Nach der mutmaßlichen Aussetzung zweier französischer Kleinkinder in Portugal hat ein Gericht Untersuchungshaft für die 41-jährige Mutter und den 55-jährigen Stiefvater angeordnet. Die beiden kommen aus Colmar im Elsass, nur wenige Kilometer von der Grenze zu Baden-Württemberg entfernt, und sind dringend der schweren Körperverletzung sowie Kindesaussetzung verdächtig.
Kinder an abgelegener Landstraße ausgesetzt
Die Ermittler gehen davon aus, dass die beiden die vier und fünf Jahre alten Brüder am Dienstag an einer abgelegenen Landstraße nahe Alcácer do Sal südöstlich von Lissabon ausgesetzt haben. Ein Autofahrer hatte die weinenden und verwirrten Kinder entdeckt, sie in seine Obhut genommen und die Polizei verständigt. Am Donnerstag wurden Mutter und Stiefvater nach einer landesweiten Fahndung festgenommen.
Die Jungen sind inzwischen in einer französischsprachigen Pflegefamilie untergebracht. Dort sollen sie bleiben, bis Portugal über einen Antrag Frankreichs auf Rückkehr der Brüder entschieden hat. Laut portugiesischen Medien hat sich der leibliche Vater bereits auf den Weg nach Portugal gemacht.
Europäische Haftbefehle aus Frankreich
Nach Angaben der portugiesischen Nationalgarde liegen gegen die Mutter und den Stiefvater auch zwei europäische Haftbefehle aus Frankreich vor. Diese betreffen den Vorwurf des Kindesentzugs und der Vernachlässigung eines 16-jährigen weiteren Sohns der Mutter. Die Verdächtigen müssen deshalb auch vor einem Berufungsgericht erscheinen, das über solche ausländischen Anträge entscheidet. Dort könnte ebenfalls Haft angeordnet werden.
Die französische Zeitung "Dernières Nouvelles d'Alsace" berichtete unter Berufung auf den Staatsanwalt in Colmar, dass die Mutter bislang das Sorgerecht für die beiden Jungen hatte, während der Vater ein Besuchsrecht besaß. Der Vater hatte die Mutter und die Kinder bei der Polizei in Colmar als vermisst gemeldet, nachdem die Kinder nicht mehr zum Kindergarten erschienen waren. In Frankreich wurde ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Aussetzung Minderjähriger eingeleitet, wie die Zeitung "Le Parisien" meldete.