Es gehört zu Freiburg wie das Münster und die Bächle: das Fahrrad. Schon jetzt kommt man in der Stadt an vielen Stellen recht komfortabel mit seinem Zweirad von A nach B. Damit der Drahtesel aber auch das Markenzeichen der Stadt bleibt, will Freiburg auch weiter an der Fahrradinfrastruktur arbeiten. Die Stadt hat sich ambitionierte Ziele gesteckt. Wann die erreicht werden ist allerdings ungewiss.
Ende November im Freiburger Stadtteil Herdern: Spatenstich für den ersten Radschnellweg Südbadens. 25 Kilometer soll er lang werden und die Gemeinden Emmendingen und Waldkirch (Kreis Emmendingen) mit Freiburg verbinden. Kosten: 46 Millionen Euro.
Vier Radschnellwege sollen zum Freiburger Stadtkern führen
Für die gut 20 Kilometer Wegstrecke außerhalb Freiburgs ist das Land Baden-Württemberg zuständig. Aber auch für die Strecke innerhalb Freiburgs übernimmt das Land den Großteil der Kosten.
Der Radschnellweg im Freiburger Norden ist Teil des Radkonzepts "RadNETZ plus", das der Freiburger Gemeinderat vor zwei Jahren beschlossen hat. Darin vorgesehen: Drei weitere Radschnellwege, die aus allen vier Himmelsrichtungen hin zum Freiburger Stadtkern führen. Sie sollen die umliegenden Gemeinden mit der Stadt verbinden. Das Fahrrad soll so zur echten Alternative auf dem Weg zur Arbeit oder in die Schule werden.
Es geht nicht darum, schnell zu radeln. Es geht darum, schnell ans Ziel zu kommen.
Ebenfalls Teil des Radkonzepts sind insgesamt acht Rad-Vorrang-Routen. Diese Radwege werden selten gekreuzt. Gibt es doch mal eine Kreuzung, haben sie fast immer Vorrang. Drei davon wurden bereits 2012 im Gemeinderat beschlossen und sind zu großen Teilen umgesetzt.
Einige Radwege sind bereits befahrbar
Auf der als "FR1" bekannten Rad-Vorrang-Route können Radfahrende fast ohne Unterbrechung vom Stadtteil Lehen quer durch die Stadt nach Littenweiler fahren. Der "FR2" führt vom Stadtteil St. Georgen ans andere Ende der Stadt bis an die Ortsgrenze von Gundelfingen (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald). Der "FR3" ist noch nicht fertiggestellt.
Zu den vier Radschnellwegen und acht Rad-Vorrang-Routen sind zusätzliche Radwege geplant, die weitere Ortschaften besser an Freiburg anbinden sollen.
Wann ist das Freiburger Radnetz fertig?
Ein bisschen was ist also schon geschafft auf dem Weg zum Freiburger Radnetz. Aber es bleibt auch noch einiges zu tun. Bis 2030 wolle man immerhin 50 Prozent des auf dem Freiburger Stadtgebiet geplanten Netzes gebaut haben, sagt der Freiburger Radverkehrsplaner Florian Schneider. Wie schnell man vorankommt, hänge aber stark von den Rahmenbedingungen ab.
Wie viel Geld stellt der Gemeinderat künftig für die Fahrradinfrastruktur bereit, wie viel das Land? Davon hänge viel ab. "Nächstes Jahr sind Landtagswahlen in Baden-Württemberg. Wir wissen nicht, wie die Förderlandschaft danach aussehen wird", so Schneider. Eine seriöse Schätzung, bis wann das gesamte Freiburger Radnetz fertiggestellt ist, sei nicht möglich, sagt er.
Und selbst für die Fertigstellung des Radschnellwegs Richtung Waldkirch und Emmendingen wollten sich die Verantwortlichen des Landes beim Spatenstich nicht festlegen. "Man merkt schon jetzt bei den Planungen wie aufwendig das ist. Wie viele Einsprüche es gibt. Man hat das Gefühl, man baut eine Autobahn", so der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann. Außerhalb Freiburgs gebe es etwa Klärungsbedarf bei Naturschutz- und Anwohnerfragen.
Kosten für Radnetz noch ungewiss
Mit Aussagen über die Kosten des Freiburger Radnetzes sehe es ähnlich aus wie mit der Fertigstellung, meint Radverkehrsplaner Florian Schneider. Es gebe zwar Erfahrungswerte. Bei Radschnellverbindungen etwa rechne man mit eineinhalb bis zwei Millionen Euro pro Kilometer. Es mache aber einen großen Unterschied, ob man bei einer Straße bloß Markierungen machen und Schilder aufstellen müsse oder ob eine Straße erneuert oder sogar Brücken gebaut werden müssen, so Schneider.
Freiburg versucht Kosten niedrig zu halten
Um möglichst wenig Geld auszugeben, baue die Stadt immer dann am Radnetz weiter, wenn sowieso Straßen aufgerissen werden müssen. So werde das Radnetz Stück für Stück immer weiter ausgebaut.
Eine Ausnahme aber bilden die Radschnellwege. Diese wolle man tatsächlich in einem Stück bauen und drehe den Spieß um. "Wir wollen diese Radschnellverbindung realisieren und fragen dann ab, ob vielleicht irgendwo entlang der Trasse auch noch Gas- oder Wasserleitungen saniert werden müssen", so der Radverkehrsplaner.
Freiburger fahren über 30 Prozent der Wege mit dem Rad
Dabei hat die Stadt immer ein Ziel vor Augen: Möglichst viele Menschen vom Auto auf das Fahrrad zu bringen - für den Klimaschutz und die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger. Bereits 2012 hatte der Gemeinderat das Ziel definiert, dass 30 Prozent der Strecken in Freiburg mit dem Fahrrad oder E-Bike gefahren werden sollen. Eine Studie von 2023 zeigt: Das Ziel ist bereits überschritten.
Darauf wolle man sich aber nicht ausruhen. "Das Ziel ist natürlich immer mehr", so Radverkehrsplaner Florian Schneider. Von Städten in den Niederlanden wisse man, dass durchaus noch Luft nach oben sei, sagt Schneider.