Wer im Schwarzwald unterwegs ist, genießt wilde Schluchten und einsame Pfade – ist im Notfall aber oft auf sich gestellt. In vielen Bereichen gibt es kaum oder gar keinen Mobilfunkempfang. Passiert etwas, müssen Verunglückte oder Begleitpersonen häufig erst ein Stück laufen, um überhaupt den Notruf wählen zu können. Die automatische Ortung des Handys hilft dann nur eingeschränkt.
Genau hier setzen neue Rettungssektoren- und Notrufschilder am Schluchtensteig und am Albsteig im Südschwarzwald an. In den zum Teil schwer zugänglichen Schluchten ist es für die Bergwacht oft schwierig, schnell am Einsatzort zu sein. Auch, weil Wanderer meist nicht genau wissen, wo sie gerade sind. Die Sektoren grenzen den Ort eines Unfalls stark ein, und helfen so bei der Suche nach verletzten Personen.
Rettungssektoren sind etabliert, aber Wanderern häufig unbekannt
Der Schluchtensteig ist rund 120 Kilometer lang und führt etwa durch die Wutachschlucht und die Wehraschlucht. Die Rettungssektoren gibt es schon seit mehreren Jahren. Viele Wanderer wissen aber nicht, dass die Sektoren überhaupt existieren. Die bisherige Beschilderung war nicht einheitlich, und wenn es Schilder gab, waren diese häufig schon alt und nicht mehr gut sichtbar.
Das kommt gar nicht so selten vor, dass wir längere Zeit durch die Schlucht gehen und suchen, weil die Patienten sich den Rettungssektor nicht gemerkt haben.
Mit neuen Rettungssektorenschilder soll das nun besser werden. 200 neu gestaltete Schilder haben die ehrenamtlichen Einsatzkräfte der Bergwacht in den letzten Wochen entlang des Schluchtensteigs angebracht. Jedes zeigt gut sichtbar einen Buchstaben für den jeweiligen Sektor und die Notrufnummer 112. Ein Sektor ist etwa einen Kilometer lang, erklärt Jacques Bonno von der Bergwacht Schwarzwald, Ortsgruppe Wutach.
Allein auf der etwa 15 Kilometer langen Strecke zwischen der beliebten Wutachmühle und der Schattenmühle gebe es rund 20 verschiedene Zugangswege in die Schlucht, sagt Bonno. Mit dem richtigen Sektor können er und seine Kollegen ableiten, welcher Zugangsweg zur Schlucht der schnellste und sicherste ist. Das spare wertvolle Minuten, gerade wenn es um schwere Verletzungen oder Unterkühlung gehe.
Neue Schilder bringen mehr Bewusstsein
Jacques Bonno hat bisher gute Erfahrungen mit den neuen Schildern entlang des Schluchtensteigs gemacht. Viele Wanderinnen und Wanderer würden die Rettungssektorenschilder inzwischen bewusst wahrnehmen und sich die Buchstaben merken.
Das bestätigt auch Wanderin Marianne Hiol. Sie ist mit ihrem Mann in der Wutachschlucht unterwegs. Bei jedem neuen Schild hätten sie zueinander gesagt: "Hey, wir sind jetzt im Sektor soundso", erzählt Hiol, "ganz ohne Absprache". Die Sektoren findet sie daher sehr sinnvoll und gut sichtbar.
Bergretter Bonno hofft, dass sich die gesteigerte Aufmerksamkeit auch in den kommenden Einsätzen bemerkbar macht.
Der Albsteig bekommt neue Notrufschilder, aber ohne Sektoren
Auch am Albsteig im Südschwarzwald wurden neue Schilder montiert. Auf rund 20 allgemeine Notrufschildern wird darauf hingewiesen, dass die Bergrettung ausschließlich über den europaweiten Notruf 112 erreichbar ist. Immer wieder kommt es laut Begwacht vor, dass Wanderer versuchen, direkt eine örtliche Bergwacht-Station anzurufen. Zuständig sei aber immer die zentrale Notrufleitstelle.
Auf Sektoren, markiert durch Buchstaben wie am Schluchtensteig, wird am Albsteig verzichtet. Die örtliche Bergwacht hält sie nicht für nötig, weil der Weg an den meisten Abschnitten relativ gut zugänglich sei. Rettungskräfte könnten dort meist direkt von Straßen oder Wegen an die Unfallstelle gelangen.