Wie klimaschädlich fahren Politiker?

Umwelthilfe-Dienstwagencheck: Strobl fährt den schmutzigsten, Kretschmann setzt auf Elektro

Regelmäßig listet die Deutsche Umwelthilfe auf, wie viel CO2 Politiker-Dienstwagen ausstoßen. Baden-Württemberg schneidet dabei gut ab. Doch die Auswertung hat Schwachpunkte.

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Stand

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisiert die aus ihrer Sicht vielen klimaschädlichen Dienstwagen von deutschen Spitzenpolitikerinnen und -politikern - auch in Baden-Württemberg. In der jüngsten Ausgabe ihres Checks von Politiker-Dienstwagen landet das Land zwar auf Rang 2 im bundesweiten Vergleich. Dennoch beklagt die DUH, dass auch hier noch zu viele Dienstwagen den EU-Flottengrenzwert für CO2 überschreiten. Dieser liegt zurzeit bei Pkw-Neuzulassungen bei 95 Gramm CO2 je gefahrenen Kilometer.

Kretschmann bekommt Grüne Karte

Immerhin fährt der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann seit zwei Jahren einen elektrobetriebenen Mercedes und ist damit laut Ranking klimafreundlicher unterwegs als seine Kolleginnen und Kollegen im Land. Laut den Berechnungen der DUH verbraucht der Mercedes EQS nur 83 Gramm klimaschädliches CO2 pro Kilometer. Kretschmann und Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) erhalten als einzige Länder-Regierungschefs von der Deutschen Umwelthilfe die Grüne Karte für ihre vollelektrischen Dienstautos.

Auswertung geht immer vom schlimmsten Fall aus

Die Liste der Umwelthilfe ist jedoch schwer vergleichbar mit anderen Statistiken. Denn bei ihrer Berechnung geht die DUH davon aus, dass Plug-in-Hybride auschließlich im Verbrennermodus genutzt werden. Laut Studien trifft das oft zu. Aber ob die Spitzenpolitiker und ihr Fuhrparkmanagement tatsächlich nie im Elektromodus fahren, ist offen. Hinzu kommt, dass manche Politikerinnen und Politiker mehrere Dienstwagen haben. In die DUH-Liste wird aber automatisch nur der Wagen mit dem höchsten CO2-Ausstoß aufgenommen, wie der Verband bestätigte. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die Emissionsangaben wegen unterschiedlicher Anforderungen an die Schutzvorkehrungen in den Fahrzeugen nur bedingt aussagekräftig sind. So gelten für Regierungschefs oder Innenminister schärfere Sicherheitsmaßnahmen als für andere Ministerämter.

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Schlusslicht im Ranking, sowohl in Baden-Württemberg als auch bundesweit, ist Innenminister Thomas Strobl (CDU). Sein Dienstwagen ist ein mit besonderen Sicherheitsvorkehrungen ausgestatteter Audi A8 mit Verbrennungsmotor, der 380 Gramm CO2 pro Kilometer ausstößt.

DUH: Kritik an Nutzung von Plug-in-Hybriden

Neben der Nutzung von Verbrennern kritisiert die Deutsche Umwelthilfe, dass nach wie vor viele Plug-in-Hybride Teil der Politiker-Flotten sind. Plug-in-Hybride sind Autos, die Elektro- und Benzinmotor kombinieren. Sie gelten als klimaschädlich, weil sie bis zu fünfmal mehr Sprit verbrauchen. Aber auch nicht jedes E-Auto erhält automatisch die Grüne Karte des Umweltverbandes - viele verbrauchen sehr viel Strom, der nicht immer emissionsfrei ist. Damit hängt die Klimawirkung auch immer vom Anteil fossiler Energien im Strommix ab.

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