Exakt viereinhalb Jahre dauert der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine nun. Im Schatten des Krieges feiert die Ukraine am Montag 35 Jahre Unabhängigkeit. Auch in Freiburg, das durch seine Städtepartnerschaft mit Lviv eng mit der Ukraine verbunden ist, fand am Montagabend eine Kundgebung auf dem Platz der Alten Synagoge statt, organisiert vom Verein Deutsch-Ukrainische Gesellschaft.
"Dieser Tag ist sehr wichtig für alle Ukrainer. Dieser Anlass ist ein Beweis dafür, dass wir eine freie, unabhängige Nation sind", sagt Oksana Vyhovska, Vorsitzende des Vereins. Man dürfe nicht vergessen, dass die Ukraine momentan nicht nur ihre eigene Unabhängigkeit verteidige, sondern auch für die Sicherheit in ganz Europa kämpfe.
Rund 55.000 Ukrainer arbeiten aktuell in Baden-Württemberg
Seit Kriegsbeginn sind mehr als eine Million Ukrainerinnen und Ukrainer nach Deutschland geflüchtet. In Baden-Württemberg leben laut dem Statistischen Landesamt mittlerweile etwa 190.000 Menschen aus der Ukraine.
Doch wie viele davon wurden bislang in den Arbeitsmarkt integriert? Laut der Bundesagentur für Arbeit gibt es in Baden-Württemberg inzwischen 54.700 Beschäftigte aus der Ukraine. Der Großteil davon ist sozialversicherungspflichtig beschäftigt, 7.800 ukrainische Arbeitskräfte sind geringfügig beschäftigt. 65.500 der in Baden-Württemberg lebenden Ukrainerinnen und Ukrainer, die erwerbsfähig sind, beziehen Bürgergeld.
Stadt Freiburg fördert Integrationskurse
In Freiburg leben aktuell rund 4.100 Menschen aus der Ukraine. Davon sind laut der Freiburger Agentur für Arbeit aktuell 2.880 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Zudem hat sich die Zahl der ukrainischen Auszubildenden im Bezirk Freiburg von Dezember 2022 bis Dezember 2025 mehr als versechsfacht - auf 250 Azubis. Gleichzeitig gehe die Zahl der arbeitslosen ukrainischen Arbeitskräfte seit Mitte 2024 kontinuierlich zurück, sagt Hanspeter Fakler von der Agentur für Arbeit Freiburg.
Wir legen sehr viel Wert darauf, Ukrainer mit Integrationskursen auf den Arbeitsmarkt in der Region vorzubereiten. Die Zahlen beweisen, dass die Integrationskurse ihre Wirkung entfalten.
Bei den Integrationskursen geht es vor allem um das Lernen der Sprache. Im Frühjahr hat der Bund die Finanzierung der Kurse größtenteils eingestellt und zahlt die freiwillige Teilnahme seitdem nicht mehr. Deshalb hat die Stadt Freiburg für die Sprachkurse in diesem Jahr 150.000 Euro bewilligt. "Wir haben noch keinen englischsprachigen Arbeitsmarkt wie in den Niederlanden oder in Skandinavien", sagt Fakler. Deshalb sei es "sehr förderlich", wenn zugezogene Menschen die deutsche Sprache beherrschen.
Sprachbarriere und nicht anerkannte Abschlüsse hindern Ukrainer am Arbeiten
Laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sind die Tätigkeiten der ukranischen Arbeitskräfte sehr geschlechterspezifisch. Frauen arbeiten demnach häufiger in Helfertätigkeiten, Männer häufiger in Fachkraftpositionen. Ein erheblicher Teil beider Geschlechter sei "in systemrelevanten und in Engpassberufen beschäftigt".
Aber nicht alle Menschen aus der Ukraine, die arbeiten könnten, tun dies auch. Die Gründe sind vielfältig, wie die Regionaldirektion Baden-Württemberg der Agentur für Arbeit schreibt: Neben nicht ausreichenden Deutschkenntnissen könne die fehlende Anerkennung von Berufsabschlüssen ukrainische Geflüchtete daran hindern, im deutschen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.
Ein weiterer Faktor: Ein Großteil der Menschen aus der Ukraine sind Frauen, von denen viele allein mit ihren Kindern nach Deutschland gekommen sind. Fehlende Kinderbetreuung könne den Einstieg in den Job erschweren. Auch eine fehlende Perspektive, etwa weil der Aufenthalt befristet ist, Traumata und gesundheitliche Probleme oder auch Rückkehrabsichten spielen laut der Regionaldirektion eine Rolle.