Handelsabkommen EU-Indien

Wie BW-Unternehmen von Indien profitieren

Die EU und Indien haben sich auf ein umfassendes Handelsabkommen geeinigt. Die Verhandlungen laufen seit 2007. Auch in Baden-Württemberg profitieren Firmen davon.

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Stand

Von Autor/in Jochen Braitinger

Die EU und Indien haben sich am Dienstag bei einem Gipfeltreffen in Neu-Delhi auf ein Handelsabkommen geeinigt. Es ist das größte Abkommen weltweit und angesichts der teilweise sehr hohen Handelshürden in Indien ein echter Game-Changer für deutsche Unternehmen, auch für die aus Baden-Württemberg.

Das Abkommen erleichtert den Zugang zum indischen Markt, der rund ein Viertel der Weltbevölkerung repräsentiert, rund 1,4 Milliarden Menschen. Mit dem Freihandelsabkommen sollen Zölle in beide Richtungen gesenkt oder vollständig abgeschafft werden.

Es wartet ein riesiger Absatzmarkt. Auf Autos aus der EU werden zur Zeit noch bis zu 110 Prozent Einfuhrzoll erhoben. Fallen sie weg, könnte der Export dorthin steigen.

Freihandel für BW enorm wichtig

Claus Paal, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart sitzt am Schreibtisch
Claus Paal, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart.

Der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK), Region Stuttgart, Claus Paal, sieht große Chancen: "Indien bezahlt momentan für den Export in die USA 50 Prozent Zölle. Dadurch ist eine Türe aufgegangen für uns. Und wenn wir diese Zölle, die mit uns momentan gelten, deutlich absenken könnten, dann wäre das eine Chance für uns, die wir ergreifen können."

Gerade die Hauptbranchen im Land, wie Automobil, Maschinenbau und Chemie würden profitieren und auch die Zulieferer mit nach oben ziehen, so Paal. Auch das Thema Fachkräftemangel bleibe eine große Herausforderung. Man könne Dienstleistungen beispielsweise in Ingenieurbereichen in Indien einkaufen. Da müssten die Menschen nicht zwangsläufig zu uns kommen. Aber auch das würde natürlich vereinfacht werden.

Beispiel Lapp Kabel aus Stuttgart

Tausende Kilometer an Kabeln liegen fertig produziert und aufgerollt bei Lapp in Stuttgart-Vaihingen. Sie sind bereit für den Verkauf ins In- und Ausland - auch nach Indien. Das Freihandelsabkommen der EU käme hier genau richtig.

Wenn Lapp Produkte für sein Werk in Indien importiert, würden künftig die ganzen Hemmnisse wie Zoll und Dokumentation für den Import dort vor Ort wegfallen, sagt Matthias Lapp, Vorstandsvorsitzender der Lapp Holding AG. "Und so könnten wir schneller in das Land importieren, mit weniger Aufwand und natürlich geringeren Kosten. Und zum anderen gibt es mehr Wettbewerb, das Wegfallen der Tarife sorgt für mehr Dynamik."

Denn Lapp könnte dann ohne Tarife - oder Zölle auch den umgekehrten Weg gehen und Kabel aus der eigenen indischen Niederlassung leichter in die EU einführen.

Und auch für Indien ist das Freihandelsabkommen attraktiv. Die indische Wirtschaft wächst enorm, Unternehmen aus der ganzen Welt bauen hier Werke auf, wollen für den indischen Markt vor Ort produzieren.

Mehr als nur ein Handelsabkommen, auch Sicherheit ein Thema

Zusätzlich zu dem Handelspaket wird noch ein Sicherheitsabkommen unterzeichnet. Dabei soll es unter anderem um eine engere Zusammenarbeit im Bereich Anti-Terror-Maßnahmen gehen. Agrarprodukte bleiben bei dem Abkommen komplett ausgeklammert. Indien sorgt sich um die eigene Landwirtschaft und fürchtet sich vor der europäischen Konkurrenz.

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Jochen Braitinger
Onlinefassung
Andreas Reinhardt
Bild von Wirtschaftsredakteur Andreas Reinhardt

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