In Freiburg wurde am Freitag vor dem NS-Dokumentationszentrum die erste Stolperschwelle zur Erinnerung an Zwangsarbeiter in Freiburg während des Zweiten Weltkriegs verlegt. Mehr als 550 Stolpersteine erinnern an vielen Orten in der Stadt bereits an Verfolgung, Deportation und Mord durch die NS-Herrschaft. Die Schwelle ist das erste kollektive Mahnmal dieser Art.
Schwelle soll an bekannte und unbekannte Betroffene erinnern
Die Stolperschwelle ist ein gemeinsames Projekt der Aktion "Stolpersteine in Freiburg" und des Dokumentationszentrums Nationalsozialismus in Freiburg. Sie wurde unter anderem von Oberbürgermeister Martin Horn und den Nachfahren mehrerer Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter“ festgeklopft. Die lange Messingschwelle liegt nun vor dem Eingang des Dokuzentrums am Rotteckring und soll an alle Menschen erinnern, die während des zweiten Weltkriegs zur Arbeit gezwungen wurden.
Oberbürgermeister Martin Horn erklärte, dass die Zwangsarbeit lange eine "große graue Lücke" in der Geschichte der Stadt gewesen sei. Er sei dankbar, dass man sich dem Thema endlich stärker angenommen habe. "Die Aufarbeitung ist viel zu spät passiert", so Horn.
Zwangsarbeiter hielten Freiburg während des Weltkriegs am Laufen
Mehr als 10.000 Menschen, schätzt das Freiburger Stadtarchiv, sollen in Gefangenschaft und unter Zwang in Betrieben Freiburgs gearbeitet haben. Teilweise waren sie Kriegsgefangene, teilweise verschleppte Zivilisten - viele von ihnen aus Osteuropa. Sie verstärkten die Belegschaft von Unternehmen, die kriegswichtige Güter herstellten oder schlossen Lücken die durch den Militärdienst deutscher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entstanden waren.
Auch viele öffentliche Einrichtungen beschäftigten Zwangsarbeiter, so zum Beispiel die Stadt Freiburg, die Universität Freiburg und die Reichsbahn. Bekannte Unternehmen, die Zwangsarbeiter einsetzten waren beispielsweise die Garnfabrik Mez AG in der Kartäuserstraße, die Freiburger Maschinenfabrik oder die Süddeutsche Stahlbaugesellschaft. Viele der Arbeiter lebten im sogenannten "Ostarbeiterlager" an der Habsburgerstraße von Stacheldraht umgeben und unter schlechten hygienischen Zuständen.
Freiburg zahlte Zwangsarbeitern spät Entschädigungen
Die Aufarbeitung der Zwangsarbeit in Deutschland begann erst in den frühen 2000er-Jahren. Auch die Stadt Freiburg setzte sich damals stärker mit dem Thema auseinander. Der Gemeinderat beschloss eine Zahlung von 5.000 DM (später 2.500 Euro) an alle bekannt gewordenen ehemaligen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus dem Stadtkreis. Das Stadtarchiv ermittelte die Namen und Adressen von Hunderten Betroffenen.