiger, Initiator der Proteste, zur Zahl der Demonstranten. "Das geht heute in die Geschichte Tirols ein", meinte Mühlsteiger, der Bürgermeister der nahen Gemeinde Gries am Brenner ist. Die Schmerzgrenze der Bevölkerung sei erreicht. Viele Demonstranten reisten mit Zügen und Fahrrädern an. Zu ihren Forderungen zählt ein erweiterter Lärmschutz und die Verlagerung des Schwerverkehrs auf die Schiene.
Auf manchen Schildern war auch Kritik an der verzögerten Planung der Bahn-Zulaufstrecke in Bayern zu sehen, die nach der Fertigstellung des Brennerbasistunnels für eine Entlastung der Autobahn sorgen soll.
Brenner-Sperrung dauert noch bis zum Abend
Die Polizei hatte im Vorfeld dazu aufgerufen, Tirol während der Sperre weiträumig zu umfahren. Damit soll ein Verkehrschaos vermieden werden. Offenkundig habe die Aufklärungskampagne gewirkt, so Alexander Holzedl vom österreichischen Autobahnbetreiber Asfinag.
Die Sperre dauert auf österreichischer Seite bis 19 Uhr, auf italienischer Seite bis 20 Uhr. Sie gilt für die Brenner-Autobahn und sämtliche Nebenstrecken. In diesem Zusammenhang schloss der Österreichische Automobil-, Motorrad- und Touring Club einen zäheren Verkehr in der Nacht zum Sonntag oder am Sonntag tagsüber nicht aus, weil dann womöglich viele führen, die ihre Fahrt verschoben hatten.
Fast elf Millionen Autos und rund 2,5 Millionen Lastwagen haben im vergangenen Jahr laut Autobahnbetreiber Asfinag die mautpflichtige Autobahn benutzt. Damit ist die Strecke die verkehrsreichste Nord-Süd-Verbindung der Alpen. Nach Berechnungen des Ökologie- und Verkehrsverbands VCÖ fuhren voriges Jahr fast dreimal so viele Lkw über den Brenner wie über alle Alpen-Transitstrecken der Schweiz.