Die Tat hatte überregional für Entsetzen gesorgt: Am 9. November 2023 erschießt ein 15-Jähriger einen gleichaltrigen Mitschüler mitten in einem Klassenzimmer der Offenburger Waldbachschule. Das Landgericht Offenburg verurteilt ihn später unter anderem wegen Mordes zu acht Jahren und neun Monaten Gefängnis.
Nun stehen auch die Eltern des Jugendlichen vor Gericht. Angeklagt sind sie wegen fahrlässiger Tötung und Verstoßes gegen das Waffengesetz. Sie sollen Tatwaffe und Munition nicht sicher aufbewahrt haben. Die Möglichkeit, dass ihr Sohn die Pistole aus dem Safe holen und einen Menschen töten könnte, soll für die Angeklagten vorhersehbar gewesen sein, so der Vorwurf.
Der Prozess am Landgericht in Offenburg (Ortenaukreis) begann am Dienstag nun mit erheblicher Verspätung. Das Gericht hatte – nach Anträgen der Verteidiger der Eltern – zunächst zu klären, ob und wann die Öffentlichkeit ausgeschlossen wird. Es entschied schließlich, dass lediglich einzelne Zeugen, vor allem Jugendliche, vor leeren Zuschauerrängen befragt werden sollen. Der Rest wird wohl weitgehend öffentlich verhandelt. und so wurde dann auch die Anklage öffentlich verlesen.
Haben Eltern Waffe und Munition im Tresor unzureichend gesichert?
Zudem ließ der 44-jährige Vater des heute 17-jährigen Täters über seinen Anwalt eine Erklärung abgeben. Demnach handelt es sich bei der Pistole, mit der sein Sohn einen gleichaltrigen Mitschüler erschossen hat, um ein Erbstück seines Vaters, ein Erinnerungsstück. Der Sohn habe eigentlich nichts von der Pistole wissen können, sie sei auch nie ein Thema gewesen. Die Pistole habe in einem Tresor gelegen, der Schlüssel sei versteckt gewesen. Gleichzeitig hat der 44-Jährige eingeräumt, dass er die Waffe illegal besessen hat.
Mit Blick auf seinen Sohn ließ der Vater erklären, er habe ruhig und zurückgezogen gelebt. Er könne es bis heute nicht glauben, dass dieser die Tat begangen habe. Eine Erklärung der Mutter will deren Anwalt zu einem späteren Zeitpunkt verlesen.
Messer und Playstation-Spiele im Zimmer gefunden
Ein Polizeibeamter, der bei einer Hausdurchsuchung am Wohnort der Familie am Tattag und auch danach dabei war, sagte im Prozess, der damals 15-jährige Junge habe einen Karton mit mehreren Messern auf seinem Kleiderschrank gehabt. Außerdem seien gewaltverherrlichenden Playstation-Spiele in seinem Zimmer gefunden worden.
Neben den Vorwürfen zur Aufbewahrung der Tatwaffe geht es im Prozess auch um ein "unzulässig verändertes Luftdruckgewehr". Auch dafür sollen die Eltern über keine erforderliche Erlaubnis verfügt haben.
Bis zu fünf Jahre Gefängnis möglich
Sollte das Offenburger Landgericht die fahrlässige Tötung und die Verstöße gegen das Waffengesetz nachweisen, könnte es laut einem Sprecher der Staatsanwaltschaft Offenburg Freiheitsstrafen zwischen sechs Monaten und fünf Jahren geben. Ein Urteil soll Mitte Mai gesprochen werden.
Interview mit einem Schulpsychologen Nach Amoklauf in Offenburg: "Manche haben Panik vor Schulgong"
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Öffentlichkeit beim Prozess gegen 15-jährigen Sohn ausgeschlossen
Der Prozess gegen den Schützen hatte im Sommer 2024 am Offenburger Landgericht unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden. Grund dafür war das Alter des Angeklagten. Daher wurden weder die Urteilsbegründung noch das Tatmotiv des zum Tatzeitpunkt 15-jährigen Schülers öffentlich bekannt.
Das Landgericht verurteilte ihn unter anderem wegen Mordes und versuchter schwerer Brandstiftung zu acht Jahren und neun Monaten Jugendstrafe. Eine Revision des Angeklagten wies der Bundesgerichtshof zurück. Das Urteil des Landgerichts ist rechtskräftig.
Antworten auf offene Fragen im Prozess der Eltern?
Für den Prozess gegen die Eltern sind fünf Verhandlungstage angesetzt. Mitte Mai soll das Urteil fallen. Ob es öffentlich verkündet werden wird, ist noch unklar.
Auf jeden Fall dürften im Prozess nun Dinge bekannt werden, die bisher noch nicht öffentlich waren.