Mutmaßlicher Untreue-Fall

AfD-Kreisverband Stuttgart: Ehemaliger Schatzmeister soll sich persönlich bereichert haben

Im mutmaßlichen Untreue-Fall beim AfD-Kreisverband Stuttgart hat sich ein ehemaliger Schatzmeister offenbar persönlich bereichert. SWR-Recherchen bestätigen einen Bericht der "BILD"-Zeitung.

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Von Autor/in Eric Beres, Marilina Görz y Moratalla, Philipp Reichert

Mal sind es Einkäufe bei C&A für 597,70 Euro, mal ist es eine dubiose Überweisung von rund 1.400 Euro mit Hilfe des Dienstleisters Klarna. Es sind teils merkwürdige Kontenbewegungen, für die der ehemalige und inzwischen verstorbene Schatzmeister des Kreisverbandes Stuttgart verantwortlich gewesen sein soll. Das legen Kontoauszüge des AfD-Kreisverbandes Stuttgart nahe, die dem SWR vorliegen. Zuerst hatte die "BILD"-Zeitung darüber berichtet. Der Verdacht: Der Mann soll sich persönlich bereichert haben.

Ins Gewicht fallen vor allem Transfers, die der Mann vom AfD-Konto über mehrere Jahre mutmaßlich auf sein eigenes privates Konto getätigt hat. Es geht um einen insgesamt sechsstelligen Betrag. Über diese Transfers und wer letztlich Empfänger des Geldes war, gab es seit Tagen Spekulationen. Haben noch andere von den Machenschaften des ehemaligen Schatzmeisters profitiert? Nach Recherchen der "BILD"-Zeitung soll tatsächlich der Schatzmeister selbst Inhaber des Kontos gewesen sein. Informationen des SWR bestätigen dies.

Offenbar Namensdiebstahl für Überweisungen

Um diese Transfers zu verschleiern, nutzte der Mann als Empfänger den Namen einer Firma in Böblingen. Das geht aus den Kontoauszügen hervor. Auf Anfrage teilte die Böblinger Firma mit, sie gehe von einem Missbrauch ihres Firmennamens aus. Der Landesvorsitzende der AfD in Baden-Württemberg, Emil Sänze, sagte dem SWR, die Firma habe vor 2022 tatsächlich drei Aufträge des AfD-Kreisverbandes erhalten, danach habe der ehemalige Schatzmeister den Namen der Firma für seine eigenen Zwecke genutzt.

Insgesamt seien so 143.000 Euro auf dessen Privatkonto geflossen. Auf dem AfD-Konto selbst sei es dadurch zu einem Verlust von rund 43.000 Euro gekommen. Um das AfD-Konto liquide zu halten, hatte der verstorbene Schatzmeister mutmaßlich seine Festanstellung als Sozialversicherungsfachangestellter bei der Techniker Krankenkasse genutzt und Überweisungen auf das AfD-Konto veranlasst, das er verwaltete. Laut Landeschef Sänze geht es dabei um rund 85.000 Euro. SWR-Recherchen zufolge beträgt die Summe sogar fast 100.000 Euro.

Geld für Urlaubsreisen?

Die "BILD"-Zeitung berichtet, der ehemalige Schatzmeister habe das Geld in den vergangenen Jahren unter anderem für mehrere aufwändige Urlaubsreisen genutzt, auch für Kreuzfahrten. Tatsächlich heißt es in einem Nachruf des AfD-Landesverbandes nach dem Tod des Mannes im März, dieser sei viel auf Reisen gewesen, "lag am Strand zwischen Seerobben und beobachtete vom Deck seines Schiffes die Weite des Meeres und die Schönheit der untergehenden Sonne".

Wie viel Geld er dafür von dem AfD-Konto verwendet hat, bleibt offen. Aus den Kontounterlagen geht allerdings hervor, dass er mutmaßlich mehrere Hundert Euro auf das Konto eines Kreuzfahrtkonzerns überwiesen hat.

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