Aus 12 sollen 32 Wohnungen werden

Sanierung statt Neubau? Mieter in Freiburg wehren sich gegen Abriss ihrer Wohnungen

Drei Häuser im Freiburger Osten sollen ersetzt werden durch größere, moderne Gebäude. Dabei sind die Häuser in gutem Zustand, finden die Mieter. Sie kämpfen um den Erhalt.

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Von Autor/in Thomas Hermanns, Clara Gehrunger

Um die Wohnungsnot in Freiburg zu verringern, plant die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), drei ehemalige Offiziershäuser im Stadtteil Waldsee abzureißen. Sie sollen weichen für moderne Wohnhäuser, die statt der 12 bestehenden Wohnungen bis zu 32 Wohnungen haben sollen. Doch die aktuellen Mieter finden: Mit einer Sanierung und Aufstockung der Gebäude ginge das besser, umweltfreundlicher und günstiger.

Ich muss ehrlich sagen, mich macht‘s traurig, dass man so gute Häuser abreißt.

Die neun Familien der drei Häuser im Freiburger Stadtteil Waldsee haben sich zusammengetan und kämpfen für den Erhalt ihrer vier Wände. Sie fühlen sich sehr wohl hier. Die Wohnungen sind gepflegt, mit Fischgrätenparkett und teils sanierten Bädern. Das alles abzureißen halten sie für sinnlose Ressourcenverschwendung. Sie haben Gegenvorschläge entwickeln lassen.

Im Freiburger Osten sollen drei ehemalige Offiziershäuser abgerissen und neu gebaut werden.
Die neun Familien haben sich zusammengetan, um für den Erhalt ihrer Wohnungen zu kämpfen.

Willi Sutter saniert seit 40 Jahren Altbauten in Freiburg. Seine Variante: Die Dachgeschosse ausbauen und um eine Etage aufstocken, außerdem die Garagen um eine Etage aufstocken, um dort kleine Wohnungen draufzubauen. "Damit kommt man auf die gleiche Fläche, die die BImA mit Abriss und Neubau erzeugt", meint Altbausanierer Sutter. Zudem sei die Sanierung günstiger.

Bundesimmobilienanstalt hält Sanierung für unwirtschaftlich

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben hält die Vorschläge für unwirtschaftlich. Nach einer Prüfung der Aufstockungsvariante von Sutter sei diese "deutlich unwirtschaftlicher" als die Variante Abriss und Neubau. Die Bundesimmobilienanstalt widerspricht auch den Annahmen der Mieterinnen und Mieter. Es handele sich nicht "gänzlich um gut erhaltene und sanierte Wohnungen", heißt es.

Der Gesamtzustand der drei Häuser entspricht jedoch nicht den heutigen Standards. Die Elektrik-, Trinkwasser- und Heizwasserleitungen stammen aus dem Baujahr 1953.

Teilweise würden die Gebäude erhebliche statische Mängel aufweisen, auch gebe es mehrere Mietminderungen aufgrund von Baumängeln und Bauschäden wie schlechtem Schallschutz und Schimmelbildung. Außerdem seien die Aufstockungsvarianten im Bereich der Garagen wegen des Baurechts nicht umsetzbar.

Sanierung wahrscheinlich klimafreundlicher als Neubau

Neben der Wirtschaftlichkeit pochen die Mieter auch auf Nachhaltigkeit, ganz im Sinne von Freiburg als "Green City". Beraten werden sie dabei durch Ingenieur und Bauphysiker Wilhelm Stahl. Nach seinen Berechnungen lasse sich die Klimaneutralität mit Abriss der drei Gebäude nicht erreichen. Für einen Neubau bräuchte man deutlich mehr Rohstoffe als für die Sanierung und Aufstockung. Und es würde deutlich weniger Schutt anfallen. In Baden-Württemberg wie auch in ganz Deutschland ist die Baubranche für mehr als die Hälfte des gesamten Abfalls verantwortlich. Bauphysiker Stahl ist sich daher sicher: Hier wäre es nachhaltiger, mehr zu sanieren und umzubauen – anstatt Gebäude niederzureißen und neu aufzubauen.

Stadt Freiburg gegen Sanierung

Auch das Stadtplanungsamt Freiburg befürwortet den Neubau statt der Sanierung. Der vom Bund geplante Neubau biete bessere Barrierefreiheit, energetische Standards und mehr Grünflächen als der Gegenvorschlag. So begründet die Stadt ihre Haltung auf Anfrage.

Im Freiburger Osten sollen drei ehemalige Offiziershäuser abgerissen und neu gebaut werden.
Aus den zweistöckigen ehemaligen Offiziershäusern von 1953 sollen moderne, dreistöckige Wohngebäude werden. Die Grundfläche der neuen Häuser soll gleich bleiben.

Der Abriss der Gebäude ist laut BImA im Frühjahr oder Sommer 2026 geplant. Die Bundesanstalt bietet den Mieterinnen und Mietern zur Überbrückung der Bauzeit Ersatz-Wohnungen an. Außerdem haben sie im Anschluss Anspruch auf eine Wohnung in den Neubauten, bei gleich bleibendem, gedeckelten Mietpreis von 10 Euro pro Quadratmeter. Für Mieterin Heike Sturm ein schwacher Trost: "Ich denke, das wird 2030, da bin ich zu alt, um wieder hierher zu gehen und nochmal einen Umzug zu machen."

Fall könnte vor Gericht gehen

Die Bundesanstalt hat den Mieterinnen und Mietern der drei Häuser bereits gekündigt. Dagegen wollen sie Widerspruch einlegen und die Behörde weiter unter Druck setzen. Noch geben sie die Hoffnung nicht auf, dass ihre ehemaligen Offiziershäuser doch noch erhalten werden können.

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Thomas Hermanns
Reporter Thomas Hermanns
Clara Gehrunger