Tourismus im Land

Ferien in Baden-Württemberg: Warum Urlaub hierzulande teurer als im Ausland ist

Ausflüge, die Fahrt auf der Fähre, Essen gehen: Wer am Bodensee Familienurlaub im Hotel macht, muss tief in die Tasche greifen. Doch es gibt günstigere Alternativen.

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Das Wasser kräuselt sich im Wind, Enten verschwinden im Schilf, am Ufer gegenüber weht die schweizerische Flagge: In dieser Idylle macht Joanna Beutler mit ihren beiden Kindern zwei Wochen Urlaub - im "Haus Insel Reichenau" auf der Bodensee-Insel Reichenau (Kreis Konstanz), einer Familienferienstätte der Erzdiözese Freiburg. Zwölf solcher Anlagen gibt es in Baden-Württemberg, 90 in ganz Deutschland.

Für zwei Wochen Vollpension mit Kinderbetreuung zahlt Joanna Beutler 2.268 Euro - einschließlich Touristenabgabe. Dafür können die drei zusätzlich kostenfrei mit Bus und Bahn in der Region fahren. Familienferienstätten ermöglichen insbesondere finanzschwächeren Familien einen preiswerten Urlaub. Betrieben werden sie, wie die auf der Reichenau, von Kirchen, aber auch von Gewerkschaften und gemeinnützigen Vereinen.

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4.600 Euro für zwei Wochen: Durchschnittspreis für Familienurlaub

Dass der Urlaub hier günstiger ist als im Hotel, bestätigt das Reisebüro Schiller in Weinstadt (Rems-Murr-Kreis). Chefin Heike Schiller zeigt das beispielhaft an einer Unterkunft: Zwei Wochen im Hotel direkt am Bodensee kosten für drei Personen 4.662 Euro - bei Halbpension. Das ist das Doppelte von dem, was Familie Beutler bei drei Mahlzeiten am Tag bezahlt. Mehr als 4.600 Euro für zwei Wochen - Heike Schiller erklärt, das sei ein durchschnittlicher Preis für einen Deutschlandurlaub eines Erwachsenen mit zwei Kindern.

Ein Urlaub in einer All-inclusive-Anlage im Ausland könne da schnell günstiger sein als der Hotel-Urlaub in Deutschland, so Heike Schiller: "Weil eben alle Leistungen inkludiert sind. Sämtliche Getränke, sämtliche Wasserparks, da ist einfach alles mit drin. Wenn man jetzt in Deutschland Urlaub macht, dann ist es oftmals nur mit Frühstück. Den Rest bucht man dann dazu und die Zusatzkosten sind einfach sehr hoch“, so Heike Schiller.

Die Schiffsanlegestelle der Insel Reichenau.
Die Insel Reichenau ist ein beliebtes Urlaubsziel für viele Bodenseetouristen. SWR

Bodensee: Anfallende Kosten bei Ausflügen summieren sich

Mit dem Urlaub am Bodensee ist Familie Beutler sehr zufrieden. Die Familienferienstätte hat einen eigenen kleinen Strand. Schade nur, dass bislang so gut wie nie Badewetter war: Es ist zu kühl und die Sonne scheint kaum. Die Alternative zum Baden: Ausflüge machen. Allerdings: Solche Ausflüge kosten extra, zum Beispiel weil Eintrittsgelder anfallen. Und das summiert sich über den Urlaub.

Am Vortag war Familie Beutler im Kino, am Familientag. Es ist nicht bei den reinen Ausgaben für die Kinokarten geblieben. Wenn schon Kino, gehöre auch Popcorn dazu, so Joanna Beutler: "Der Kinoausflug hat uns um die 40 Euro insgesamt gekostet."

