Peter Glaub hatte viele Hobbys – fast nichts davon geht mehr, denn Peter Glaub leidet an essenziellem Tremor. Das heißt, er zittert, und zwar ohne, dass er das kontrollieren kann, nicht einmal selbstständig kochen geht mehr:
"Ich habe gestern versucht, mal wieder Kartoffeln zu schälen, und das funktioniert alles nicht, weil, wenn beide Hände ein bisschen wackeln, dann schneidet man sich dann doch mal eine Fingernagelkuppe oder so ab."
Tremor ist ein Krankheitsbild, das in unterschiedlichen Ausprägungen etwa ein Prozent der Bevölkerung betrifft, sagt Professor Volker Cönen. Er leitet die Stereotaktische Neurochirurgie der Freiburger Uniklinik.
Essenzieller Tremor - Erkrankung des Kleinhirns
"Essenzieller Tremor ist eine Erkrankung des Kleinhirns. Die hat mit einer speziellen Zellgruppe zu tun. Die nennen wir das Purkinje-Fasersystem. Der genaue Grund ist uns nicht klar."
Das Zittern entsteht also irgendwo im Kleinhirn und gelangt dann an die Stelle, wo die Bewegung gesteuert wird. Für Peter Glaub heißt das, wenn er einen Kreis aufmalen soll, erinnert der eher an ein Zahnrad.
Daher hat er sich an die Freiburger Neurochirurgen gewandt, denn die wenden ein innovatives Verfahren an, das bisherige invasive Behandlungsmethoden ersetzen kann.
Ultraschall als neue Behandlungsmethode für Tremor-Patienten
Die Forschenden können den Punkt im Hirn, der das Zittern auslöst, durch gebündelte Ultraschallstrahlen erhitzen und ausschalten, und zwar ohne den Schädel zu öffnen. "Den Ort, wo man eine Gewebsausschaltung machen muss oder eine Gewebsmodulation, den kennen wir. Den stellen wir mit Bildgebungen dar", betont Volker Cönen.
Der gesamte Eingriff wird per MRT überwacht, einem röntgenähnlichen Gerät auf Magnetbasis, und die Patienten bleiben wach, brauchen keine belastende Narkose. Allerdings müssen die Patienten während der Behandlung absolut still liegen, es geht um Millimeter.
Tremor-Erkrankung: Neue Ultraschall-Behandlung erfolgreich
Ultraschall-Behandlung: Präziser Eingriff im MRT
Daher wird ihr Kopf in einem Rahmen eingespannt und fixiert. Ein Spezialgerät gibt dann die Ultraschallwellen ab. Über die MRT-Bilder bestimmen die Neurochirurgen den Punkt im Hirn, den sie gezielt ausschalten wollen, steigern in mehreren kurzen Behandlungsschritten die Temperatur, und knapp zwei Stunden später ist alles vorbei. Dr. Bastian Sajonz zeigt das Ergebnis der hochintensiven fokussierten Ultraschall-Operation auf dem Bildschirm.
Die MRT-Bilder zeigen "die Läsion, die entstanden ist durch die Behandlung und durch die Läsion wird der Tremor oder das Tremorsignal jetzt nicht weitergeleitet. Dadurch haben wir so ein schönes Ergebnis hier, dass der Patient kein Tremor mehr hat."
Nach der Behandlung hat Peter Glaub auf seiner Liege ein paar Blätter mit Spiralen bemalt. Keine Spur von Zahnrad wie am Vortag. Ein Kreis sieht aus wie ein Kreis, das Zittern ist verschwunden und er ist erschöpft, aber zufrieden: "Eigentlich geht es mir gut, bis natürlich auf die Kopfschmerzen. So ein Druck im Kopf noch, aber das ist ganz normal, wenn man die ganze Zeit so eingespannt war, denke ich, ist es normal."
Ultraschall-OP als Hoffnung für weitere Hirn-Krankheiten
Behandlungen dieser Art sind erst ein Anfang. In naher Zukunft denkbar sind Ultraschall-Behandlungen auch bei anderen Krankheitsbildern wie zum Beispiel Parkinson, hofft Professor Michel Rentjes, Neurologe an der Uniklinik Freiburg: "Aber man kann das Symptom Zittern sehr gut behandeln mit Ultraschall. Auch die anderen Symptome wie Minderbeweglichkeit und Muskelsteifigkeit, da gibt es Hoffnungen, dass wir die bald auch behandeln können."