Ein Großvater, der kocht, ist nicht gerade das, was wir auf Instagram erwarten. Zwischen all den jungen, hippen Menschen, die makellos aussehen, top gestylt sind und scheinbar ein nahezu perfektes Leben führen. Doch in den sozialen Medien kommen ältere Menschen aktuell gut an.
Womit sie auf Social Media punkten, sei unterschiedlich, erklärt Ruth Gehrmann vom Obama Institut der Universität Mainz. Sie hat sich mit der Darstellung von älteren Menschen auf Social Media beschäftigt. Formate in denen Großeltern auftauchen, würden verschiedene Bedürfnisse ansprechen. Wenn ein Enkel mit seiner Oma auf Instagram kocht, weckt das Erinnerungen an die eigenen Großeltern und das hat einen Wohlfühleffekt.
Vorurteile überwinden und die Angst vor dem Altern
Junge Menschen würden oft negative Stereotypen mit dem Altern verbinden, etwa soziale Isolation oder Einsamkeit, erklärt die Wissenschaftlerin. Ein Senior am DJ-Pult - das breche mit klassischen Stereotypen und sei überraschend. Solche Inszenierungen würden den Erfolg vieler "Granfluencer" in den sozialen Medien ausmachen, schätzt Ruth Gehrmann. Denn sie zeigen: Auch im gehobenen Alter kann ich noch im Techno-Club tanzen gehen oder modisch sein. Weil viele Menschen Angst vor dem Älterwerden hätten, würden sie positiv auf solche Darstellungen reagieren.
Man kann im Alter immer noch viel Neues erleben, es gibt immer noch ganz viel zu entdecken.
Mit 92 Jahren den ersten Döner essen
Schwester Irmingard wurde mit 92 Jahren gefilmt wie sie ihren ersten Döner isst. Das kurzes Video ging viral. Für sie selbst ist das unbegreiflich: "Wegen eines kleinen Gerichts! Das kommt mir ein wenig komisch vor, dass sich jetzt so viele Menschen dafür interessieren."
Die Reaktionen seien ausschließlich positiv. Vor rund vier Jahren hatte Schwester Ursula, mit 50 Jahren eine der jüngeren Schwestern, die Arenberger Dominikanerinnen auf Instagram angemeldet, um zu zeigen wie schön die Gemeinschaft im Kloster sein kann. Mit Erfolg: Über Instagram haben sich bereits Frauen gemeldet, die Interesse am Leben im Kloster Arenberg zeigen.
Generationenkonflikte verstehen und darüber lachen
Ina Reni Alexandrow ist auf Instagram mit einem anderen Konzept erfolgreich. In ihren Reels – also in kurzen schnellen Videoclips – schlüpft sie in Rollen unterschiedlichen Alters. Die Charaktere treffen im Büroalltag aufeinander. Dort zeigen sich typische Eigenarten und Konflikte.
Bei der Arbeitsmoral, aber auch im Umgang mit Technik, würden sich die Generationen stark unterscheiden. So hätten die Generation X und die Boomer, die es gewohnt sind, hart zu arbeiten, oft kein Verständnis, wenn die Generation Z auf ihre mentale Gesundheit achtet und sich Pausen gönnt.
Ina Reni Alexandrow gehört selbst zu den Millennials, ihre Eltern zu den Boomern. Viele der Situationen, die Ina in den Kurzvideos spielt, hat sie selbst genau so erlebt. Diese Erfahrungen fließen direkt in ihre Reels ein.
Vor knapp einem Jahr lud sie das erste Reel auf Instagram hoch. Dass sie damit so viel Erfolg haben würde, war für sie überraschend. Mit den Videos scheint Ina Reni Alexandrow einen Nerv zu treffen – bei allen Altersgruppen.