Drogenhandel in sechs Fällen mit kiloweise Amphetamin und Kokaingemisch: Dafür hat das Landgericht Waldshut-Tiengen ein langjähriges Mitglied der Hells Angels am Dienstag zu sechs Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Zudem muss der 37-Jährige 120.000 Euro mutmaßlichen Gewinn als Strafe zahlen.
Vor Gericht gestand der Mann die Drogendelikte. Er war von 2021 bis mindestens Ende 2025 Mitglied der Rockergruppe. Laut Aussagen seines Verteidigers war ihm nach seiner Verhaftung im November 2025 die Mitgliedschaft entzogen worden, weil der 37-Jährige selbst zu viele Drogen konsumiert hatte.
Prozess gegen langjähriges Hells-Angels-Mitglied nach Freiburg verlegt
Seine Schweizer Lebensgefährtin war ebenfalls angeklagt wegen Beihilfe zum Drogenhandel in einem Fall. Auch sie gestand die Tat und erhielt vom Gericht eine Strafe von sechs Monaten auf Bewährung. Die Anklage gegen einen 33-jährigen Mann aus Achern im Ortenaukreis wird in einem Nebenverfahren verhandelt.
Die Verbindung zu den Hells Angels war im Prozess nur Nebensache. Verhandelt wurde allein über die Einzeltaten, die dem jetzt Verurteilten und den zwei anderen Angeklagten nachgewiesen werden konnten. Trotzdem hatten die Hells Angels Auswirkungen auf den Prozess, wie der Vorsitzende Richter Martin Hauser erklärte. Weil eine größere Gruppe "Muskelmänner" nach der Einweisung des Mannes in Untersuchungshaft vor der Justizvollzugsanstalt in Waldshut-Tiengen "Party gemacht" habe, sei der Prozess aus Sicherheitsgründen nach Freiburg in einen besonders gesicherten Gerichtssaal verlegt worden.
Zufälliger Drogenfund brachte Ermittler auf die Spur
Der 37-Jährige war schon in seiner Jugend Mitglied in einer Rockergruppe, zuletzt war er Mitglied der Hells Angels. Regelmäßig nahm er an deren Treffen in Lahr (Ortenaukreis) teil. Nach Angaben des Verteidigers hatte ein Mitglied der Hells Angels ihm nach der Verhaftung seines Mandanten mitgeteilt, dass dieser ausgeschlossen sei. Als Grund wurde der übermäßige Konsum des Mannes angegeben.
Zollfahnder hatten 2024 ein Auto in Blumberg (Schwarzwald-Baar-Kreis) kontrolliert und auf dem Rücksitz eine Tüte mit mehr als drei Kilogramm Amphetamin gefunden. Sie fanden heraus, dass der Mann diese an den Hauptangeklagten in einen Lagerraum beim elterlichen Handwerksbetrieb nach Laufenburg (Kreis Waldshut-Tiengen) liefern wollte. Daraufhin überwachten die Ermittler den mutmaßlichen Drogenbunker sowie das Handy des Angeklagten für ein Jahr. Dabei konnten sie zahlreiche Beweise für weitere Drogendeals sammeln. Im November 2025 schließlich nahmen sie den Mann fest und erhoben Anklage gegen ihn und zwei Unterstützer.