Astronomie-Interessierte dürfen sich freuen: Am kommenden Sonntag, 7. September, gibt es eine totale Mondfinsternis. Wenn das Wetter mitspielt und der Himmel frei ist, sollte das Himmelsphänomen tendenziell auch in Baden-Württemberg gut sichtbar sein. Wer jedoch Details der Mondlandschaft erspähen will, braucht ein Teleskop. Sternwarten und Planetarien geben besondere Einblicke. Alle wichtigen Fragen und Antworten auf einen Blick:
- Was passiert bei einer Mondfinsternis?
- Wann beginnt und endet die Finsternis?
- Wie lässt sich die Mondfinsternis am besten beobachten?
- Wie sieht der Mond dann aus?
- Welche Sternwarten haben geöffnet?
- Wo kann mit dem Teleskop im Freien in den Himmel geblickt werden?
- Was gibt es im Stuttgarter Planetarium zu sehen?
- Was passiert während der Mondfinsternis auf dem Mond?
- Wann ist die nächste totale Mondfinsternis?
- Ist eine Mondfinsternis bedeutend für die Forschung?
Was passiert bei einer Mondfinsternis?
Die voll beleuchtete Mondkugel wandert durch den Schatten der Erde und wird dabei verfinstert. Denn die Erde schiebt sich auf ihrer Bahn um die Sonne zwischen Mond und Sonne, wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) erläutert: "Mond, Erde und Sonne befinden sich nahezu auf einer Linie und der Kernschatten der Erde wandert über den Mond."
Es sei im Grunde das gleiche Prinzip wie bei einer Sonnenfinsternis, bei der sich der Mond zwischen Sonne und Erde schiebt. Weil der Durchmesser der Erde aber etwa viermal größer sei als der des Mondes, gelte das auch für den Schatten. Die Finsternis auf der Mondoberfläche dauere deswegen länger, so das DLR.
Wann beginnt und endet die Finsternis?
Sie beginnt mit Eintritt des Mondes in den Halbschatten der Erde gegen 17:27 Uhr. Eine Stunde später gerät er in den Kernschatten. Gegen 19:30 Uhr beginnt die Totalität. Sie dauert bis etwa 20:53 Uhr. Dann schiebt sich der Vollmond aus dem Kernschatten heraus, bevor er ihn gegen 21:57 Uhr ganz verlässt.
"Leider hat die Mondfinsternis dieses Mal einen riesengroßen Haken", sagt Carolin Liefke, stellvertretende Leiterin des Hauses der Astronomie in Heidelberg. "Egal wo: Der Mond geht schon komplett verfinstert auf." Weil er auch kein außergewöhnlich großer "Supermond" ist, könnte er gerade direkt am Horizont schlecht zu erkennen sein - sondern erst, wenn er höher am Himmel über den Dunstschichten steht. "Es ist sogar möglich, dass man ihn erst sehen kann, wenn er schon aus der totalen Finsternis raus ist."
In Berlin erfolgt der Mondaufgang zum Beispiel um 19:37 Uhr, in München um 19:40 Uhr, in Hamburg um 19:52 Uhr und in Köln um 20:01 Uhr. "Je weiter im Osten man ist, desto besser", sagt Liefke mit Blick auf den Aufgang.
Wie lässt sich die Mondfinsternis am besten beobachten?
Auch Dr. Mathias Jäger, wissenschaftlicher Leiter am Planetarium in Mannheim, bestätigt, dass es diesmal eine ganz besondere Mondfinsternis sei, so der Astronom: Denn sie beginnt besonders früh, wenn der Mond bei uns eigentlich noch hinter dem Horizont ist. "Wir sehen also die Mondfinsternis erst, wenn er bereits in der Totalität ist, das heißt, er geht blutrot auf."
Als Beobachtungsplatz wird also ein Ort mit guten Blick zum Horizont gebraucht. "Irgendwohin gehen, wo es super flach ist oder hoch hinaus auf einen Hügel oder einen Berg", rät der Experte
Wie sieht der Mond dann aus?
Rötlich-bräunlich. Die genaue Farbe lässt sich laut Liefke aber schwer vorhersagen, weil Einflüsse wie Saharastaub oder Vulkanausbrüche eine Rolle spielen können. Vor allem aber sei der Mond nicht knallrot. Daher findet sie die Bezeichnung "Kupfermond" treffender als das geläufige "Blutmond". Ursache ist die Atmosphäre der Erde, wie die Volkssternwarte Darmstadt auf ihrer Internetseite erklärt. Das Sonnenlicht werde durch die Luftschichten der Erdatmosphäre nach innen abgelenkt. Vor allem der kurzwellige blaue Anteil des Sonnenlichts werde durch Streuung in der Atmosphäre geschwächt: "Somit bekommt der Mond vor allem den rötlichen Anteil des Sonnenlichts ab."
