Auswirkungen nach Angriffen auf Iran

Eskalation im Nahen Osten: Zahlreiche Flüge fallen aus - Demonstrationen in mehreren Städten

In Baden-Württemberg haben Hunderte Menschen nach der Eskalation im Nahen Osten demonstriert. Wegen des Konflikts entfallen zudem mehrere Flugverbindungen in die Region.

Teilen

Stand

Von Autor/in Katja Trautwein

Die Eskalation im Nahen Osten hat viele Menschen in ganz Deutschland und auch in Baden-Württemberg auf die Straßen getrieben - beispielsweise in Stuttgart, Karlsruhe, Freiburg und Heilbronn. In Karlsruhe beispielsweise kamen um kurz nach Mitternacht rund 80 Menschen am Schlossplatz zusammen und feierten den Tod des iranischen Führers Chamenei.

Zugleich stellt sich die Frage, ob sich der Konflikt auch in Baden-Württemberg bemerkbar macht - teils gibt es schon Auswirkungen wie etwa im Flugverkehr:

Auswärtiges Amt warnt - Fluggesellschaften streichen Verbindungen

Unterdessen hat das Auswärtige Amt in Berlin seine Sicherheitshinweise für die Krisenregion verschärft. Eine Reisewarnung gilt nun für Bahrain, Irak, Israel, Jordanien, Katar, Kuwait, Libanon, Oman, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Die Eskalation im Iran-Konflikt hat auch den internationalen Flugverkehr massiv getroffen. Viele Airlines haben ihre Verbindungen in die Region eingestellt. Betroffen sind unter anderem auch die Flüge von Condor und Eurowings von Stuttgart nach Dubai und Erbil im Irak. Das sind nach Angaben des Unternehmens die Auswirkungen bei den Airlines der Lufthansa Group:

  • Flüge nach Tel Aviv, Beirut, Amman, Erbil, Dammam und Teheran werden bis einschließlich 8. März ausgesetzt.
  • Die Lufträume Israel, Libanon, Jordanien, Irak, Qatar, Kuweit, Bahrain, Dammam und Iran werden bis einschließlich 8. März nicht genutzt.
  • Die Flüge von und nach Dubai und Abu Dhabi werden bis einschließlich 4. März ausgesetzt.
  • Der Luftraum der Vereinigten Arabischen Emirate wird ebenfalls bis einschließlich 4. März nicht genutzt.

"Betroffene Fluggäste können kostenfrei auf ein späteres Reisedatum umbuchen oder erhalten alternativ den vollständigen Ticketpreis zurück", teilte das Unternehmen weiter mit.

Auch bei Condor wirkt sich die Eskalation nach Angaben des Unternehmens aus:

  • Condor Flüge zwischen Berlin sowie Stuttgart und Dubai werden bis einschließlich 2. März 2026 ausgesetzt.

"Betroffene Gäste werden darüber entsprechend informiert und können sich für Umbuchung- und Stornierungsoptionen an den Condor Kundenservice wenden", so die Fluggesellschaft.

Flugzeug aus Stuttgart kehrt um

Nach einem Bericht der "Stuttgarter Nachrichten" musste ein Condor-Flug nach Dubai am Samstagmorgen wegen der militärischen Aktivitäten im Nahen Osten umdrehen. Die Maschine mit 93 Passagieren an Bord sei nach rund drei Stunden Flug wieder sicher am Stuttgarter Flughafen gelandet.

Stuttgart: Rund 300 Menschen demonstrierten gegen das iranische Regime

In Stuttgart haben bereits am Samstagnachmittag mehrere hundert Menschen der Opfer des iranischen Regimes gedacht. Überschattet wurde die Veranstaltung von den Angriffen Israels und der USA auf Iran und den Gegenangriffen.

Vor Ort sehe man die Angriffe mit gemischten Gefühlen, so die Demonstranten. Ohne militärische Hilfe aus dem Ausland komme man im Iran aber nicht weiter. Halleh Kamali wünschte sich deshalb nur eines: "Dass alles wegkommt, die ganzen Terroristen. Der Kopf der Schlange muss weg. Und der sitzt im Iran." Lena Raisdanai äußerte sich ähnlich: "Das Internet ist abgeschaltet. Wir kriegen nicht wirklich viele News. Aber jetzt, da es gerade begonnen hat, ist natürlich die Hoffnung da, dass diese Regierung ausgelöscht wird."

