Tierschützer und Behörden uneins

Verwirrung um exotischen Gast: Wie geht es mit dem Flamingo vom Titisee weiter?

Der am Freitag am Titisee aufgetauchte Flamingo wirft bei örtlichen Behörden und Tierschützern Fragen auf. Woher stammt der Vogel? Und wer ist eigentlich zuständig?

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Von Autor/in Mario Schmidt

Als am Freitagabend ein schlafender Flamingo am Ufer des Titisees (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) gesichtet wurde, löste das nicht nur Erstaunen aus. Das exotische Tier sorgte bei den herbeigerufenen Polizeibeamten auch für Stirnrunzeln. Wer wusste Rat? Da es sich um ein Wildtier wie auch einen Gewässervogel gehandelt habe, "schieden Tierschutzverein und Jagdpächter aus", schrieb die Polizei in ihrem Bericht. Schließlich wurden doch noch Fachleute aufgetan und beschlossen, den seltenen Gast einzufangen und in Gewahrsam zu nehmen. Doch wie geht es jetzt weiter?

Entscheidend dafür ist vor allem die Frage, ob das Tier einen Besitzer hat oder ob es tatsächlich ein Wildvogel ist. Darüber herrscht nicht nur unter Tierschützern Uneinigkeit, auch bei den Behörden sorgt der Flamingo für reichlich Verwirrung.

Wo befindet sich der Flamingo jetzt?

Aktuell ist der Vogel in der Obhut des Tierschutzverein Markgräflerland in Buggingen (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald). Am Montagabend hätte der Vogel in einer Fachpraxis für exotische Tiere in Bahlingen am Kaiserstuhl eigentlich tierärztlich untersucht werden sollen. Der Termin wurde aber von Seiten des Tierschutzvereins kurzfristig abgesagt. "Der Transport von Stelzvögeln ist nicht so einfach", sagt Anja Roth, die Erste Vorsitzende des Tierschutzvereins. Deshalb wurde für Dienstagabend ein neuer Termin vereinbart - dieses Mal in Form eines Hausbesuches.

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Eigentlich sind diese Tiere in südlicheren Gewässern heimisch. Am Freitagabend stand allerdings plötzlich ein Flamingo im Titisee.

Wie geht es mit dem Flamingo jetzt weiter?

Was mit dem Vogel passiere, hänge von der tierärztlichen Begutachtung ab, so Anja Roth. Bei einer unauffällig verlaufenden Untersuchung gebe es mehrere Möglichkeiten. Im Raum stehen neben einer Auswilderung auch die Unterbringung in einer Tierauffangstation oder in einem Tierpark. Der Vogelpark Steinen (Landkreis Lörrach) habe unter gewissen Voraussetzungen bereits sein Interesse an dem Flamingo signalisiert, sagt Roth.

Für sie ist klar: Der Vogel lebte zuvor in freier Wildbahn. "Es ist kein Tier, das vorher in Menschenhand war. Er ist nicht gechippt, hat keinen Ring und frisst auch kein Fertigfutter." Klar ist auch, dass es sich um ein Jungtier handelt, denn sein Gefieder ist noch grau - die charakteristische rosarote Farbe stellt sich erst ein, wenn der Flamingo ausgewachsen ist.

Woher kommt der Flamingo? Tierschützer sind uneins

Johannes Bockstaller, der beim Freiburger Tierschutzverein Dragon Shelter für tierische Notfälle zuständig ist, widerspricht Tierschützerin Roth. Sein Verein war bei der Sicherung des Flamingos am Titisee beteiligt. Im Anschluss habe der Vogel untypisches Verhalten gezeigt, sagt Bockstaller. "Der Flamingo trägt zwar keinen Ring und keinen Chip, aber er weiß zum Beispiel wie eine Tür funktioniert." Er habe beobachtet, wie der Vogel vor einer verschlossenen Tür mit dem Schnabel gegen die Tür geklopft habe. "Das ist kein typisches Verhalten für diese Tiere." Für Bockstaller steht fest: "Das Tier kommt vermutlich aus einer illegalen Haltung." Er hält eine Auswilderung des Vogels daher für den falschen Weg.

