Nachdem schon Mitte August in einigen Betrieben die Lese früher Sorten begonnen hat, starten viele Winzerinnen und Winzer in diesen Tagen in die Hauptlese. Auch bei der Weinmanufaktur Gengenbach-Offenburg (Ortenaukreis) herrscht reger Betrieb: Schon Montagmorgen liefern zahlreiche Winzerinnen und Winzer ihre frisch geernteten Trauben. Damit ist die Saison von Neuem Süßen und Zwiebelkuchen nun endgültig eingeläutet.
Weinlese in diesem Jahr früher
Die Hauptlese von Rebsorten wie Müller-Thurgau oder Spätburgunder starten in diesem Jahr vielerorts fast eine Woche früher als erwartet. Das bestätigt Holger Klein, Geschäftsführer des Badischen Weinbauverbands. Trotzdem unterscheidet sich die Reife der Trauben je nach Rebsorte und Lage des Weinbergs: Jeder Weinberg bringe seine eigenen Bedingungen mit sich - wie die Württembergische Weingärtner-Zentralgenossenschaft auf ihrer Webseite betont.
"Winzer müssen die Balance zwischen Zucker, Säure und Aromen genau im Blick behalten", heißt es weiter. Werden die Trauben ein paar Tage zu früh gelesen, kann der Wein flach und unausgewogen wirken - wird er zu spät geerntet, riskieren die Weinbauern überreife und faule Trauben. Spätestens ab dem 15. September werde dann das gesamte Weinbaugebiet in der Hauptlese sein, so Hermann Morast vom Weinbauernverband Württemberg. Sorgen bereiten vielen Winzerinnen und Winzern mögliche starke Regenfälle. Letztes Jahr hatte das Wetter dazu geführt, dass die Ernte eher gering ausgefallen war.
Gengenbach: Neue Anlage soll Traubenabgabe erleichtern
Auf dem Hof der Weinmanufaktur Gengenbach-Offenburg stehen Winzerinnen und Winzer mit ihren Traktoren - sie sind gekommen, um die frisch geernteten Trauben abzuliefern. Das läuft in diesem Jahr allerdings anders ab als in den Jahren zuvor: Die Weinmanufaktur hat eine neue, automatisierte Annahme-Anlage, die 1,25 Millionen Euro gekostet hat. Alle 150 Winzerinnen und Winzer haben von der Genossenschaft Bottiche bekommen mit dazugehörigen Chips und individuell zugewiesenen Zeitfenstern. Sie sollen lange Wartezeiten bei der Abgabe verhindern, außerdem könnten die Trauben so schneller und schonender verarbeitet werden. Das sorge letztlich auch für eine bessere Qualität beim Wein.
2025: Ein guter Wein-Jahrgang?
Klaus Huber ist einer der Winzer, die ihre Trauben zur Weinmanufaktur bringen - rund zehn Hektar Rebfläche bewirtschaftet er. "Wir rechnen mit einem guten Jahrgang", zeigt sich der 59-Jährige optimistisch. Seit 1982 arbeitet er als Winzer.
Die Qualität sei gut und es gebe deutlich mehr Ertrag als im Vorjahr. Mit bis zu 1,5 Millionen Liter rechne die Weinmanufaktur Gengenbach-Offenburg in diesem Jahr, so Florian Steif vom Marketing der Weinmanufaktur. Im vergangenen Jahr hatten unter anderem Frostnächte im April zu Ernteausfällen geführt - da lag der Ertrag bei nur 800.000 Litern. "In diesem Jahr war der Wechsel zwischen Sonne und Regen optimal", freut sich Klaus Huber. Entsprechend hoffen er und die anderen Weinbauern auf höhere Einnahmen.
Wenn die Trauben der Sorte Müller-Thurgau gelesen sind, geht es mit den anderen Rebsorten weiter. Die Anbaugebiete in Baden und Württemberg liegen - gemessen an der Rebfläche - auf Platz drei und vier in Deutschland. Größer sind nur die Weinbaugebiete in Rheinhessen und der Pfalz.