Auch einen Ausflug nach Meersburg macht die Familie: erst mit dem Bus nach Konstanz, dann mit der Fähre über den See. Die Busfahrt kostet dank der Gästekarte zwar nichts. Aber die Fähre: 15,40 Euro insgesamt, hin und zurück. Auf der Fähre bekommen Joshua und Jasmin Hunger. Gut, dass sich die beiden am Frühstücksbuffet ein Vesper machen konnten. Sonst müsste Joanna Beutler jetzt wieder ihr Portemonnaie zücken, sagt sie: "Die sind schon zu groß für Kinderportionen. Und wenn dann jeder etwas bestellt, dann muss ich locker 50 Euro fürs Essen ausgeben."

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Urlaub in Baden-Württemberg wird offenbar immer beliebter. Im vergangenen Jahr hat das Statistische Landesamt knapp 59 Millionen Übernachtungen gezählt - eine neue Höchstmarke. Beliebt sind naturgemäß vor allem die Sommermonate Juli und August.

Was sagen andere Bodensee-Touristen zu den Urlaubspreisen in Baden-Württemberg? Michael B., ein weiterer Urlaubsgast, kommt aus der Nähe von Zürich. Er findet den Urlaub am Bodensee teuer: "Essen gehen ist recht pricy. Tanken ist mittlerweile auch nicht mehr günstig. Und ja, Unterkünfte kosten. Also es kommt schon das eine oder andere zusammen."

Kim S. ist mit ihrem Partner aus Gießen am Bodensee: "Es ist schon ein Unterschied, ob man jetzt All-inclusive macht oder Tagesausflüge und sowas, dann ist es schon teurer so alles in allem." Julia Sauer aus Marburg ist mit ihrer Familie hier und berichtet, sie seien gestern in Freilichtmuseum in Unteruhldingen (Bodenseekreis) gewesen, hätten sich die Pfahlbauten angeschaut und seien abends noch etwas Essen gegangen. Um die 150 Euro hätte das alles gekostet.

Ferienwohnungen als Alternative zu Hotels

Viele berichten außerdem, sie hätten sich für eine Ferienwohnung entschieden. Dazu gehören Tim und Chiara S. aus dem hessischen Griesheim. Das sei einfach günstiger, weil man auch selber kochen könne. Jeden Abend Essen gehen sei einfach zu teuer.

Aus Worpswede ist Familie S. zu Besuch. Eigentlich sollte auch ein Ausflug ins Ravensburger Spieleland auf dem Programm stehen, berichtet Vater Dominik: "Mit zwei Kindern, das kostet ordentlich was, vor allem weil die Kinder jetzt auch keinen besonderen Kinderrabatt bekommen. Deshalb haben wir uns das dieses Jahr gespart, 160 Euro knapp zu viert. Das ist schon happig." Und für den Parkplatz wären auch noch mal Gebühren fällig geworden.

Die Burg Meersburg - die älteste noch bewohnte Burg in Deutschland

Auch die Burg Meersburg, die Familie Beutler besichtigt, kostet Eintritt: Die 16-jährige Jasmin zahlt zehn Euro, die Karte für Joshua, der erst 13 Jahre alt ist, kostet acht Euro. Weil er eine Beeinträchtigung hat, darf er eine Begleitperson umsonst mitnehmen - die Mutter. So zahlt die Familie für den Burgbesuch 18 Euro, ohne den Behindertenausweis wären es 30,80 Euro für drei Personen gewesen.

Im Anschluss an den Rundgang spendiert Joanna Beutler im Burgcafé Kuchen und Getränke. Dafür muss sie noch einmal 24 Euro locker machen. Und auf dem Rückweg zur Reichenau kommen sie an einem Souvenirstand vorbei: Ein Plüschtier für zehn Euro hat es Joshua angetan. Das darf er sich kaufen. Aber er zahlt es von seinem Taschengeld.

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Thomas Eberding
Thomas Eberding ist Teil des Teams von "Zur Sache! Baden-Württemberg".
Sara Rehm
Sara Rehm ist Redakteurin bei SWR Aktuell Baden-Württemberg Online.
Simon Götz
Simon Götz ist Teil des Teams von "Zur Sache! Baden-Württemberg".

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