Beim Europäischen Steinfestival 2026 in Freiburg haben junge Steinmetze aus ganz Europa zwei Tage lang ihre Leidenschaft für den Werkstoff Stein präsentiert. Der Eschholzpark wurde vom 16. bis 17. Mai zu einer offenen Werkstatt. Mit dabei waren auch viele Steinmetzinnen - der frühere Männerjob wird bei Frauen immer attraktiver.
Rund 120 Steinmetze aus 14 Ländern arbeiteten an Skulpturen zum Motto "Vielfalt im Garten". Direkt vor den Augen des Publikums. Die Teilnehmenden hatten ihre Entwürfe im Vorfeld entwickelt und brachten Zeichnungen oder Modelle mit. Innerhalb von rund 14 Arbeitsstunden mussten sie ihre Ideen dann in Steinquader hauen die etwas größer als ein Schuhkarton waren - aus süddeutschem Sandstein oder Muschelkalk.
Junge Steinmetzin: Keine Nachteile für Frauen im Handwerk
Mit dabei war auch Carla Braun aus der Nähe von Lörrach. Sie ist im dritten Lehrjahr als Steinmetzin in der Münsterbauhütte Freiburg. Eigentlich studierte sie schon Kunstgeschichte als ein Besuch in der Münsterbauhütte ihr Leben radikal änderte. "Da habe ich gemerkt: Hier möchte ich lieber bleiben", erzählt Braun.
Sie schmiss ihr Studium hin und begann die Ausbildung zur Steinmetzin. Daran begeistert sie vor allem die Arbeit mit den Händen und, dass man kreative Ideen umsetzen kann. "Man kommt morgens, und wenn man abends geht, sieht man genau, was man gemacht hat. Das motiviert."
Für das Steinmetzhandwerk braucht es mehr als dicke Oberarme. Auch wenn Carla Braun und ihre Kollegen alle viel Kraft haben. Steinmetz sei längst kein Männerjob mehr, betont sie. Als Frau habe sie in dem Beruf keine Nachteile. Es gebe für das Heben der Steine zum Beispiel immer auch technische Hilfmittel.
Auch andere Steinmetze beim Steinfestival beobachten, dass immer mehr Frauen in den traditionellen Beruf einsteigen. "Es ist vor allem die künstlerische Seite, die total toll ist, und die große Vielfalt", schwärmt eine junge Steinmetzin. Es gehe längst nicht nur um rohe Steinbearbeitung, sondern auch um künstlerische Gestaltung, Restaurierung und das Arbeiten an historischen Bauwerken.
120 Werke der Steinmetze wurden am Ende versteigert
Carla Braun hat aus ihrem Steinquader ein Fabelwesen mit pflanzenüberwachsenem Gesicht geformt. Am Anfang komme man immer sehr gut voran, bei den Details werde man aber immer langsamer, erklärt sie. Das brauche Geduld. Am Sonntagabend wurden die 120 Kunstwerke von einer Jury prämiert. Braun holte den ersten Preis der Azubis.
Anschließend wurden alle Werke versteigert. Der Erlös ging an das Festival, sowie an die Freiburger Münsterbauverein und den Verein Stein + Kultur zur Förderung des handwerklichen Nachwuchses. Daneben waren an beiden Tage Aktionen für die Besucher geboten. Ein Steinpfad informierte über das Steinmetzhandwerk, Kinder konnten erste eigene Anläufe im Steinhauen wagen.
Das Europäische Steinfestival gilt in der Szene als Treffpunkt für den handwerklichen Nachwuchs und für erfahrene Profis. Seit 1999 wandert es jedes Jahr durch verschiedene europäische Städte. Ziel ist es, das Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk für ein breites Publikum sichtbar und erlebbar zu machen – und zu zeigen, wie lebendig dieses alte Gewerbe ist.