Tourismus in Baden-Württemberg

Freiburg boomt, Geislingen hofft: Wo Touristen sich drängeln und wo sie fehlen

Freiburg ist eines der beliebtesten Reiseziele im Südwesten. Während sich Touristen in der Innenstadt drängen, wünscht sich Geislingen mehr Gäste. Die Stadt versucht, kreativ dagegenzusteuern.

Teilen

Stand

Freiburg zieht immer mehr Touristinnen und Touristen an und wird damit auch immer voller. Besonders rund um das Wahrzeichen der Stadt, das Freiburger Münster, wird es zunehmend eng. Während Freiburg auf der Liste der beliebtesten Tourismusstädte im Land ganz oben steht, sieht es in anderen Gemeinden und Städten im Land anders aus: Etwa in Geislingen an der Steige (Kreis Göppingen). Die Stadt kämpft darum, überhaupt Besucherinnen und Besucher in ihre Innenstadt zu bekommen.

Eine Karte ist zu sehen. Jede angegebene Stadt ist mit einer Übernachtungszahl versehen. Freiburg mit neun, Baden-Baden mit 15, Heidelberg mit 11, Baiersbronn mit 42, Konstanz mit 13 und Friedrichshafen mit 13.
Freiburg hat mit mehr als neun Übernachtungen von Touristen pro Einwohner. Damit gehört Freiburg zu den meistbesuchten Städten Baden-Württembergs. Besonders viele Touristen kommen auch nach Baiersbronn – hier übernachten jedes Jahr pro Einwohner 42 Touristen in der Stadt. Auch Baden-Baden und die Altstadt von Heidelberg sind sehr beliebt, genau wie die Bodenseeregion mit Friedrichshafen und Konstanz.

Lange Wartezeiten für die "Lange Rote" auf dem Münstermarkt

Wer eine berühmte "Lange Rote", eine Bratwurst, am Freiburger Münstermarkt ergattern will, braucht mittags vor allem eins: viel Geduld. Ein bisschen Durchsetzungsvermögen zwischen den vielen Touristinnen und Touristen kann sicherlich auch nicht schaden. Laut aktuellen Zahlen des Landes verzeichnet Freiburg über neun Übernachtungen pro Einwohner – deutlich mehr als der Landesschnitt von 5,2. Rund 2,2 Millionen Übernachtungen wurden vergangenes Jahr gezählt.

Heidelberg, Baden-Baden, Freiburg, Konstanz, Friedrichshafen und Baiersbronn sind die Städte in Baden-Württemberg, die die höchste Tourismusdichte je Einwohner haben. Dafür wurde die Anzahl touristischer Übernachtungen auf einen Einwohner berechnet - nur Städte ab einer Einwohnerzahl von 50.000 wurden hierfür herangezogen. Baiersbronn hat zwar keine 50.000 Einwohner,  die Tourismus-Dichte mit 42 Übernachtungen pro Einwohner ist hier aber besonders hoch.

Viele Menschen sind zu sehen, sie laufen durch die Straßen Freiburgs.
Freiburg ist ein beliebtes Ausflugsziel, in den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Übernachtungsgäste um die Hälfte angestiegen.

Stadt versucht, zu entzerren

Zu viele Touristen gebe es in Freiburg aber nicht, meint Christian Gross von der städtischen Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH (FWTM). Denn es komme darauf an, wann die Gäste kommen. Die Stadt versuche, zu entzerren: Große Reisegruppen, die zum Beispiel mit dem Bus anreisen, sollten nicht alle gleichzeitig kommen, Stadtführungen seien auf 25 Personen begrenzt, das Umland werde aktiv beworben, um die Touristen auch aus der Stadt herauszulocken.

"Freiburg profitiert in hohem Maße vom Tourismus", betont Christian Gross. Der Tourismus stärke nicht nur Gastronomie und Hotellerie, sondern auch Kultur und Einzelhandel - und sichere Arbeitsplätze. Ein Tourismuskonzept von 2024 legt zudem Maßnahmen zur Besucherlenkung und nachhaltigen Mobilität fest. Dazu gehören mehr Sitzgelegenheiten, Begrünung der Innenstadt und eine Übernachtungssteuer, die wiederum in die touristische Infrastruktur zurückfließt. "Auch wenn die Innenstadt an einigen Tagen im Jahr voller erscheinen mag, überwiegen die positiven Effekte deutlich", so eine Sprecherin der Stadt.

Vom Stau zum Shopping in Geislingen?

Während Freiburg sich um zu viele Gäste kümmern muss, ist Geislingen am unteren Ende der Tourismusstatistik. Mit gerade einmal 0,8 Übernachtungen pro Kopf liegt die Stadt weit abgeschlagen. Autofahrer kennen Geislingen vor allem als Stau-Stadt. Insbesondere wenn die A8 gesperrt sei, werden alle über eine Bundesstraße B10 durch Geislingen geleitet. Das bestätigt auch die Tourismusmanagerin der Stadt Teresa Christmann. Ständig sei hier viel los, ständig gebe es viel Stau. Sie habe allerdings Ideen, um aus der Not eine Tugend zu machen: "Die Leute kommen nicht zu uns, also kommen wir an die B10."

Tourismus-Managerin Teresa Christmann schätzt das lokale Bier der Kaiser Brauerei.
Tourismus-Managerin Teresa Christmann schätzt das lokale Bier der Kaiser Brauerei.

Vielleicht veranstalten wir einfach mal eine Modenschau direkt an der B10.

So würden die Leute Geislingen in schöner Erinnerung behalten, sagt Christmann und lacht. Tatsächlich gibt es nur wenige Meter von der Bundesstraße viele Shopping-Gelegenheiten. Unter anderem das Geislingen City Outlet. Mona Weber ist dort fürs Marketing zuständig. Sie sagte dem SWR, man versuche, die Autofahrer und Autofahrerinnen von der B10 zum Einkauf zu locken – etwa per Werbestele.  Nur wenige Meter weiter beginnen Wanderwege in Richtung Burg Helfenstein.

Die Region sei ideal für Naturfreunde, sagt auch Ultraläuferin Melanie Bernardino Rodrigo: "500 Meter von zuhause bin ich sofort im Wald – man entdeckt hier immer wieder Neues." Die Geislinger selbst können also nicht nachvollziehen, warum es so wenige Leute in ihre Stadt zieht.  

Reisen Overtourism – Wie sich Urlaubsregionen vor dem Kollaps schützen

Hotspots wie Venedig, Barcelona und Berlin, Mallorca, Teneriffa und Rügen, der Spreewald und die Alpen suchen nach Lösungen: Kurtaxen für Tagesausflügler, begrenzte Bettenzahlen und reduzierte Kontingente an Eintrittskarten.

Das Wissen SWR Kultur

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Christoph Schöneberger
Fotoshooting SWR Studio Stuttgart Juli 2025
Thomas Hermanns
Reporter Thomas Hermanns

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!