Möglichst viele sollen in Deutschland bleiben

Heimweh kein Thema mehr: Ellwanger Akademie für ausländische Fachkräfte halbiert Abbrecherquote

Fackkräfte aus dem Ausland gewinnen, das ist das Ziel einer Akademie in Ellwangen. Anfangs kehrten viele junge Leute Deutschland allerdings wieder den Rücken. Das hat sich inzwischen geändert.

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Von Autor/in Frank Polifke

Es wird eine Win-win-Situation. Zumindest besteht die Chance. Jungen Erwachsenen aus verschiedenen Ländern eine Ausbildung in Deutschland zu ermöglichen. Und gleichzeitig dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Das hat sich die EATA - die Europäische Ausbildungs- und Transferakademie - auf ihre Fahnen geschrieben.

Dazu müssen die Absolventinnen und Absolventen aber nach Abschluss der Ausbildung in Deutschland bleiben. Das tun sie aber nicht in jedem Fall.

Caterina de Bortoli: Offen sein und Freunde finden hilft gegen Heimweh

Caterina strahlt. Die 22-Jährige mit den langen dunklen Haaren wirkt entspannt und aufgeräumt. Die junge Italienerin aus der Nähe von Venedig hat die EATA absolviert, dabei vor allem Deutsch gelernt und viel über die Gepflogenheiten in ihrem Gastland. Inzwischen ist sie im dritten Lehrjahr bei PlanB, einem StartUp-Unternehmen für Software-Entwicklung in Hüttlingen bei Aalen.

Die Ausbildung gefällt ihr, erzählt sie in fließendem Deutsch mit leichtem Akzent. "Es gibt so coole Projekte, und ich arbeite viel mit dem KI-Team und mit den anderen Azubis auch." Anfangs sei es schwer gewesen, erinnert sich Caterina, als sie noch wenig Deutsch konnte und kaum jemanden kannte.

Das hat sich geändert. Die angehende Software-Entwicklerin hat viele Freunde gefunden. Geholfen haben ihr ihre Kontaktfreude und ihr Hobby Musik: Caterina singt in einem Ellwanger Chor und spielt Geige. Heimweh? Am Anfang vielleicht, jetzt ist es kein Thema mehr. Und Venedig ist jetzt auch nicht so arg weit weg. "So dreimal, viermal pro Jahr fahre ich nach Italien, und manchmal kommt meine Familie auch hierher."

Immer mehr Absolventen der Europäischen Ausbildungs- und Transferakademie in Ellwangen (EATA) wollen nach Ende der Ausbildung in Deutschland bleiben.
Immer mehr Absolventen der Europäischen Ausbildungs- und Transferakademie in Ellwangen (EATA) wollen nach Ende der Ausbildung in Deutschland bleiben.

Ob sie in Deutschland bleibt? Caterina ist noch unentschieden

Angekommen ist Caterina in Deutschland. Aber will sie auch bleiben? "Natürlich gibt es in Italien meine Familie und auch meine Freunde. Aber ich finde, dass es hier einfacher ist, sich zu bilden, und ich weiß auch nicht, wie die Ausbildung in Italien anerkannt würde."

Grundsätzlich könnte sie in ihrer Branche zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Für ein deutsches Unternehmen arbeiten, aber in Italien leben, erzählt Heiko Huber, Ausbildungsleiter von PlanB. "Ob die Leute in Italien oder Deutschland sitzen, ist nicht so wichtig."

Abbrecher- und Heimkehrerquote der EATA geht mehr und mehr zurück

In anderen Branchen ist das kaum möglich, etwa im Erziehungs- oder Pflegebereich. Da wurde die anfangs hohe Abbrecher- bzw. Rückkehrerquote zum Problem. Zur Eröffnung der EATA im Jahr 2018 lag sie bei rund 70 Prozent.

Das hatte mehrere Gründe, weiß Geschäftsführerin Dorothea Ewers. Da spielte die ursprünglich eher karge Unterbringung eine Rolle, aber auch das jugendliche Alter und die fehlende Lebenserfahrung der Teilnehmenden. "Wie koche ich, wie wasche ich? Die ganzen Alltagsthemen, die junge Menschen in neuen Lebenssituationen ganz anders wahrnehmen."

Verantwortliche der EATA haben gelernt

Daraus haben die EATA-Verantwortlichen gelernt: Die Interessenten können sich inzwischen schon in ihrer Heimat besser darüber informieren, was sie erwartet. Und kommen nicht mit falschen Erwartungen, so die Geschäftsführerin.

Außerdem müssen Teilnehmende, die gut Deutsch sprechen, nicht nochmal einen Sprachkurs machen, das erspart Frustration. Die Änderungen hatten Erfolg: Im Jahr 2024 lag die Abbrecher- bzw. Heimkehrerquote nur noch bei 35 bis 40 Prozent.

Lotse hilft EATA-Absolventen im Alltag

Seit Kurzem hilft außerdem Christian Schmidt den jungen Leuten beim Eingewöhnen. Als so genannter "Lotse" unterstützt er sie bei Behördengängen, vermittelt Freizeitaktivitäten und hilft ihnen sogar, sich gesund zu ernähren. Dadurch können sich die EATA-Absolventen besser auf ihre Ausbildung konzentrieren.

Dorothea Ewers rechnet fest damit, dass noch mehr ihrer Schützlinge bleiben. In diesem Fall wird die EATA wirklich zur Win-win-Geschichte.