- Videoüberwachung in Hautarztpraxis
- Frau überwacht Ex-Mann mit Ortungsgerät am Auto
- Collien Fernandes: "Zahlen von digitaler Gewalt werden vermutlich stark hochgehen"
- Sexismus-Beschwerde nach Kontrolle: Polizist bewertet Frauen nach Attraktivität
Knapp 7.700 Beschwerden, ein Plus von 90 Prozent, dazu über 4.000 gemeldete Datenpannen und 314 Bußgeldverfahren mit insgesamt rund 309.000 Euro an Bußgeldern: Hinter diesen nüchternen Zahlen stecken Fälle, die zeigen, wie nah Datenschutzverstöße inzwischen am Alltag vieler Menschen sind - und wie stark neue Technologien die Entwicklung antreiben.
Der aktuelle Jahresbericht des BW-Landesdatenschutzbeauftragten Tobias Keber macht deutlich: Künstliche Intelligenz spielt dabei eine wachsende Rolle, nicht nur als möglicher Auslöser, sondern sogar bei der Erstellung von Beschwerden selbst. Gleichzeitig offenbaren konkrete Einzelfälle, wie sensibel das Thema geworden ist - von einer Arztpraxis, in der Kameras bis ins Behandlungszimmer reichen über heimliche Ortung per AirTag im privaten Umfeld, Sexismus bei Polizeikontrollen bis hin zu digitaler Gewalt durch Fake-Pornografie, deren Fallzahlen laut Experten bald deutlich steigen könnten.
Videoüberwachung in Hautarztpraxis
Ein besonders sensibler Fall aus dem vergangenen Jahr, für den Datenschützer Keber - wie er sagt - "kein Verständnis" hat, ist der in einer Arztpraxis, wo sowohl Patientinnen und Patienten als auch Mitarbeitende mit Kameras überwacht worden seien. Über einen Monitor ließ sich laut Bericht sogar ins Behandlungszimmer schauen. Der Hautarzt hat demnach die Videoüberwachung damit begründet, dass er so die Effizienz innerhalb der Praxis steigern wollte. Bei einem Arzt, bei dem sich Menschen öfter ausziehen, hält Keber diese Begründung für fragwürdig. Die Praxis wurde durchsucht und die Kameras sichergestellt. Die Praxis habe sich einsichtig gezeigt, heißt es.
Frau überwacht Ex-Mann mit Ortungsgerät am Auto
Weitere Datenschutzverstöße, über die der oberste Datenschützer in Baden-Württemberg in der Pressekonferenz berichtet, hängen mit dem Einsatz sogenannter AirTags zusammen. Es gebe Beispiele von getrennt lebenden Elternpaaren, bei denen die Ortungsgeräte in den Teddybär des Kindes eingenäht würden. In diesem Fall habe der eine Elternteil überprüfen wollen, ob der andere - wie versprochen - mit dem Kind am Wochenende auch in den Zoo gehe.
In einem anderen Fall, der beim Landesdatenschützer ist, hat eine Frau einen Airtag an den Auspuff des Autos ihres Mannes gehängt. Diese Fälle der Auto-Ortung gebe es häufiger, manchmal würden die Ortungsgeräte auch an den Kotflügel angebracht. Meistens seien es aber Männer, die ihre Frau oder Ex-Frau überwachen. Im genannten Fall war es anders herum. Die Frau habe deshalb etwa 1.500 Euro Bußgeld bezahlen müssen, hieß es.
Collien Fernandes: "Zahlen von digitaler Gewalt werden vermutlich stark hochgehen"
Auch der Fall der Schauspielerin Collien Fernandes, die schwere Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen in Verbindung mit Fakeprofilen mit pornografischen Inhalten erhebt, war Thema der Datenschutz-Pressekonferenz. Auf Nachfrage hieß es von Datenschützer Keber, im Bereich der Fake-Pornografie in Sozialen Netzwerken gebe es noch keine große Menge an Beschwerden. Er könne sich aber gut vorstellen, dass die Zahl der Beschwerden in diesem und im nächsten Jahr stark nach oben gehen wird. Als Grund führt er an, dass es immer mehr Dienste und KI-Tools gebe, die diese "Fake-Pornos" generieren könnten.
Sexismus-Beschwerde nach Kontrolle: Polizist bewertet Frauen nach Attraktivität
Ein weiterer Fall, den der Landesdatenschutzbeauftragte als sexistisch und frauenfeindlich bezeichnet, kommt aus dem Bereich der sogenannten Mitarbeiterexzesse und ist bei der Polizei vorgefallen. Demnach hat ein Polizist Frauen bei Kontrollen nach Attraktivität beurteilt und auf einer Skala von 1 bis 10 beurteilt. Später dann habe der Beamte - ab einem bestimmten Attraktivitätswert - die Fotos im Melderegister abgerufen - um damit vor seinen Kollegen anzugeben. Der Polizeibeamte musste deshalb 3.500 Euro Bußgeld bezahlen.