"Tante Gisela!! Ist der Star, Tante Gisela ...", schallt es über den Bollschweiler Sportplatz. Eine Gruppe A-cappella-Sänger schmettert ihrer ehemalige Kindergärtnerin Gisela Daul einen selbst geschriebenen Song. Tante Gisela - so wird Gisela Daul im Ort bis heute genannt. Kein Wunder: Als Erzieherin im Bollschweiler Kindergarten hat sie von 1966 bis 1991 Generationen von Kindern begleitet.
Ich freue mich ganz arg, dass ich die heut' treff!
Rund 120 ihrer Schützlinge haben sich auf ihren Wunsch zum großen Wiedersehen auf dem Sportplatz der Gemeinde eingefunden. Mit strahlenden Augen begrüßt sie jedes "ihrer Kinder" mit einer liebevollen Umarmung. "Ralf, Thomas, Nicole, Stefanie, Mehmet ..." Die Namen kennt die 76-Jährige noch immer. Nur ein einziger ist ihr nicht eingefallen.
Erzieherin der Herzen
Dass sie eine enge Beziehung zu ihren Schützlingen hatte, zeigt die große Resonanz auf das Treffen. Über das Amtsblatt hatte sie dazu aufgerufen, ein Artikel in der "Badischen Zeitung" machte zusätzlich darauf aufmerksam. Dass über 100 Kindergartenkinder kommen, damit hätte Gisela Daul nicht gerechnet.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbst wundert es nicht, dass so viele gekommen sind. "Sie war nicht nur irgendeine Kindergärtnerin", sagt Michael Schweitzer, ehemaliger Schützling von Tante Gisela. "Sie war eine Koryphäe."
Doch was macht sie so besonders? Für viele ist es ihre liebevolle Art. "Sie hat getröstet, sie hat für alle ein offenes Ohr gehabt, eine tolle, tolle Kindergärtnerin", sagt auch Manuela Müller. Das sei gar nicht so selbstverständlich gewesen, für die damalige Zeit, fügt Schweitzer hinzu.
Sie ist einfach total fürsorglich.
Dauls frühere Kollegin Ruth Beck, die auch zum Treffen gekommen ist, kann das bestätigen. Tante Gisela habe ein Gespür dafür, wie es Kindern geht, und sei unheimlich intuitiv mit ihnen umgegangen, so Beck.
Ein Nachmittag wie früher im Kindergarten
Auf dem Sportplatz werden Erinnerungen wach. Tante Gisela hat alle ihre Kinder in einem Kreis um sich versammelt. Wie früher im Stuhlkreis spielen sie jetzt wieder Fingerspiele. "Damit haben sie mich früher so genervt, sie konnten davon gar nicht genug bekommen. Jetzt räche ich mich dafür", sagt Daul lachend.
Nach einer Runde "Mein rechter, rechter Stuhl ist leer", schwelgen Tante Gisela und "ihre" Kinder dann noch bis in die Abendstunden in Erinnerungen. Für jedes von ihnen hat sie ein Herz aus Stoff gebastelt - damit auch der Tag lange im Gedächtnis bleibt.