Am Landgericht Freiburg hat der Prozess gegen zwei mutmaßliche Betrüger begonnen. Die 23 und 32 Jahre alten Männer sollen Anfang des Jahres mit der sogenannten Falsche-Polizisten-Masche im Raum Freiburg und München Rentnerinnen und Rentner um mehr als 500.000 Euro gebracht haben. Dabei waren die beiden Männer offenbar der verlängerte Arm einer internationalen Betrügerbande. Zum Prozessauftakt bestritten die Angeklagten die Vorwürfe nicht.
Angeklagten wollten sich mit "Abholungen" etwas dazuverdienen
Bei den Angeklagten handelt es sich um ehemalige Arbeitskollegen. Laut Aussage des Jüngeren war er über Instagram von einer Person kontaktiert worden - mit dem Angebot, sich durch sogenannte Abholungen Geld dazuzuverdienen. Der 23-Jährige willigte ein, durfte zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht Auto fahren. Deshalb fragte er seinen Kollegen, einen 32-jährigen Familienvater, ob dieser einsteigen wolle. Der Ältere verfügte über Führerschein und Auto.
Als Motivation nannte der 32-Jährige, er habe seinen Kindern - drei mit seiner Ehefrau und ein weiteres mit einer anderen Frau - etwas bieten wollen. Der 23-Jährige verwies auf eigene Schulden und die finanziell schwierige Lage seiner Mutter.
Falscher Polizist "Herr Müller" holte Bargeld und Goldbarren ab
Mit stockender Stimme und feuchten Augen erklärte der 32-jährige Angeklagte, er habe lediglich Anweisungen befolgt. "Ich war nur der Fahrer", sagte der Mann mehrmals. Laut Anklage soll er sich in zivil aber als Polizist "Herr Müller" oder "Herr Schmitz" ausgegeben und bei älteren Menschen Bargeld und Wertgegenstände wie Uhren, Silbermünzen oder Goldbarren ergaunert haben. Im Januar und Februar dieses Jahres soll das passiert sein.
Internationale Bande offenbar Strippenzieher im Hintergrund
Der 23-jährige Angeklagte soll die Logistik übernommen haben: etwa Unterkünfte gebucht und den Kontakt zu den Hintermännern gehalten haben. Von dort sollen auch die Adressen der Opfer gekommen sein. Die Hinterleute, mutmaßlich eine international agierende Bande, sollen die Geschädigten zuvor angerufen und ihnen vorgegaukelt haben, ihr Vermögen müsse in Sicherheit gebracht werden. Gegen einen weiteren Verdächtigen wird separat ermittelt, andere Beteiligte konnten bislang nicht identifiziert werden.
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Sie rufen an oder klopfen an die Tür: In BW gibt es immer mehr Straftaten krimineller Telefonbetrüger. Die Schadenssumme steigt - trotz Warnungen der Polizei.
Wertgegenstände im Kochtopf übergeben
Als "Abhol-Team" sollen die beiden Angeklagten laut Staatsanwaltschaft in sechs Fällen Bargeld und Wertgegenstände im Gesamtwert von rund 519.000 Euro erbeutet haben. Ein Beispiel: Eine 86-jährige Frau aus Breisach (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) wurde mehrfach von den mutmaßlichen Betrügern aufgesucht. Einer von ihnen soll die Seniorin sogar zur Sparkasse gefahren haben - so erschlichen sich die Betrüger insgesamt 13 Goldbarren. Ein weiterer Fall ereignete sich in Kißlegg (Kreis Ravensburg). Dort sollte ein Rentner seine Wertgegenstände in einem Kochtopf übergeben. Neben Goldbarren lagen nach Angaben der Ermittler auch mehr als 30.000 Euro in bar in dem Topf.
Beute auf Rastplätzen an Hintermänner ausgehändigt
Nach den Beutezügen sollten die Angeklagten per Videochat oder mit Fotos den Hintermännern ihre Ausbeute präsentieren. Die Übergaben von Bargeld und Wertgegenständen fanden laut Anklage meist auf Rastplätzen entlang von Autobahnen statt. Vereinbart gewesen sei offenbar, dass die "Abholer" anteilig am Erlös beteiligt werden sollten - rund zehn Prozent des Gesamtwerts. Unklar blieb am ersten Prozesstag allerdings, ob jeder Angeklagte diesen Anteil erhielt oder ob sie sich die Summe teilen mussten.
Das Gericht hat zwei weitere Verhandlungstage angesetzt. Dann sollen unter anderem Polizeibeamte aussagen. Mitte Oktober wird ein Urteil erwartet.