Die aktuellen Entwicklungen im Live-Ticker der Tagesschau:

Gefahr für Einrichtungen in Baden-Württemberg?

Könnte die Eskalation im Nahen Osten auch in Baden-Württemberg bemerkbar werden? Dem Innenministerium des Landes liegen derzeit "keine Erkenntnisse vor, aus welchen sich eine konkrete Gefährdung für ausländische, jüdische, israelische und US-amerikanische Einrichtungen in Baden-Württemberg ableiten lässt". Das teilte Innenminister Thomas Strobl (CDU) mit.

Die Sicherheitsbehörden seien besonders wachsam und träfen lageorientiert die erforderlichen Maßnahmen. Das Schutzniveau an jüdischen, israelischen und US-amerikanischen Einrichtungen sei bereits sehr hoch und bleibe freilich auf diesem Niveau.

Geistliches Oberhaupt Chamenei getötet

Israel und die USA greifen seit Samstag Ziele im Iran an. Inzwischen hat auch der Iran die Tötung des iranischen Staatsoberhaupts und Religionsführers Ajatollah Ali Chamenei bestätigt. US-Präsident Donald Trump und Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu haben deutlich gemacht, dass sie mit den Angriffen auf die Führungsriege des Landes den Weg für einen Machtwechsel ebnen wollen. Sie riefen die Iraner dazu auf, die Führung des Landes in die Hand zu nehmen. Der Iran reagierte mit Gegenangriffen auf Israel und auf Golfstaaten, in denen das US-Militär Stützpunkte unterhält. 

Nach Luftangriff: Regimewechsel im Iran?

Tim Epkenhans, Professor für Islamwissenschaft an der Universität Freiburg, erklärte am Abend im Interview mit SWR Aktuell, die israelische und die amerikanische Regierung wollten ähnlich wie 2025 das iranische Nuklearprogramm ausschalten. Anders als damals gehe es dieses Mal aber auch um die Ausschaltung von ballistischen Raketen und Drohnen. Und, so Epkenhans, dieses Mal sei tatsächlich klar, "dass sowohl Israel als auch die USA die Ablösung des jetzigen Regimes in Iran als Kriegsziel definiert haben".

Dass sich das islamische Regime durch die jüngsten Angriffe stürzen lässt, ist für Epkenhans dabei nicht klar. Im Iran gebe es verschiedene Institutionen und Repressionsgruppen, wie die Revolutionsgarden, die nicht einfach durch Luftschläge ausgeschaltet werden könnten. Vor allem könne er für die Zeit nach den Luftschlägen aber nicht erkennen, "dass die Israelis oder die Amerikaner tatsächlich Bodentruppen im Iran einsetzen würden."

Freiburg

Sara ist seit November in Freiburg Interview mit Studentin aus dem Iran: "Dankbar für das Glück, das mich nach Freiburg geführt hat"

Sara ist im November aus dem Iran nach Freiburg gezogen und hat ihr erstes Semester absolviert. Sie sorgt sich um ihre Heimat, aber das Studium in Freiburg gibt ihr Hoffnung.

Baden-Württemberg

Proteste im Iran Was sich ein Mannheimer Exil-Iraner für sein Herkunftsland wünscht

Die Ereignisse im Iran bereiten dem Deutsch-Iraner Reza Shari schlaflose Nächte. Er selbst war schon mal im berüchtigten Evin-Gefängnis. Die Gewalt traf ihn auch in Mannheim.

SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR BW

Freiburg

Bürgermeister "blutet das Herz" Freiburgs Spagat zwischen Israel und Iran - Städtepartnerschaften in Kriegszeiten

Freiburgs Partnerstädte Isfahan und Tel Aviv sind im Krieg. Wie geht die Stadt damit um? Sie setzt auf Menschlichkeit statt Schwarz-Weiß-Denken und bietet beiden Seiten Hilfe an.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Katja Trautwein
Katja Trautwein
Onlinefassung
Natalja Kurz
Portraitfoto Natalja Kurz, SWR

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!