Das Veterinäramt des Kreises Breisgau-Hochschwarzwald teilt auf SWR-Nachfrage mit, dass es wegen fehlender Zuständigkeit nicht in den Fall involviert sei. Man sei um Rat gefragt worden und habe diesen gewährt. Für eine Auswilderung des Flamingos habe sich das Veterinäramt dabei nicht ausgesprochen, "denn man weiß ja gar nicht, ob das Tier aus der Wildnis stammt oder vielleicht doch aus einer Haltung. Das Tier ist nicht beringt, daher kann man darüber nur spekulieren", so das Amt.

Der Flamingo ist vorübergehend beim Tierschutzverein Markgräflerland zu Gast
Der junge Flamingo ist vorübergehend in Obhut des Tierschutzvereins Markgräflerland. Tierschutzverein Markgräflerland

Eine mögliche Auswilderung könne, bei einem positiven Tierarztbefund, in Grenznähe zu Deutschland erfolgen, glaubt dagegen Anja Roth vom Tierschutzverein Markgräflerland. Denn am Klingauer See im Schweizer Kanton Aargau sei vor einigen Tagen eine Flamingo-Kolonie gesichtet worden. Felix Tritschler, der Pressesprecher der Stadt Titisee-Neustadt, auf deren Gemarkung der Flamingo gefunden wurde, berichtet von einer anderen Gruppe Flamingos, die auf der französischen Rheinseite in der Nähe von Weil am Rhein gesichtet worden sei. Genauere Informationen habe die Stadtverwaltung dazu aber nicht.

Wer ist für Flamingos zuständig? Behörden fehlt die Orientierung

Das Regierungspräsidium Freiburg und das Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald teilen auf SWR-Nachfrage mit, dass sie für den Flamingo nicht zuständig seien. Auch die Polizei hatte beim Versuch, Fachleute in die Ermittlungen einzubinden, wenig Erfolg. Experten sollten die Beamten dabei unterstützen, herauszufinden, ob das Tier Hilfe brauche. Doch keiner sei zuständig gewesen, berichten die Einsatzkräfte.

Johannes Bockstaller sieht darin den Versuch, Zuständigkeiten abzuwälzen. "Das kennen wir nicht anders. Das ist bei jedem Reptil, das gefunden wird, auch so." Er hält zudem die Hinweise zu möglichen Flamingo-Kolonien für Hörensagen. "Niemand hat diese Informationen überprüft. Da ist keiner hingefahren und hat sich das vor Ort angeschaut." Überhaupt hält er es für unwahrscheinlich, dass das Tier eine Ausfuhrgenehmigung bekommen würde.

Titisee-Neustadt übernimmt die Verantwortung

Ein solcher Bescheid ist aber das Ziel der Stadt Titisee-Neustadt. Denn die hat nun die Zuständigkeit übernommen. "Wir werden jetzt beim Regierungspräsidium eine Auswilderungsgenehmigung beantragen", sagt Pressesprecher Felix Tritschler. Dadurch, dass der Flamingo in Titisee-Neustadt gefunden wurde, ist die Stadtverwaltung laut dem Bundesgesetzbuch für das Tier zuständig. Der Vogel gelte rechtlich als Fundtier. "Bei Hunden ist es auch so", weiß Tritschler.

Die Zuständigkeit sei aber in diesem Fall nur über Umwege an die Stadt gelangt, sagt Tritschler. "Normalerweise geht das direkter, aber ein Flamingo ist auch nichts Alltägliches." Beherbergen müsse die Kommune das Tier aber nicht. "Der Vogel ist bei dem Tierschutzverein in besseren Händen. Wir übernehmen aber die Kosten für den Tierarzt und die spätere Überführung."

Wie es mit dem Flamingo weiter geht, könnte nun also die tierärztliche Untersuchung am Dienstagabend klären. Dabei geht es auch um die Frage, ob das Tier möglicherweise gefährliche Krankheiten in sich trägt. Für die Tierschützer Anja Roth und Johannes Bockstaller bleibt bei dem Trubel um den Vogel aber vor allem der Schutz des Tieres wichtig.

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