Vor mehr als einem Jahr, im März 2025, hat das Dokumentationszentrum Nationalsozialismus in Freiburg eröffnet. Seitdem können die Besucher kostenlos das Museum erkunden, in dem Fotos, Infotafeln und Zeitzeugenberichte an die NS-Geschichte der Stadt erinnern. Doch das ändert sich demnächst: Denn der Finanzausschuss des Freiburger Gemeinderats hat vorgeschlagen, ab dem 1. Januar 2027 Eintrittspreise für den Besuch im NS-Dokumentationszentrum zu verlangen. Am Dienstag stimmte der Gemeinderat dem Antrag einstimmig zu.
Für Menschen unter 27 bleibt der Besuch kostenlos
Ab Anfang des kommenden Jahres müssen Erwachsene für den Besuch fünf Euro zahlen. Der ermäßigte Eintritt kostet drei Euro. Allerdings bleibt die Hauptzielgruppe von den Eintrittspreisen ausgenommen: Menschen unter 27 Jahren (Studierende, Schülerinnen und Schüler, junge Erwachsene) können weiterhin kostenlos in das Museum. Auch der Zugang in den Gedenkraum bleibt kostenlos.
Mit vielen Zeitzeugenberichten 80 Jahre nach Kriegsende: NS-Dokuzentrum in Freiburg eröffnet
Nach langer Planungs- und Bauzeit öffnet das NS-Dokumentationszentrum in Freiburg seine Tore. Das Haus will an die Verbrechen der NS-Diktatur erinnern, ein Lern- und Gedenkort sein.
Stadt Freiburg rechnet mit 100.000 Euro pro Jahr
Der Freiburger Kulturbürgermeister Roland Meder (SPD) sagte nach der Abstimmung, dass man durchaus ambivalent zu der Entscheidung stehe. Insbesondere, weil die Stadtverwaltung schon zum Start des NS-Dokuzentrums einen Eintrittspreis empfohlen hatte - und der Gemeinderat sich damals explizit für die kostenfreie Variante ausgesprochen hatte, um möglichst vielen Menschen einen Besuch zu ermöglichen.
Doch wie andere Kommunen müsse auch Freiburg mit zunehmend engeren finanziellen Mitteln kalkulieren - insbesondere im Kulturbereich, so Meder. Es sei deshalb "gut und richtig, diesen Eintritt zu erheben."
Einerseits wünscht sich jeder, dass so ein Angebot für alle frei zugänglich ist. Auf der anderen Seite muss Freiburg aber auch Einnahmen generieren, um gute Arbeit machen zu können.
Durch das Eintrittsgeld rechnet die Stadt mit Einnahmen von rund 100.000 Euro pro Jahr. Mit dem Geld soll unter anderem eine Stelle geschaffen werden, um das Dokuzentrum im Bereich der Vermittlungs- und Bildungsarbeit personell zu verstärken. Die konkrete Entscheidung darüber fällt allerdings erst, wenn der Gemeinderat über den kommenden Doppelhaushalt berät.
Zwickmühle Eintrittsgeld: Ambivalente Meinungen in den Fraktionen
So eindeutig das Ergebnis pro Eintrittspreise ausfiel, so hin- und hergerissen traten die Redner der einzelnen Fraktionen vor der Abstimmung im Gemeinderat auf. Simon Sumbert von den Grünen etwa sprach von einer "Zwickmühle". In einer idealen Welt sollten alle Bildungsangebote kostenlos sein, so Sumbert. "Aber wir haben nun mal Verteilungskonflikte auf kommunaler Ebene." Ein moderater Eintrittspreis sei deshalb vertretbar, um die Arbeit des Dokuzentrums langfristig abzusichern.
Annemarie Reyers von "Eine Stadt für Alle" erklärte, dass man "notgedrungen" für den Antrag stimme. Der Vorschlag einiger Fraktionen: Trotz Eintrittspreis solle es künftig einen kostenfreien Tag pro Woche für alle geben. Auch der Besuch an acht Mahn- und Gedenktagen solle ohne Eintrittsgeld möglich bleiben. Doch diese Anträge lehnte Bürgermeister Meder ab.
60.000 Menschen haben das NS-Dokumentationszentrum bislang besucht
Bislang haben 60.000 Menschen das NS-Dokuzentrum besucht. Im ersten Jahr hatte das Museum einen Umsatz von knapp 33.000 Euro generiert, vor allem durch Führungen. Über Spendengelder kamen laut dem Förderverein des NS-Dokuzentrums weitere 15.000 Euro zusammen.