Der Schwarzwald zieht immer mehr Touristen aus Südeuropa an – allen voran Spanier. Viele von ihnen bleiben zwar nur wenige Tage. Doch manche erkunden die Region auch eine ganze Woche lang. Sie spielen eine immer wichtigere Rolle.
Stadtführungen auf spanisch
Täglich um 12 Uhr steht Cardenio Vásquez Avilés vor dem Freiburger Münster. Hier startet seine Führung durch die Innenstadt. Das Besondere: Seine Touren sind nur auf spanisch. In den Sommermonaten seien seine Führungen gut gebucht, sagt er. Es ist ein Nischengeschäft, das sich offenbar immer mehr lohnt.
Deutlich mehr spanische Urlauber
Laut Zahlen des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg wird der Schwarzwald bei Südeuropäern immer beliebter. So ist seit 2015 die Zahl der spanischen Gäste um fast 80 Prozent gestiegen. Bei den Italienern gab es ein Plus von gut zehn Prozent. Insgesamt sorgten Spanier und Italiener im Jahr 2025 zusammen für fast 400.000 Übernachtungen. "Die Spanier und Italiener sind eine wichtige Zielgruppe. Die internationalen Gäste nehmen mittlerweile einen großen Teil ein. Inzwischen kommt fast jeder vierte Schwarzwald-Gast aus dem Ausland", sagt Christina Schanz. Sie kümmert sich bei der Schwarzwald Tourismus GmbH um internationale Gäste. Die meisten ausländischen Besucher kämen allerdings nach wie vor aus der Schweiz, Frankreich und den Benelux-Ländern.
Schwarzwälder Kirschtorte backen in Barcelona
Um neue Zielgruppen in anderen Ländern zu erschließen, lassen sich die Touristiker einiges einfallen. So gab es im vergangenen Jahr eine große Online-Kampagne speziell für Spanien. Bei Google, Facebook und anderen Internetseiten wurden Werbeanzeigen eingeblendet, die Lust auf den Schwarzwald machen sollten. Als Botschafterin diente eine mit künstlicher Intelligenz generierte Schwarzwaldmarie. Ende dieses Jahres wird Tourismus-Expertin Christina Schanz auf einer Veranstaltung in Barcelona live eine Schwarzwälder Kirschtorte backen "um da einfach den Schwarzwald ein bisschen nach Spanien zu transportieren".
Die Tourismus-Branche ist zufrieden mit dem Jahr 2024 Immer mehr Menschen aus Südeuropa kommen in den Schwarzwald
Der Schwarzwald boomt offenbar. Zumindest gab es im vergangenen Jahr so viele Übernachtungen wie noch nie. Die Touristiker sind zufrieden. Das wurde bei der Jahrestagung deutlich.
Schwarzwald für Spanier nur Zwischenstopp - im Schnitt zwei Übernachtungen
Auch auf einem Campingplatz am Stadtrand Freiburgs sind jetzt im Hochsommer immer wieder spanische Stimmen zu hören. Viele von ihnen, so erzählen sie im SWR-Interview, blieben nur wenige Tage hier. Meist ist ein Stop im "Tor zum Schwarzwald" nur Teil einer größeren Tour durch Deutschland. So wie bei dem jungen Pärchen Iker und Garazi. Sie sind gerade auf der Rückreise nach Spanien. "Wir haben eine Runde durchs Zentrum gedreht. Das Ambiente dort ist total schön, zum Beispiel die Leute, die ihre Füße in den Fluss hängen und dazu Gitarre spielen." Beide mögen die unbeschwerte Stimmung in der Universitätsstadt. Sie waren aber auch im Schwarzwald wandern.
Urlaub machen im kühlen Schwarzwald
Viele spanische Schwarzwald-Touristen sind auch auf der Suche nach Abkühlung in den Höhen des Schwarzwaldes. Camper José Antonio sagt zum Beispiel: "Der Hauptgrund, dass wir in den Norden gefahren sind, war die Hitze in der Heimat. Aber in den nächsten Tagen wird es hier ja genauso warm wie in Spanien." Auch Cristina hatte sich eigentlich etwas kühleres Wetter erhofft: "In Spanien ist es jetzt sehr heiß. Ich bin eigentlich hierher gekommen, um mich abzukühlen. Aber ich sehe schon, dass wir hier auch eine Hitzewelle haben werden."
Neuer Reisetrend: Sommerurlaub im Kühlen
Christina Schanz von der Schwarzwald Tourismus GmbH hat den Wunsch nach Sommerurlaub in kühleren Gefilden als wichtigen Reisetrend erkannt. "Dieses Thema wurde deshalb auch in der Werbekampagne für den spanischen Markt aufgegriffen", sagt sie. Inzwischen gibt es sogar ein eigenes Wort dafür: Coolcation, also eine Mischung aus den englischen Begriffen "cool" und "vacation". Angesichts des Klimawandels dürfte sich der Trend in den kommenden Jahren wohl noch verstärken.