Ein heller Lichtstreifen hat am Montagabend über Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz für Erstaunen und zahlreiche Handyfotos gesorgt. Gegen 22:30 Uhr zog sich ein langer, auffälliger weißer Lichtstreifen durch den Nachthimmel. Auch in den sozialen Medien rätselten User und Userinnen. Vielerorts fragte man sich: Was hat es mit dem Himmelsphänomen auf sich?
Sichtungen reichten von Nordhessen bis Österreich
Beim Centralen Erforschungs-Netz außergewöhnlicher Himmels-Phänomene (CENAP) gingen am Montagabend zahlreiche Meldungen über den Lichtstreifen am Nachthimmel ein. CENAP ist ein privater Zusammenschluss von astronomie- und parawissenschaftsinteressierten Personen und bundesweite Meldestelle für Himmelsphänomene. Laut CENAP-Mitgründer Hansjürgen Köhler reichten die Sichtungen von Rheinland-Pfalz über Nordhessen, Baden-Württemberg, Bayern bis nach Österreich.
Worum es sich bei dem Lichtstreifen handelt, sei in der Nacht noch nicht hundertprozentig klar gewesen. "Ich habe zuerst an einen Starlink-Satelliten gedacht", sagte Köhler dem SWR.
Lichtstreifen wurde durch chinesische Rakete ausgelöst
Laut Köhler könnte der Lichtschweif auch eine Folge eines Raketenmanövers gewesen sein. Wie mehrere Nachrichtenagenturen berichten, war eine chinesische Long March 8A-Rakete ein paar Stunden vorher vom Weltraumbahnhof Wenchang auf der Insel Hainan gestartet. Am frühen Dienstagmorgen bestätige CENAP schließlich, dass es sich bei dem Lichtschweif um einen Treibstoffabwurf der chinesischen Rakete handelte. Die ausgestoßenen Treibstofftropfen seien bei den extremen Minusgraden im All sofort gefroren und die Kristalle dann von der Sonne angestrahlt und reflektiert worden.
ESOC geht von Treibstoffablass aus
Auch das Europäische Satellitenkontrollzentrum ESOC in Darmstadt bestätigt auf SWR-Anfrage, dass es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um Treibstoff einer chinesischen Long March-Rakete handelt. Diesen hat die Rakete demnach als sogenanntes "fuel dump" abgegeben. Der Treibstoff gefriert zu Eiskristallen, die von der Sonne angestrahlt werden. Ähnliche Phänomene lassen sich immer wieder am Nachthimmel beobachten, so auch im März, als eine leuchtende Spirale über Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz zu sehen war.
CENAP-Experte: Eher kein Meteorit
Laut CENAP-Experte Köhler war der Lichtschweif rund vier bis fünf Minuten zu sehen. Das sei recht lange. Schon in der Nacht sprach das aus seiner Sicht dafür, dass es sich um eine Sichtung der Raumfahrt handelt. Zwar habe der Schweif ausgesehen, wie man es auch von einer Meteorspur kenne, doch diese würde schneller verblassen, so Köhler.
Auch bei der Sternwarte in Stuttgart wurde der Lichtstreifen gesehen.
Sichtungen auch in der SWR Aktuell-Community
Auch die SWR Aktuell-Community beobachtete am Montagabend das Himmelsspektakel. Beim Radiosender SWR3 gingen zahlreiche Nachrichten ein und auch auf Instagram meldeten einige User und Userinnen ihre Sichtungen.