Prozess um Bandenkriminalität am Landgericht Freiburg

Nach großer Diebstahlserie in Süddeutschland: Sieben Männer in Freiburg angeklagt

Für eine Serie von Einbrüchen in Rathäuser und Fastfood-Restaurants in ganz Süddeutschland sind nun sieben Männer angeklagt. Sie sollen Blankopapiere und Bargeld gestohlen haben.

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Von Autor/in Nikolaus Rhein

Vor dem Landgericht Freiburg müssen sich seit diesem Montag sieben Männer wegen Bandenkriminalität verantworten. Sechs der sieben Angeklagten erschienen am Vormittag im großen Sitzungssaal des Landgerichts Freiburg persönlich. Alle der Angeklagten trugen Fußfesseln, mehr als zehn Justizvollzugsbeamte waren im Gerichtssaal anwesend.

Schwerer Bandendiebstahl, versuchter schwerer Bandendiebstahl und Sachbeschädigung im mittleren fünfstelligen Bereich - so lauten die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen die aus Deutschland, Albanien und dem Kosovo stammenden Beschuldigten.

Einbrüche in Rathäuser und Landratsamt

Fast eine Stunde brauchten die zwei Staatsanwälte, um die Taten zu skizzieren, die den Angeklagten zur Last gelegt werden. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft haben die Beschuldigten Anfang 2024 unter anderem eine Serie von Einbrüchen in Rathäuser verübt: Sie sollen in die Rathäuser in Freiburg Stühlinger, Merzhausen und Schallstadt eingebrochen sein und dort Bargeld gestohlen haben.

Zudem sollen sie in den Rathäusern Blanko-Dokumente und Stempel für Aufenthaltstitel entwendet haben, um sie weiter zu verkaufen. Auch ins Landratsamt Tuttlingen soll die Gruppe eingebrochen sein, um Kfz-Zulassungsbescheinigungen zu entwenden und die Papiere insbesondere ins Ausland weiterzuverkaufen.

Mehrere Fastfood-Restaurants als Ziel

Ein weiteres Ziel der Gruppe waren laut Staatsanwaltschaft die Geldautomaten und Kassen in mehreren Fastfood-Restaurants: Demnach soll die Gruppe zwischen Oktober 2024 und März 2025 für die Einbrüche in Burgerking-Filialen in Rheinfelden, Kappel-Grafenhausen, Wangen im Allgäu, Weingarten im Allgäu, Kaufbeuren und Hochdorf in der Schweiz verantwortlich sein.

Bei diesen Einbrüchen soll die Gruppe knapp 30.000 Euro und 23.000 Schweizer Franken erbeutet haben. Wie die Staatsanwaltschaft erläuterte, habe die Gruppe mehrmals auch die Videoaufzeichnungs-Server gestohlen, um die Aufnahmen zu zerstören.

Gefängnisinsasse soll die Taten geplant haben

Bei den Taten, die sich über ganz Süddeutschland verteilen, seien die Angeklagten höchst planvoll vorgegangen, so die Staatsanwaltschaft. Tatwerkzeuge wie einen hydraulischen Spreizer hatten sie zuvor mutmaßlich aus einem Feuerwehrgerätehaus entwendet. Offenbar gab es eine feste Rollenverteilung. Jeder soll seine Aufgabe gehabt haben: Werkzeuge bereitstellen, Türen einschlagen, Tresore aufbrechen, Stromversorgungs-Kabel trennen, Bewegungsmelder und Lüftungsanlangen ausschalten, Schmiere stehen und Fluchtfahrzeuge steuern.

Wir haben es mit Fällen einer sehr gut vorbereiteten Serien-Bandenkriminalität zu tun. Das Gesetz sieht im Falle der Vollendung eines solchen schweren Bandendiebstahls einen Strafrahmen von einem bis zu zehn Jahren vor.

Besonders pikant: Ein Gruppenmitglied, das schon länger im Gefängnis sitzt, soll bei den Taten federführend gewesen sein und die Einbrüche mit einem illegalen Handy aus der Justizvollzugsanstalt Waldeck bei Rostock heraus geplant und koordiniert haben.

März 2025: Polizei nimmt Angeklagte fest

Bei einem Einbruch in die Universität Konstanz im Februar 2025, wo die Täter es erneut auf Bargeld abgesehen haben sollen, erschien ein Security-Mitarbeiter, woraufhin die Gruppe den Tatort fluchtartig verließ. Einer der Angeklagten konnte festgenommen werden.

Im März 2025 hat die Gruppe laut Staatsanwaltschaft ein weiteres Einbruchsobjekt in Regensburg ausgekundschaftet: Doch bevor die Tat stattfinden konnte, wurden die Angeklagten von der Polizei gestellt und verhaftet.

Gruppe soll um die 350.000 Euro erbeutet haben

Insgesamt soll die Gruppe bei ihren Taten knapp 350.000 Euro erbeutet haben. Hinzu kommen Sachbeschädigungen im mittleren fünfstelligen Bereich. Der Verteidiger eines Angeklagten machte direkt zu Beginn des Prozesses klar, dass sein Mandant sich nicht zu den Vorwürfen äußern werde. Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft droht den Angeklagten zwischen einem und zehn Jahren Haft. Insgesamt sind 13 Verhandlungstermine vorgesehen.

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Nikolaus Rhein
Nikolaus Rhein ist Reporter für Hörfunk, Online und Fernsehen beim SWR im Studio Freiburg.

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