Im Mietshaus in der Breisacher Straße 38 im Freiburger Stadtteil Stühlinger herrschen unhaltbare Zustände. Müllberge, Ratten, kaputte Fenster, ein defekter Aufzug - schon seit Jahren ist das Gebäude in einem desolaten Zustand.
Die Mieter klagen, der Eigentümer, eine Schweizer Immobilienfirma, kümmere sich überhaupt nicht mehr. Er wolle die Mieter aus dem Haus ekeln. Bei vielen hat das offenbar auch schon funktioniert: Von 31 Wohnungen sind nur noch zehn bewohnt. Und den übrigen Mietern wurden die Verträge gekündigt.
Tagelang weder Heizung noch Warmwasser
Gut eine Woche vor Weihnachten ist die Wohnsituation weiter eskaliert: Die Mieter hatten weder Heizung noch warmes Wasser.
Die haben es einfach drauf ankommen lassen, dass das Heizöl ausgeht und nicht nachbestellt.
Auf Nachfrage der Mieter soll es von der Hausverwaltung geheißen haben, der Lieferant könne erst in drei Wochen neues Heizöl liefern. Das wollten die Mieter nicht auf sich sitzen lassen und machten Druck. Dieter Scheibel, der seit 25 Jahren in dem Mietshaus wohnt, schaltete eine Anwaltskanzlei ein. Dann hieß es, dass in der Folgewoche - noch vor Weihnachten - Heizöl geliefert werden soll.
Und tatsächlich: Wie versprochen wurde einen Tag vor Heiligabend das Heizöl geliefert. Weil aber die Hausverwaltung versäumt habe, einen Heizungsmonteur zu beauftragen, hätten die Mieter zunächst weiterhin im Kalten sitzen müssen, erzählt ein Mieter. Seit Mittwochvormittag, pünktlich zu Weihnachten, haben die Bewohner des Mietshauses wieder warmes Wasser und eine funktionierende Heizung. "Das ist für uns ein Geschenk", sagt Mieter Dieter Scheibel.
Schon lange unzumutbare Zustände für Mieter
Acht Tage lang mitten im Winter waren die Bewohnerinnen und Bewohner der Breisacher Straße 38 ohne Heizung und warmes Wasser. "Hier wohnen auch kleine Kinder, Ältere und Kranke, das geht so nicht", empört sich Mieter Stefan Walter.
Er wohnt mit seiner Frau seit 20 Jahren in dem Haus. Die beiden haben einen Schwerbehindertengrad von 80 beziehungsweise 90 Prozent. Dass der Aufzug in dem sechsstöckigen Haus seit April nicht mehr geht, ist für sie unzumutbar. "Unsere Einkäufe lasse ich meistens im Auto, das ist unser Zwischenlager, und trage dann nur einzelne Sachen hoch."
Schweizer Immobilieninvestor nicht erreichbar
Der Eigentümer, der Schweizer Immobilieninvestor CapRise, reagiert auf die Beschwerden der Mieter nicht. Auch der SWR konnte den Investor nicht erreichen. Die verbleibenden Mieter hoffen auf Unterstützung von der Stadt Freiburg. Bisher fühlen sie sich von der aber auch allein gelassen.
Mieter hoffen auf Unterstützung der Stadt
Unterstützung erhalten sie von der grünen Landtagsabgeordneten Nadyne Saint-Cast, die sich für eine Verbesserung der Situation einsetzt. Sie hat Kontakt mit dem Freiburger Ordnungsamt aufgenommen und setzt darauf, dass die Stadt einschreitet.
Das Ordnungsamt könnte eingreifen und Anzeige gegen den Eigentümer erstatten.
Die Stadt Freiburg teilt auf SWR-Anfrage mit, sie sei intensiv dabei, den Eigentümer zu kontaktieren.
Wir sehen die schwierige Lage der Bewohner*innen. Die Stadt bleibt an dem Thema dran.
Ziel sei es, die Verhältnisse in der Breisacher Straße 38 nachhaltig zu verbessern. Eine Überlegung sei, so Nadyne Saint-Cast, auf Kosten des Eigentümers zum Beispiel Müll zu beseitigen oder den Aufzug in Ordnung zu bringen. Das sei zum Teil auch schon gemacht worden.