Im Rhein und vielen kleineren Flüssen ist das Wasser so warm und der Pegelstand so niedrig wie selten. Das hat direkte Folgen für Fische und andere Wasserorganismen. Hohe Temperaturen führen zu sinkenden Sauerstoffgehalten im Wasser, das ökologische Gleichgewicht ist stark gestört.
Niedrigwasser am Hochrhein auf Rekordniveau
Mehrere Messstellen am Hochrhein zeigen deutlich fallende Wasserstände. In Reckingen bei Hohentengen (Kreis Waldshut) ist der Pegel nach Angaben des Schweizer Bundesamts für Umwelt (BAFU) innerhalb einer Woche um rund zehn Zentimeter gesunken. Bei der Dreisam in Freiburg-Ebnet hat die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) bereits die Vorwarnungstufe für Niedrigwasser ausgerufen.
Am Oberrhein sind Pegelstände erreicht, wie sie üblicherweise erst im Herbst oder Winter vorkommen. Kurzfristige Regenfälle können den Wasserstand zwar etwas anheben, doch die Fachleute rechnen insgesamt mit einer Verschärfung der Situation.
Wassertemperaturen deutlich über dem Durchschnitt
Parallel zum Niedrigwasser steigen die Temperaturen im Rhein deutlich. Im schweizerischen Reckingen gegenüber vom deutschen Hohentengen im Kreis Waldshut kletterten die Messwerte innerhalb einer Woche von 23 auf 26,4 Grad Celsius. Seit 1970 werden dort Wassertemperaturen erfasst, im Juni lag der Durchschnitt bisher bei 16,8 Grad.
Ein ähnliches Bild weiter rheinabwärts: Für Rheinfelden (Kreis Lörrach) meldet das BAFU aktuell 25 Grad Celsius - mehr als zwei Grad Anstieg innerhalb einer Woche und klar über dem Mittel der letzten 30 Jahre. Solch hohe Werte treten inzwischen immer häufiger auf: Vor einem Jahr war das Wasser in Rheinfelden ebenfalls 25 Grad warm. Der bisher höchste dort gemessene Wert lag bei 26,3 Grad am 6. August 2018.
Damals hatte die Hitze dramatische Folgen: Im Rhein bei Schaffhausen mussten rund eine Tonne verendete Fische aus dem Wasser geholt werden. Das andere Extrem, sehr kaltes Wasser, ist dagegen selten geworden. Vor 30 Jahren wurden im August in Rheinfelden noch 14,8 Grad gemessen.
Lage für Fische und Ökosystem im Fluss wird schwieriger
Mit steigender Wassertemperatur sinkt der Sauerstoffgehalt im Wasser. Fische und andere Organismen geraten unter Stress, vor allem Arten, die kühle, sauerstoffreiche Gewässer brauchen. Besonders empfindlich reagieren Forellen, Äschen und Barben.
"17 Grad Celsius seien für die Forelle ideal", sagt Imelda Paulov vom Fischereiverein Bad Säckingen. Weil diese Bedingungen im Sommer inzwischen regelmäßig überschritten werden, setzt der Verein seit drei Jahren keine Jungforellen mehr in den Rhein ein. "Das wäre eine Qual für die Tiere, wenn wir das immer noch machen würden", so Paulov.
Das ökologische Gleichgewicht verschiebt sich: Der Wels, größter Raubfisch im Rhein, kommt mit Sauerstoffmangel deutlich besser zurecht als viele andere Arten und breitet sich weiter aus. Auch Karpfen sind bei warmem Wasser weniger bedroht.
Ob die aktuellen Temperaturen bereits zu einem Fischsterben geführt haben, ist schwer einzuschätzen. Nach Beobachtung von Imelda Paulov verzichten viele Angler bei der Hitze auf das Fischen. Dadurch fehlen belastbare Daten. Die Fische ziehen sich in kühlere Bereiche am Gewässergrund zurück und fressen kaum noch.
In den Vereinen werde darüber nachgedacht, an mehreren Stellen des Rheins künstliche "Kältepools" für die Fische einzurichten, um den Fischen Rückzugsräume mit niedrigeren Temperaturen zu geben. Mancherorts wird das bereits gemacht.
Droht im Rhein ein weiteres Fischsterben wegen der Hitze?
Im aktuellen Lagebericht der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg heißt es: "Besonders im Südosten Baden-Württembergs herrscht seit Monaten ein ausgeprägtes Niederschlagsdefizit, das sich inzwischen deutlich in den Abflussverhältnissen der Gewässer widerspiegelt."
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In den Kreisen Biberach, Ravensburg und im Bodenseekreis darf weiterhin kein Wasser aus Bächen und Flüssen entnommen werden. Obst - und Hopfenbauern macht das Sorgen.
Ohne anhaltende, großflächige Niederschläge geringer Intensität - den sogenannten Landregen - rechnen die Fachleute in den kommenden Wochen mit einer weiteren Verschärfung der Niedrigwasserlage. Die für die nächsten Tage erwarteten Regenschauer bringen laut dem jüngsten Lagebericht der LUBW vom Freitag nur eine kurzfristige Entspannung. Bleibt der Landregen aus, könnte sich die Situation für Fische und andere Wasserlebewesen weiter verschärfen.