Ein Vater soll seinen neunjährigen Sohn über ein Jahr in einem Lieferwagen in Frankreich gefangen gehalten haben. Der Mann gab offenbar zu, seinen Sohn ab November 2024 eingesperrt zu haben. Damit habe er verhindern wollen, dass seine Lebensgefährtin den Jungen in die Psychiatrie einweisen lasse. Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen gegen den Vater und dessen Lebensgefährtin ein.
Französischen Medienberichten zufolge sei der Junge mittlerweile im Krankenhaus von Mulhouse untersucht und verhört worden. Laut "ici alsace" stellte der Gerichtsmediziner fest, dass er unterernährt war, sich in einem verwahrlosten hygienischen Zustand befand und nicht aufrecht stehen konnte. Anzeichen körperlicher Gewalt lägen jedoch nicht vor.
Der Vater befindet sich für ein Jahr in vorläufiger Untersuchungshaft. Dem 43-Jährigen wird schwere Freiheitsberaubung und Vernachlässigung von Schutzbefohlenen vorgeworfen, wie die Staatsanwaltschaft im ostfranzösischen Mulhouse der französischen Nachrichtenagentur AFP mitteilte. Demnach drohen ihm 30 Jahre Haft.
Neunjähriger nackt und unterernährt in Kleinbus entdeckt
Von Nachbarn alarmierte Beamte hätten das Kind nackt und unterernährt in dem Fahrzeug auf dem Hof eines Mehrfamilienhauses in der elsässischen Ortschaft Hagenbach entdeckt. Der Ort liegt unweit der Grenze zu Baden-Württemberg und der Schweiz.
Die Beamten fanden das Kind nackt in unhygienischen Verhältnissen auf dem Boden des Fahrzeuges liegend. Der Junge sei unterernährt und habe nach der langen Gefangenschaft nicht mehr laufen können, so die Staatsanwaltschaft. Demnach brachten die Einsatzkräfte den Neunjährigen umgehend in ein Krankenhaus. Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen gegen den Vater und dessen Lebensgefährtin ein.
Beziehungsprobleme mit der Lebensgefährtin des Vaters
Der Neunjährige gab bei der Befragung an, dass er große Beziehungsprobleme mit der Lebensgefährtin des Vaters gehabt habe. Die 37-Jährige wollte ihn nicht in der Wohnung haben und habe gedrängt, den Jungen in eine psychiatrische Klinik einzuweisen. Der Vater gab an, dass er eine Einweisung vermeiden wollte und seinen Sohn deshalb in den Kleinbus sperrte.
Mit dem Paar lebten wohl zwei zehn und zwölf Jahre alte Töchter aus anderen Beziehungen in der Wohnung. Die Frau bestritt die Vorwürfe. Die Justiz prüft nun, ob sie wegen unterlassener Hilfeleistung gegenüber einem Minderjährigen unter 15 Jahren in Gefahr und unterlassener Anzeige von Misshandlungen, Entbehrungen, Übergriffen oder sexuellen Übergriffen angeklagt wird.