Die Sperre der Brenner-Autobahn im österreichischen Bundesland Tirol ist nach einer Demonstration aufgehoben worden. "Alle Spuren sind wieder offen", sagte ein Sprecher des Autobahnbetreibers Asfinag am Samstagabend der Deutschen Presse-Agentur.
Der Brenner-Pass an der Grenze zwischen Österreich und Italien war seit dem Vormittag wegen eines Protests gegen die hohe Verkehrsbelastung blockiert. Auch auf italienischer Seite war die Autobahn tagsüber wegen der Demonstration gesperrt. In Richtung Norden wurde der italienische Abschnitt Sterzing-Brenner ebenfalls wieder für den Leichtverkehr geöffnet. Die Freigabe für Lkw war für 20 Uhr geplant. Dabei blieb das befürchtete Chaos aus.
Verkehrsexperten sprachen schon am frühen Nachmittag von einer überraschend ruhigen Verkehrslage. "Es ist wirklich sehr, sehr wenig los, auch auf den Ausweichstrecken", hieß es vom Österreichischen Automobil-, Motorrad- und Touring Club (ÖAMTC).
Ruhige Lage am Pfändertunnel
Auswirkungen waren unter anderem auch am deutsch-österreichischen Grenzübergang Lindau-Hörbranz am Pfändertunnel erwartet worden. Nach der Blockade der alpenquerenden Brennerautobahn und der parallel verlaufenden Bundesstraße sind die befürchteten Staus auf den Ausweichstrecken aber ausgeblieben. Reger Verkehr, aber keine langen Schlangen - so stellte sich die Situation am Autobahn-Grenzübergang Lindau-Hörbranz dar. Von dort kann man über den Arlberg und den Reschenpass alternativ Südtirol erreichen.
SWR-Reporter Thomas Wagner berichtete, dass auf der A96 viel Verkehr herrsche, sich im Pfändertunnel aber kein Stau gebildet habe. Ähnlich war die Situation in Konstanz Richtung Schweiz, auf der Zulaufstrecke über den Gotthard. Auch dort sei es völlig entspannt geblieben, sagte eine Sprecherin der Bundespolizei. Reisende gehen davon aus, dass das an den frühzeitigen Warnungen liegen könnte. "Es war ja schon seit einer Woche bekannt, dass der Brenner zu ist. Das ist auf jeden Fall kein Chaos", sagt eine Frau. Sie sei überrascht. "Ich hoffe mal, dass es so bleibt wie bis jetzt. Aber bis jetzt war's gut", ergänzte eine andere.
Mehrere Tausend Menschen protestieren gegen Verkehrsbelastung
Anlass der Sperre war eine Protestaktion von Bewohnern und Bewohnerinnen der Region. Mehrere Tausend Menschen hatten sich am Brennerpass zu einer Demonstration gegen die hohe Verkehrsbelastung an der wichtigen Transitstrecke versammelt. Die Teilnehmer der Veranstaltung in Matrei am Brenner brachten Schilder mit Slogans wie "Genug ist genug" und "Ruhe im Tal!" mit.
"Es ist sensationell", sagte Karl Mühlsteiger, Initiator der Proteste, zur Zahl der Demonstranten. "Das geht heute in die Geschichte Tirols ein", meinte Mühlsteiger, der auch Bürgermeister der nahen Gemeinde Gries am Brenner ist. Die Schmerzgrenze der Bevölkerung sei erreicht. Viele Demonstranten reisten mit Zügen und Fahrrädern an. Zu ihren Forderungen zählt ein erweiterter Lärmschutz und die Verlagerung des Schwerverkehrs auf die Schiene.
Auf manchen Schildern war auch Kritik an der verzögerten Planung der Bahn-Zulaufstrecke in Bayern zu sehen, die nach der Fertigstellung des Brennerbasistunnels für eine Entlastung der Autobahn sorgen soll.
Autobahnbetreiber: Warnungen im Vorfeld haben wohl gewirkt
Die Polizei hatte im Vorfeld dazu aufgerufen, Tirol während der Sperre weiträumig zu umfahren. Damit sollte ein Verkehrschaos vermieden werden. Offenkundig habe die Aufklärungskampagne gewirkt, so Alexander Holzedl vom österreichischen Autobahnbetreiber Asfinag.
Allerdings schloss der Österreichische Automobil-, Motorrad- und Touring Club einen zäheren Verkehr in der Nacht zum Sonntag oder am Sonntag tagsüber nicht aus, weil dann womöglich viele führen, die ihre Fahrt verschoben hatten.
Fast elf Millionen Autos und rund 2,5 Millionen Lastwagen haben im vergangenen Jahr laut Autobahnbetreiber Asfinag die mautpflichtige Autobahn benutzt. Damit ist die Strecke die verkehrsreichste Nord-Süd-Verbindung der Alpen. Nach Berechnungen des Ökologie- und Verkehrsverbands VCÖ fuhren voriges Jahr fast dreimal so viele Lkw über den Brenner wie über alle Alpen-Transitstrecken der Schweiz.