Eine Ära geht zu Ende: Seit den 90er-Jahren verkauft Manfred Urbanski Käse. Auf fünf Märkten in Südbaden war er unterwegs. Seit dieser Woche müssen Marktbesucherinnen und -besucher ohne ihn zurecht kommen: Vergangenen Samstag hatte er seinen letzten Arbeitstag auf dem Markt in Bad Krozingen (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) - kurz vor seinem 84. Geburtstag. Der SWR war dabei.
Ein letzter Markttag mit Crémant
Ein Stück Käse nach dem anderen wandert über die Käsetheke von Manfred Urbanskis Verkaufswagen. Brie, Comté: in der Auslage allerlei Leckereien aus Frankreich. Schon früh am Morgen hat sich eine kleine Menschentraube vor dem Stand gebildet.
Ein Kind hat den Mund noch voll mit Käse. Urbanski hält ihm schon das nächste Stück vor die Nase. Probieren ist ein Muss. An seinem letzten Tag ist Urbanski besonders spendabel. Wer möchte, wird neben dem Stand mit einem Gläschen Crémant und allerlei Häppchen versorgt. Eine kleine Feier - nach einem Berufsleben mit Überlänge.
Kunden nehmen Abschied von einem besonderen Marktstand
Dass Urbanski mit seinen 83 Jahren in den Ruhestand gehen will, können seine Stammkundinnen und -kunden natürlich verstehen. Schade finden sie es trotzdem. "Ist doch keine Beerdigung hier", kommentiert Urbanski die traurigen Blicke.
Warum die Menschen so gerne zu Manfred Urbanski gekommen sind? "Die tolle Beratung hat mir immer gut gefallen und die Qualität ist ja auch was Besonderes", sagt Kundin Claudia Bauer. Außerdem natürlich Urbanski selbst. "Der ist einfach so menschlich", ergänzt Michael Jacoby, der den Käseverkäufer schon seit 1999 kennt. Dazu gehört auch, dass er bedürftigen Menschen auch mal ein bisschen Käse und Baguette umsonst abgab. Manchmal auch Geld, sagt eine Kundin.
"Frührente" nach 60 Jahren Arbeit
Kurz vor seinem 84. Geburtstag soll jetzt aber wirklich Schluss sein mit der Arbeit. 60 Jahre sind es dann insgesamt gewesen, sagt Urbanski. Seinen jetzigen Ruhestand nennt er "Frührente".
Urbanski stand nicht sein ganzes Arbeitsleben hinter der Käsetheke. Zwei Ausbildungen habe er gemacht, sagt der 83-Jährige. In Düsseldorf habe er einmal versucht, einem Drogisten eine Registrierkasse zu verkaufen. Am Ende habe er die Drogerie gekauft - und 25 Jahre lang betrieben. Nachdem er nach Frankreich gezogen war, wurde er in den 90er-Jahren dann Käseverkäufer.
Käsestand adieu - Ruhestand und Reiselust
Jetzt geht auch dieser Lebensabschnitt zu Ende. Oft sei das Geld knapp gewesen, berichtet Urbanski. Nachdem er vor gut zwei Jahren sein Haus in Frankreich verkaufte, sei jetzt aber das nötige Reisegeld vorhanden. Für seinen Ruhestand hat der 83-Jährige noch reichlich Pläne.
Mit dem Interrail-Ticket plant er Bahnreisen durch Europa. Elsass, Tessin, Ruhrgebiet: Freunde habe er in verschiedenen Ecken. Auch die will er besuchen. In Berlin möchte er ein paar Wochen in der Wohnung eines Freundes wohnen.
Macht Urbanski mit 84 Jahren die Straßen Berlins unsicher?
Am ersten Mai werde man ihn dort demonstrieren sehen. Und beim Christopher-Street-Day sei er auch dabei. In Straps. Ob Spaß oder Ernst? Das lässt Urbanski offen. Außerdem auf seiner To-do-Liste: andere Wochenmärkte angucken. Wenn es an einem Stand mal nicht so gut läuft, könne er ja Tipps geben.
Langweilig wird es Manfred Urbanski jedenfalls wohl auch in den kommenden Jahren nicht. Auf dem Markt in Bad Krozingen aber wird er fehlen.