Ein Helikopter hat am Montag ein erstes Seil von der Rottweiler Innenstadt in das Gewerbegebiet "Berner Feld" gespannt: Damit beginnt das Aufspannen der längsten Hängebrücke im Südwesten. Sie wird 606 Meter lang: Ein weiterer Superlativ für Rottweil, die älteste Stadt Baden-Württembergs mit der höchsten Aussichtsplattform Deutschlands. In der Stadt wird das Projekt überwiegend positiv gesehen, auch wenn die Schwesterbrücken in Bad Wildbad (Kreis Calw) und Todtnauberg (Kreis Lörrach) nicht nur Lob ernten.
Mit dem ersten Zugseil aus Hanf ist jetzt der Anfang gemacht. In den kommenden Wochen werden immer dickere Seile über den Neckar gespannt. Schließlich kommen die großen Tragseile: Acht Zentimeter dick und jeweils rund 27 Tonnen schwer. Sie halten dann die Hängebrücke.
Rottweil erhofft sich Boom für die Innenstadt
Rund 100.000 Menschen sollen pro Jahr über die Neckarline laufen. Der Eintritt für Erwachsene wird 13,50 Euro kosten. Die Brücke wird am Bockshof, direkt vor dem Dominikanermuseum enden, nicht weit von der Innenstadt. Dorthin sollen die Besucher bestenfalls weiterziehen. "Ich erhoffe mir, dass durch uns in den Geschäften auch mehr los ist", sagt Projektleiter Roland Haag von der Betreiberfirma Eberhardt.
Wir kommen mit der Brücke ins Wohnzimmer Rottweils.
Martina Meyr, Leiterin des Dominikanermuseums, meldet aber auch leichte Bedenken an. "Viele Menschen bringen auch viel Müll mit", sagt sie. Außerdem hofft sie, dass das Museum nicht nur zur öffentlichen Toilette der Brückenbesucher wird, sondern auch neue Besucherinnen und Besucher gewinnen kann. "Am Ende finde ich es aber genial, dass die Brücke kommt", sagt Meyr.
Anwohner kritisieren Schwesterbrücke in Todtnauberg
Die Betreiberfirma Eberhardt plant die Neckarline schon seit mehr als neun Jahren. Bei einem Bürgerentscheid 2017 hatten sich zwei Drittel der Rottweiler für die Brücke ausgesprochen. Die Planungen zogen sich dann aber. Allein für die Vorplanungen investierte die Firma 1,3 Millionen Euro, sagt Projektleiter Haag. Die Brücke soll insgesamt um die 12 Millionen Euro kosten.
Bedingt durch die Planungsdauer entstanden in der Zwischenzeit zwei weitere Brücken der Firma Eberhardt: Die Wildline in Bad Wildbad (Kreis Calw) und die Blackforestline in Todtnauberg (Kreis Lörrach). Die Besucherzahlen stimmen, sagt Haag. Anwohner kritisieren aber: Die Region habe von der Brücke nicht viel.
Ich stelle fest, dass die Leute zur Brücke gehen und dann abreisen. Ich habe nicht das Gefühl, dass sie sagen: Nach dieser Brücke gehe ich in den Ort und trinke ein Käffchen.
Die Besucher würden selten nach oder vor ihrem Ausflug zur Brücke noch wandern und wirklich die Natur erleben, sagt Anwohner Daniel Schramm. Andere Anwohner kritisieren die Verkehrsführung rund um die Brücke. Hotelier Alfred Boch ist hingegen begeistert: "Allein schon, dass unsere Gäste hier eine neue Attraktion haben, direkt vor der Haustür. Besser kann's nicht gehen." Außerdem sei die Präsenz der Ortschaft in den sozialen Medien deutlich gestiegen.
Bau der Neckarline liegt im Zeitplan
Die Rottweiler Hängebrücke soll Ende April 2026 eröffnen, vielleicht wird es aber auch Mai, sagt Projektleiter Roland Haag. Die Statikprüfung hätte den Bau um rund vier Wochen verzögert. "Jetzt läuft aber alles prima", sagt er.