Erstmals seit dem Brand in einem Freiburger Industriegebiet sind am Mittwoch Brandermittler der Kriminalpolizei sowie ein unabhängiger Gutachter auf dem Gelände im Einsatz. Das teilte die Polizei dem SWR auf Anfrage mit. Die Beamten sichern Spuren und prüfen, was nach dem Feuer und den Löscharbeiten noch übrig ist. Teile des Areals bleiben weiterhin beschlagnahmt, andere wurden inzwischen freigegeben. Dort dürfen erste Unternehmen mit Aufräum- und Umräumarbeiten beginnen.
Die Polizei bemüht sich, die Einschränkungen so gering wie möglich zu halten, damit Beschäftigte im Außenbereich ihre Arbeit wieder aufnehmen können. Ergebnisse zur möglichen Brandursache erwarten die Ermittler frühestens am Donnerstag.
Auch die Feuerwehr war am Montag noch einmal mit rund 30 Kräften vor Ort, um letzte Glutnester im Schutt zu löschen.
Eines der größten Brandereignisse Freiburgs
Das Feuer wird von Einsatzkräften als eines der größten Brandereignisse in der Geschichte der Stadt bezeichnet. Der Gesamtschaden liegt Schätzungen zufolge bei mindestens 50 Millionen Euro.
Von einem 20.000 Quadratmeter großen Teil eines etwa doppelt so großen Gebäudekomplexes stehen nach tagelangen Lösch- und Sicherungsarbeiten nur noch verkohlte Überreste. Ursprünglich hatte die Polizei von 60.000 Quadratmetern gesprochen.
Die betroffenen Firmen haben nicht nur ihre angemieteten Räume verloren, sondern auch die in einer Lagerhalle gelagerten Waren, Rohstoffe und Produkte. Verluste, die sich laut der Firmen nicht einfach ausgleichen lassen. Von dem Großbrand sind mehrere Firmen betroffen, unter anderem Ziemer Transporte sowie Phoenix - und auch die Erzdiözese Freiburg.
Rund 60.000 Quadratmeter abgebrannt Nach Großbrand in Freiburger Industriegebiet: Feuerwehreinsatz beendet
In Freiburg-Hochdorf ist ein Feuer in einem Industriegebiet ausgebrochen. Ein Millionenschaden. Demnächst können die Ermittler damit anfangen, nach der Brandursache zu suchen.
Freiburger Transportunternehmen verliert Lagerflächen
Für Sonja Ziemer vom Familienunternehmen Ziemer Transporte war der Brand ein Schock. 2.500 Quadratmeter Lagerfläche hat das Familienunternehmen verloren - zusammen mit den eingelagerten Waren von Kundinnen und Kunden. Wie groß der wirtschaftliche Schaden ist, lässt sich laut ihr derzeit noch nicht beziffern.
Der Brand hat ein großes Loch gerissen.
Doch eines steht für Sonja Ziemer fest: Ohne Folgen werde der Großbrand nicht bleiben. Einige Kundinnen und Kunden werden abspringen, da ist sich Sonja Ziemer sicher. Neue könnten derzeit nicht gewonnen werden, denn sie haben keine Lagerflächen mehr, sagt sie. Die Lagermieten fallen weg. Sonja Ziemer gibt sich vorsichtig optimistisch. "Es geht weiter", sagt sie.
40.000 Medikamente durch Brand zerstört
Der Pharmagroßhändler Phoenix teilte mit, dass durch den Großbrand in der Lagerhalle in Hochdorf mehrere zehntausend Medikamente verbrannt seien.
Der Großbrand [...] hat das Vertriebszentrum vollständig zerstört.
Für den Händler sind 3.500 Quadratmeter an Lagerfläche weggefallen. 70 Mitarbeitende haben in dem Vertriebszentrum gearbeitet, das bis auf die Grundmauern abgebrannt ist. Die Apotheken im Raum Freiburg und in Südbaden konnten laut dem Händler jedoch ohne Unterbrechung beliefert werden. Auch beim Pharmagroßhändler seien der wirtschaftliche Schaden und die Auswirkungen des Brandes bislang noch unklar, heißt es.
Erzdiözese Freiburg verliert Gegenstände im Feuer
Die Erzdiözese Freiburg hatte nach eigenen Angaben vor allem Möbel, aber auch Gemälde, Ausstattungsstücke aus modernen Kirchen und Skulpturen in dem abgebrannten Gebäudekomplex gelagert. Ein Teil davon sei durch die Flammen zerstört worden, heißt es von der Erzdiözese. Nach bisherigem Stand seien jedoch keine wertvollen Kultur- und Kunstschätze zu Schaden gekommen. Die genaue Schadenshöhe weiß auch die Erzdiözese noch nicht. Bislang könne das Gebäude nicht betreten werden, so ein Sprecher.
Brandursache noch immer unklar
Bis Dienstagvormittag konnten die Kriminaltechniker den Brandort noch nicht betreten, teilte die Polizei mit. Im Laufe der Woche soll das jedoch möglich sein. Bereits jetzt sind Spurensicherer und Sachverständige vor Ort, um den entstandenen Schaden genauer zu bewerten.
Mehr als 200 Einsatzkräfte waren am vergangenen Mittwochabend im Einsatz, um den Großbrand im Freiburger Stadtteil Hochdorf zu löschen. Zum Teil entzündeten sich noch immer einzelne Glutnester, heißt es von der Feuerwehr Freiburg. Die Einsatzkräfte rückten deshalb auch fünf Tage nach dem Brand - am Montag - erneut zur Lagerhalle aus.
Große Solidarität in Freiburger Stadtteil Hochdorf
Der Großbrand beschäftige die Hochdorferinnen und Hochdorfer noch immer, sagt Ortschaftsrätin Ina Bock. Gleichzeitig sei man erleichtert, dass nicht mehr Menschen verletzt wurden. Eine Person, die in der Brandnacht Wache hielt und die Feuerwehr alarmierte, wurde leicht verletzt.
Bei allem Unglück sind wir doch erleichtert, dass es sich nur um einen materiellen Schaden handelt.
Beeindruckt zeigt sich Ina Bock von der großen Hilfsbereitschaft im Ort. Auch Sonja Ziemer vom Familienunternehmen Ziemer Transporte berichtet von viel Unterstützung: Umliegende Firmen hätten Ersatzflächen angeboten und viele Menschen seien auf sie zugekommen, um einfach zuzuhören oder Hilfe anzubieten. "Es ist schön zu wissen, dass sich Leute melden und helfen wollen", sagt sie.