Der Schokoladenhersteller Ritter Sport will in seiner Zentrale in Waldenbuch (Kreis Böblingen) mehr als jede zehnte Stelle abbauen. Das bestätigte ein Sprecher des Familienunternehmens. Zuerst hatte die "Lebensmittelzeitung" berichtet. Der Schritt folgt auf ein Verlustjahr 2025, das durch hohe Kosten für Kakao, Energie und Logistik geprägt war. Es ist der erste Stellenabbau in der über 110-jährigen Unternehmensgeschichte.
Hohe Kosten drücken Ritter Sport ins Minus
Nach Angaben des Unternehmenssprechers sollen rund 70 Verwaltungsstellen wegfallen. In Waldenbuch arbeiten derzeit rund 1.000 Menschen, davon gut 600 in der Verwaltung. Der Abbau soll sozialverträglich erfolgen, betriebsbedingte Kündigungen seien jedoch nicht ausgeschlossen. Weltweit beschäftigt Ritter Sport rund 1.900 Menschen.
Ritter Sport war 2025 trotz eines Umsatzanstiegs um 17,7 Prozent auf 712 Millionen Euro in die roten Zahlen geraten, so das Unternehmen. Das Umsatzwachstum resultierte aus höheren Verkaufspreisen bei rückläufigen Mengen. Vor allem stark gestiegene Rohstoffpreise, insbesondere für Kakao, belasteten das Geschäft. Auch Energie- und Verpackungskosten sowie eine spürbare Kaufzurückhaltung wirkten sich negativ aus. Das Betriebsergebnis blieb deutlich unter den Erwartungen. 2024 hatte das Unternehmen noch ein positives Ergebnis erzielt.
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Preise für Schokolade steigen – Preise für Kakao zuletzt gefallen
Die gestiegenen Kosten konnten nur teilweise an den Handel weitergegeben werden, erklärte Ritter Sport. In den vergangenen Jahren war Schokolade deutlich teurer geworden – im März lag der Preis laut Statistischem Bundesamt im Schnitt 71 Prozent höher als 2020. Ursache waren befürchtete Ernteausfälle in Westafrika. Zuletzt sind die Rohkakaopreise an den Börsen wegen besserer Ernten wieder gefallen, mehrere Hersteller haben daraufhin ihre Preise gesenkt.