Weinbau Mittelbaden will aus der Krise

"Endlich bewegt sich was" - Neue Ideen gegen verwilderte Weinberge im Rebland

Immer mehr Winzer im Rebland geben auf, Touristen drohen weg zu bleiben. Ein Sonderprojekt soll den Weinbau und die Urlaubsregion jetzt retten.

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Von Autor/in Susann Bühler

Es soll eine Initialzündung sein, die vielen Winzern und dem Tourismus neue Hoffnung gibt: das Sonderprojekt Weinbau Mittelbaden. Weg vom verwilderten Flickenteppich in den Weinbergen im Bühler und Badener Rebland, hin zu einem attraktiven Gesamtbild aus Weinreben, Obstbäumen und blühenden Wiesen. Dazwischen weiden noch ein paar Schafe - so die Vision.

Den Startschuss dafür hat das Landesamt für Geoinformation (Stuttgart) gegeben. In nur einem Jahr soll eine Art Nutzungskonzept für die badischen Rebflächen erarbeitet werden, in Kooperation mit den Kommunen Bühl, Baden-Baden und Bühlertal, Fachbehörden und der regionalen Winzerschaft.

Viele Winzer in der Region reagieren positiv auf den Vorstoß aus Stuttgart. "Endlich bewegt sich etwas, wir Winzer haben schon lange darauf gewartet", bringt es Winzer Holger Dütsch aus Baden-Baden auf den Punkt.

Verwilderte Weinberge im Rebland: "Schande für Tourismus"

Die Problematik ist lange bekannt: Der Weinkonsum geht zurück, viele Winzer im Alter "60+" finden keine Nachfolger. Die Folge: Immer mehr Weinberge im Bühler und Baden-Badener Rebland verwildern und geben auch für Spaziergänger und Touristen ein unschönes Bild ab. Klaus Bloedt-Werner vom Förderverein Wein, Tourismus, Kultur und Kunst im Rebland e.V. schätzt, dass künftig 20 bis 30 Prozent der jetzigen Rebfläche nicht mehr bewirtschaftet werden. Der Anblick sei eine "Schande" für das Rebland, Maßnahmen daher "dringend notwendig", so Bloedt-Werner.

Winzer Holger Dütsch aus Neuweier lobt das neue Projekt als einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung:

Viele Leute haben noch nicht verstanden, wo wir mit dem Weinbau stehen. Da wird mir angst und bange. Ich bin froh um jeden Hektar Reben, der mir nicht gehört.

Wenn die brachliegenden Rebgrundstücke von ihren Besitzern nicht ordnungsgemäß abgeräumt werden, überwuchern sie in kurzer Zeit mit Brombeerhecken. Das schade nicht nur den Winzern, die mit einem erhöhten Schädlingsdruck zu kämpfen haben. Es verändere auch die Kulturlandschaft negativ und schade dem Tourismus, so Jürgen Eisenmann, der das Sonderprojekt vor Winzern in Bühl vorgestellt hat.

Badischer Weinbau in der Krise: Viele Rebflächen sind in einem ungepflegten Zustand
Viele Weinberge in Mittelbaden geben ein ungepflegtes Bild ab Foto: Susann Bühler

Externer Projektmanager vom Land finanziert

Ab September soll sich ein externer Projektmanager darum kümmern, innerhalb von einem Jahr ein neues Konzept für die künftige Bewirtschaftung der Rebflächen zu erstellen. Die entsprechende Finanzierung der Stelle sei von Minister Peter Hauk persönlich zugesagt, so Jürgen Eisenmann. Das Budget dafür sei mit "maximal 200.000 Euro" einkalkuliert und werde vom Land finanziert.

Kernzonen für Weinbau und Landtausch von Rebgrundstücken

Neben sogenannten Kernzonen, in denen weiterhin Weinbau stattfinden soll, werden Flächen definiert, die alternativ genutzt werden sollen. Zum Beispiel durch Streuobstanpflanzungen, Blühwiesen, Beweidung mit Tieren, Wiederaufforstung und Biotopvernetzung.

Auch eine Neuordnung der Eigentumsverhältnisse durch freiwilligen Landtausch ist Jürgen Eisenmann zufolge nicht ausgeschlossen. So sollen Flächen, die sich nicht mehr rentabel bewirtschaften lassen, gegen Toplagen getauscht werden, um möglichst geschlossene Rebhänge und eine gepflegte Landschaft zu erreichen. "Schließlich geht es um die Zukunft des Weinbaus und den Erhalt der Kulturlandschaft", so der Behördenleiter.

Volker Maier ist Biowinzer im Baden-Badener Rebland
Volker Maier ist Biowinzer im Baden-Badener Rebland Foto: Susann Bühler

Flächentausch stößt bei einigen Winzern auf Kritik

Viel Lob für das Sonderprojekt gab es von den Winzern. Nur die Idee mit dem Flächentausch stieß nicht bei allen auf Zustimmung. Winzer Volker Maier aus Baden-Baden verwies auf seine Junganlagen, in die viel investiert wurde. "Was ist mit diesen Flächen? Für uns als Biobetrieb ist so ein Flächentausch wirtschaftlich kaum darstellbar." Auch andere Winzer waren skeptisch, ob überhaupt viele Winzer ihre Flächen tauschen wollten. "Die Leute wollen ihr Land nicht tauschen, sie wollen aufhören", so Klaus Schätzle vom Weingut Schloss Neuweier.

Sonderprojekt Weinbau Mittelbaden als Modell für ganz BW?

Im September 2026 soll das Konzept für die Weinregion Mittelbaden stehen und in die Umsetzung gehen. Sollte es erfolgreich sein, könnte es auch ein Modellprojekt für ganz Baden-Württemberg werden.

Der Weinbau in Baden-Württemberg befindet sich in einer existenziellen Krise. Mit diesem Sonderprojekt wollen wir Lösungswege aufzeigen, die auch für andere Regionen beispielhaft sein können.

Baden-Baden/Bühl

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