Im kleinen Eisenbacher Ortsteil Oberbränd (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) hat das 140 Jahre alte Familienunternehmen August Weckermann KG ein wegweisendes Energie- und Wärmekonzept umgesetzt. Mit Hilfe von Solarenergie und grünem Wasserstoff kann der Betrieb nach eigenen Angaben zu 90 Prozent energieautark arbeiten. Geschäftsführer David Duttlinger, 39 Jahre alt, sieht darin nicht nur eine Investition in die Zukunft seines Unternehmens, sondern auch einen Beitrag zum Klimaschutz und zur Energiewende.
Die Kombination aus Erzeugung, Speicherung und Wiederverwendung von Energie, ergänzt durch eine Batterie für die Elektrolyse, ist in Deutschland einmalig.
Vor fünf Jahren begann der Firmenchef zusammen mit seinem Vater Karl Duttlinger und Projektleiter Jens Schuler mit der Planung des ehrgeizigen Projekts. Heute ist das Ergebnis ein Vorzeigeprojekt, das bundesweit Aufmerksamkeit erregt.
Solarenergie und Wasserstoff als Herzstück
Das Herzstück des neuen Energiekonzepts ist eine großflächige, leistungsstarke Photovoltaikanlage, die auf den Dächern des Neubaus und den umliegenden Freiflächen installiert wurde. Die Anlage produziert zu Spitzenzeiten 2,7 Megawatt Strom - genug, um theoretisch 800 Einfamilienhäuser ein Jahr lang zu versorgen. Tagsüber reicht die Energie, um den gesamten Betrieb des Dreh- und Frästeileherstellers zu betreiben.
Doch die Innovation geht noch weiter: Überschüssiger Solarstrom wird mittels Elektrolyse in grünen Wasserstoff umgewandelt und in vier großen Tanks hinter dem Firmengebäude gespeichert. Diese Tanks können bis zu 1,4 Tonnen Wasserstoff fassen. Bei Bedarf wird der Wasserstoff rückverstromt und steht dem Unternehmen wieder zur Verfügung. Für die Elektrolyse nutzt die Firma Regenwasser, das in einer unterirdischen Zisterne gesammelt wird - so wird kein Trinkwasser verbraucht. "Das Einzigartige ist, dass wir uns als Industriebetrieb nahezu autark mit Energie versorgen können - und das rein aus erneuerbarem PV-Strom", betont David Duttlinger.
Ein Pionierprojekt mit Vorbildcharakter
Das gesamte Projekt hat 25 Millionen Euro gekostet, wovon Bund und Land fünf Millionen Euro übernommen haben. Jens Schuler, der als Projektleiter viele schlaflose Nächte in der Endphase des Neubaus hatte, ist stolz auf das Ergebnis: "Die Kombination aus Erzeugung, Speicherung und Wiederverwendung von Energie, ergänzt durch eine Batterie für die Elektrolyse, ist in Deutschland einmalig", ist er überzeugt.
Die Firma Weckermann, die sich von einem Zulieferer der Uhrenindustrie zu einem Premiumhersteller von Dreh- und Frästeilen mit diamantierten Oberflächen entwickelt hat, sieht in dem Konzept auch einen Wettbewerbsvorteil. Die umweltfreundliche Produktion überzeugt nicht nur Kunden, sondern lockt auch Fachkräfte an, die Wert auf Nachhaltigkeit legen.
Nachhaltigkeit als Familientradition
Karl Duttlinger, 73 Jahre alt und Seniorchef des Unternehmens, ist stolz auf seinen Sohn David, der seit 13 Jahren im Betrieb tätig ist. "Das ist natürlich das Größte, wenn man das Glück hat, dass ein Nachfolger aus der Familie da ist", sagt er.
Wir wollen zeigen, dass Nachhaltigkeit und wirtschaftlicher Erfolg Hand in Hand gehen können.
Das Unternehmen hat bereits über 100 Anfragen von anderen Firmen erhalten, die sich für das Konzept interessieren. David Duttlinger und sein Vater haben beschlossen, ihr Wissen weiterzugeben, um andere Betriebe zu inspirieren. Mit einem Jahresumsatz von 31 Millionen Euro und einem Amortisationsziel von 15 bis 20 Jahren blicken sie optimistisch in die Zukunft ihres Unternehmens.