Deutsche Meisterschaften im Blick

"Warum nur zugucken?" - Freiburgs Cheerleader-Mamas wollen's noch mal wissen

Immer nur den Töchtern zuschauen? Nö! Zehn Freiburger Mütter haben jetzt ihr eigenes Cheerleader-Team gegründet. Und wollen hoch hinaus. Jetzt stehen die Deutschen Meisterschaften an.

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Stand

Von Autor/in Jan Lehmann

Die Cheerleading-Abteilung der Freiburger Turnerschaft (FT 1844) ist eine der größten und erfolgreichsten im Land. Die verschiedenen Teams der "Nuggets" haben schon mehrere Welt- und Europameistertitel nach Freiburg geholt. Einige Mütter der Gold-Mädels haben sich jetzt gefragt: Warum eigentlich nur rumstehen und zuschauen? Und haben vor wenigen Monaten ein eigenes Team gestartet. Prompt wurden sie Landesmeisterinnen. Jetzt trainieren die "Masters" für die Deutsche Cheerleading Meisterschaft am 30. Mai in Frankfurt.

Cheerleader-Masters der FT Freiburg beim Training
Wirbeln durch die Halle wie ihre Töchter: Die Cheerleader-"Masters" der Freiburger Turnerschaft staunen selbst, was sie noch alles drauf haben.

Andrea Wilhelm schlägt ein Rad, während ihre Teamkolleginnen hinter ihr akrobatische Würfe vollführen. Das Timing stimmt noch nicht so ganz, aber die Bewegungen der Frauen sind schnell und präzise. "Ich mache viele Sachen, von denen ich nicht dachte, dass ich sie noch kann", lacht Andrea. Cheerleading, das ist weit mehr als Anfeuern mit Pompons beim American Football. Es ist ein Leistungssport mit mehreren, teils akrobatischen Disziplinen.

Ich dachte so: Okay, Mama macht jetzt Cheerleading - mal gucken, was das wird.

Töchter beäugen die Bewegungen ihrer Mütter kritisch

Andrea Wilhelms Töchter sind seit Jahren bei den Freiburg "Nuggets". Nele, die ältere, ist mit ihrem Team im Dezember in Japan Weltmeisterin geworden. Aber auch die neunjährige Teresa tanzt seit drei Jahren mit. Flicflacs, Hebefiguren und zackige Cheer-Motions sind ihr längst in Fleisch und Blut übergegangen. Dass ihre Mutter jetzt auch Cheerleading macht, findet sie cool.

Mutter Andrea Wilhelm und Tochter Theresa beim gemeinsamen Training im Garten
Haben gemeinsam viel Spaß beim Cheerleading: Mutter Andrea Wilhelm und Tochter Teresa trainieren gerne auch mal zuhause im Garten.

Allerdings: "Manchmal stresst es mich, wenn Mama was falsch macht", gibt Teresa zu. Wenn sie mit ihrer Mutter im Garten oder im Wohnzimmer übt, ist sie eine strenge Lehrmeisterin. "Stopp, noch mal zurück!", heißt es dann. Andrea erträgt es mit einem Lächeln. "Grundsätzlich find' ich's gut, wenn mich jemand korrigiert", sagt sie.

Auch die Mütter haben Cheerleading für sich entdeckt

Dass beide Generationen denselben Sport betreiben, verbindet. Andrea und Teresa trainieren in derselben Halle. In den Trinkpausen schauen sie einander zu, geben sich Tipps und feuern sich an. Zu Wettkämpfen fahren Mütter und Töchter ja ohnehin gemeinsam. Dabei kam Andrea vergangenes Jahr auch die Idee eines eigenen Mama-Teams. Bei einem Auftritt einer Gruppe von Cheer-Moms und -Dads habe die Halle getobt. "Ich war total begeistert von der Gruppe und ich hab' gesagt: Vielleicht können wir das auch."

Cheerleader-Mamas der FT Freiburg beim Training
Kritische Beobachterinnen: Junge FT-Cheerleaderinnen schauen ihren Müttern beim Training zu.

Ich hab' gedacht: Komm, lass machen! Was sollen wir rumstehen? Wir wollten Spaß haben.

Ihre Idee stieß auf Begeisterung. Schnell taten sich zehn Mütter zwischen Mitte 30 und Anfang 50 zusammen. Und in Petra Wolf fanden sie eine überaus erfahrene Trainerin. Wolf hat vor über 30 Jahren die Cheerleading-Abteilung der FT 1844 mit aufgebaut. "Am Anfang war's für manche schwierig, auch dieses hohe Tempo", erzählt Wolf.

Da gab's dann hier und da auch mal Gejammer und kräftigen Muskelkater. Cheerleading sehe leichter aus, als es ist und werde oft unterschätzt, sagt Wolf. Aber die Muttis packte der Ehrgeiz und sie haben sich durchgebissen. "Die Leistung ist super - Respekt", bewertet die Trainerin. Ihre Übungseinheiten sind schweißtreibend.

Frauen feilen mit Ehrgeiz an ihrer Choreografie

"Ich hätte anfangs nie gedacht, dass wir das schaffen", sagt Laura Dittrich, eine andere Cheer-Mama, "aber dann hat uns der Spaß gepackt". Ihre Tochter ist ebenfalls im Jugendteam der "Goldies" aktiv. Und auch sie ist manchmal streng mit ihrer Mama. Aber die Mütter sind es ohnehin mit sich selbst. Das ist im Training spürbar. Wieder und wieder wird an der Choreografie gefeilt. Denn die Deutschen Meisterschaften stehen vor der Türe.

Gruppenbild des Cheerleader-Teams "Goldrush" der Freiburger Turnerschaft
Noch viel vor: Das Master-Team der FT Nuggets - der Cheerleader-Abteilung der Freiburger Turnerschaft 1844.

Bereits im Juni folgen dann schon die Europameisterschaften in Kroatien. Und dafür wollen sie sich unbedingt qualifizieren. Die Chancen stehen nicht schlecht. Denn die Konkurrenz ist in ihrer Altersklasse nicht allzu groß. Und die Frauen werden immer besser. Dann können Mütter und Töchter wieder gemeinsam verreisen - und sich gegenseitig anfeuern. "Wir sind eine große Familie", freut sich Trainerin Petra Wolf.

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Autor/in
Jan Lehmann
SWR Redakteur Jan Lehmann

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