Wer sich schon einen Eindruck verschaffen will, wie so eine Mondfinsternis aussieht, findet zum Beispiel auf der Webseite der Sternwarte Zollern-Alb Videos von einem ähnlichen Ereignis vor fünf Jahren. Am Sonntag wollen die Fachleute ab 19:45 Uhr auf den Parkplätzen vor der Sternwarte in Rosenfeld Geräte zur Beobachtung zur Verfügung stellen. Dafür ist aber eine Anmeldung bis Freitagmittag über ein Onlineformular nötig. Der Eintritt hierfür ist frei. Sollte das Wetter nicht mitspielen, wird ein - dann allerdings kostenpflichtiges - Ersatzprogramm aus Präsentationen zu verschiedenen Themen geboten. "Bei einer Wetteränderung und der Möglichkeit zur Beobachtung der Finsternis wird das Programm sofort unterbrochen", heißt es weiter.
Welche Sternwarten haben geöffnet?
Die Sternwarte Stuttgart ist bei schönem Wetter ab 20 Uhr geöffnet. Interessierte sollten dann aber pünktlich sein: Die Totalität der Mondfinsternis dauert nur bis kurz vor 21 Uhr. Dann schiebt sich der Vollmond schon wieder aus dem Kernschatten der Erde heraus, bevor er ihn etwa eine Stunde später ganz verlässt. Der Eintritt ist hier wie in den meisten Fällen frei.
Die Astronomische Vereinigung Karlsruhe (AVKa) will die Sternwarte Karlsruhe auf dem Max-Planck-Gymnasium in Rüppur immerhin ab 19 Uhr öffnen - aber auch nur dann, "wenn das Wetter Beobachtungen erlaubt". Darüber informiert die AVKa am Sonntag ab 18 Uhr auf der Internetseite.
Im Ostalbkreis hat die Sternwarte Aalen die Beobachtung der Mondfinsternis von 20 bis 22 Uhr auf dem Programm. Und wer bei Konstanz kurz über die Grenze zur Schweiz huscht, ist ab 19 Uhr im Bodensee Planetarium in Kreuzlingen zu einem öffentlichen Abend in der Sternwarte richtig.
Wo kann mit dem Teleskop im Freien in den Himmel geblickt werden?
"Mit unseren Teleskopen lässt sich ein gestochen scharfer Blick auf die Struktur des Mondes werfen, die durch den wandernden Erdschatten besonders gut sichtbar sein wird", versprechen die Sternfreunde Breisgau. Sie wollen sich bei gutem Wetter ab 19:45 Uhr an der Rotlache auf dem Schauinsland treffen und laden Gäste ein, einen Blick durch ihr Instrumentarium zu werfen. Ihr Tipp: Weil es auf dem Berg nahe Freiburg auch im Sommer schnell kühl werden kann, sollte man auf passende Bekleidung achten.
Was gibt es im Stuttgarter Planetarium zu sehen?
Das Planetarium Stuttgart befasst sich ebenfalls mit dem Mond - aber auf ganz andere Weise: Ab 18:00 Uhr läuft dort das erfolgreiche Album der britischen Rockband Pink Floyd "The Dark Side of the Moon" einmal in Gänze. "Ohne dass es vom Bandleader Roger Waters beabsichtigt war, scheinen etliche Stücke des Albums geradezu für die Kuppelprojektion im Planetarium geschaffen zu sein", heißt es dazu. So wird die Musik mit 360-Grad-Projektion, Sternenprojektor und Lasershow kombiniert. Tickets kann man im Internet vorbestellen.
Was passiert während der Finsternis auf dem Mond?
Wären Menschen während der Mondfinsternis auf dem Mond, würden sie wegen der Lichtbrechung keine vollständige Dunkelheit erleben. Das rötliche Licht spielte weniger eine Rolle - die Astronautinnen und Astronauten würden das Spektakel laut dem DLR anders erleben: "Für sie wäre es eine von der Erde verursachte Sonnenfinsternis - denn die Sonne verschwindet ja dann hinter der dunklen Erdscheibe", schreiben die Fachleute auf der Webseite. "Beobachten wir also von der Erde aus eine Mondfinsternis, dann sehen Menschen vom Mond aus gleichzeitig eine Sonnenfinsternis."
Wann ist die nächste totale Mondfinsternis?
Wer das Ereignis jetzt verpasst, muss entweder weit reisen oder ein paar Jahre warten. Am 3. März 2026 kann man eine totale Mondfinsternis von Amerika und Asien aus sehen, wie Liefke sagt. In Deutschland gibt es die Chance erst wieder am 31. Dezember 2028. Immerhin: Kommendes Jahr am 28. August kann man von Deutschland aus zumindest eine partielle Mondfinsternis beobachten. Allerdings müsse man dafür in den sehr frühen Morgenstunden - gegen 4:30 Uhr - aufstehen, so Liefke.
Ist eine Mondfinsternis bedeutend für die Forschung?
Für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sei ein solches Naturschauspiel nicht so spannend. "Die Forschung weiß, was da passiert", sagt Liefke. Aber es sei ein schönes Ereignis, das jeder auch ohne Teleskop sehen könne - und das Interesse an Astronomie wecken könne.