Seit Dezember 2025 ist Norbert Schneider neuer Polizeipräsident des Polizeipräsidiums Freiburg. Er folgt auf Franz Semling, der im vergangenen Jahr in den Ruhestand verabschiedet wurde. Am Freitagmittag hat Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) Norbert Schneider nun offiziell in das Amt des Freiburger Polizeipräsidenten eingeführt und bezeichnete ihn dafür als die ideale Besetzung.
Der 55-jährige Norbert Schneider wurde in Freiburg geboren. Mit Unterbrechungen hat er insgesamt etwa sieben Jahre im Polizeipräsidium Freiburg gearbeitet, unter anderem im Bereich Cyberkriminalität. Zudem war er bereits mit mehreren Spitzenfunktionen bei der Polizei Baden-Württemberg betraut, unter anderem als Polizeivizepräsident und als Leiter des Führungs- und Einsatzstabes beim Polizeipräsidium Offenburg. Zuletzt war er als Landespolizeidirektor Chef aller Polizistinnen und Polizisten in Baden-Württemberg.
Als Leiter des Freiburger Polizeipräsidiums ist er nun zuständig für insgesamt 13 Polizeireviere. Neben der Stadt Freiburg fallen auch die Landkreise Emmendingen, Breisgau-Hochschwarzwald, Lörrach und Waldshut in den Zuständigkeitsbereich. Etwas mehr als 2.300 Menschen sind beim Präsidium beschäftigt, fast 2.000 von ihnen sind Polizistinnen und Polizisten.
Interview mit dem neuen Freiburger Polizeipräsidenten Norbert Schneider
SWR: Was bedeutet es für Sie als gebürtiger Freiburger, die Hauptverantwortung für die Polizei in Freiburg zu tragen?
Norbert Schneider: Zunächst ist es das Gefühl, nach Hause zu kommen und dort zu arbeiten. Nachdem ich ja viele Jahre unterwegs war im Land in vielen Stationen und Funktionen, tut es natürlich persönlich ganz gut und ich freue mich in der eigenen Heimat mitzuhelfen, für Sicherheit zu sorgen. Die Verantwortung trage ich gerne beim Polizeipräsidium, weil ich weiß, ich habe ein sehr gutes, leistungswilliges Team um mich herum mit guten Einsatzkräften und Ermittlungsbeamten.
Freiburg ist statistisch die kriminellste Stadt in Baden-Württemberg. Was ist Ihr Ansatz, um diese Situation zu verbessern?
Norbert Schneider: Die Kriminalitätsbelastung im Stadtkreis Freiburg ist tatsächlich hoch, und wir arbeiten daran, das zu ändern. Es gibt Überlegungen, an einigen Stellen gezielt anzusetzen. Wir wollen die Kooperation und die Koordination mit den Partnern im Bereich der Sicherheitsarbeit weiter ausbauen und stärken. Die ist schon gut hier in der Region, soweit ich das mitbekommen habe. Aber da lässt sich an der einen oder anderen Stelle vielleicht noch etwas optimieren. Aber das Polizeipräsidium Freiburg ist groß, das geht von Jestetten über Lörrach, Emmendingen bis Titisee-Neustadt. Der Stadtkreis Freiburg ist ein Thema von vielen.
Was sind für Sie aktuell die größten Herausforderungen?
Norbert Schneider: Das betrifft wahrscheinlich die Polizei insgesamt. Das ist der steigende Extremismus und die Gewalt gegen Polizeibeamte im Allgemeinen, die uns Sorgen bereitet, aber auch gegen Einsatzkräfte anderer Blaulichteinheiten. Insbesondere die Messerangriffe und Messerdelikte, die zunehmen, machen mir Sorgen. Hier müssen wir gesamtgesellschaftlich konsequent gegenhalten, auf allen Ebenen, mit allen möglichen Ansätzen.
Die gesellschaftliche Entwicklung, die mit dem Extremismus auch zusammenhängt, ist ja die Deutung um die Wahrheit. In Zeiten von Fake News und Desinformation stellt sich ja immer die Frage: "Was stimmt denn jetzt?" Daher ist der Polizei auch wichtig, weiterhin neutral und faktenbasiert zu handeln, aber auch zu informieren. Und wir versuchen unseren Teil dazu beizutragen, dass auch hier insoweit die Demokratie gestützt wird.
Welche Schwerpunkte wollen Sie als Polizeipräsident setzen?
Norbert Schneider: Ein Thema ist natürlich im Dreiländereck die grenzüberschreitende Zusammenarbeit, die mir sehr wichtig ist. Mit den Kantonspolizeien in der Schweiz, der Gendarmerie und der Police Nationale in Frankreich, aber auch der Bundespolizei und dem Zoll. Wir arbeiten hier schon sehr gut und eng miteinander zusammen, aber das ist eine Daueraufgabe, die ansteht und die auch fortgeführt werden muss. Man ist halt schnell bei internationalen Ermittlungen erheblich gefordert. Und das bleibt eben eine Herausforderung.
Auf der Seele brennt mir die steigende Cyberkriminalität und die noch fehlende Vorratsdatenspeicherung. Die verhindert gerade auch schlimmste Taten gegen Kinder und Jugendliche im Bereich von Sexualstraftaten. Dass wir da nicht hinreichend und schnell genug ermitteln können. Am Ende geht es mir da um Opferschutz. Das ist natürlich eine gesamtgesellschaftliche Diskussion und eine Abwägung zwischen Sicherheit und Freiheit. Ich glaube, hier ist der Handlungsbedarf sehr hoch.