Kampf gegen multiresistente Keime

Freiburg als Vorreiter: Uniklinik setzt bundesweit mit am wenigsten Antibiotika ein

Weniger ist mehr: Die Uniklinik Freiburg zeigt, wie Antibiotika sparsam und effektiv eingesetzt werden - ein wichtiger Schritt im Kampf gegen multiresistente Keime.

Teilen

Stand

Von Autor/in Lukas Herzog

Multiresistente Keime sind weiter auf dem Vormarsch. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sorgen sie jetzt schon für jährlich mehr als eine Million Tote. Auf das Problem möchte die Organisation mit einer aktuell laufenden Aktionswoche aufmerksam machen. Das Universitätsklinikum Freiburg ist schon einen Schritt weiter.

Antibiotika-Einsatz steigt bundesweit an

Die Freiburger Uniklinik gehört zu den drei Krankenhäusern in Deutschland, die am wenigsten Antibiotika einsetzen. Während der Antibiotikaverbrauch bundesweit seit 2023 um drei Prozent gestiegen ist, konnte man ihn in Freiburg um 1,7 Prozent senken.

Warum das im Kampf gegen multiresistente Keime wichtig ist, erklärt Siegbert Rieg, Leiter der Abteilung Infektiologie am Universitätsklinikum Freiburg: "Jede unnötige oder falsch dosierte Gabe fördert Resistenzen", so der Experte.

Expertise vor Ort reduziert Antibiotika-Nutzung

Um dies zu verhindern, setzt die Klinik auf gezielte Maßnahmen: In rund 3.000 Fällen pro Jahr beraten Expertinnen und Experten die behandelnden Ärztinnen und Ärzte bei Fällen auf den Stationen. So werden Dosierung und Dauer der Antibiotika-Einnahme verbessert.

Ein Mann in weißem Arztkittel.
Siegbert Rieg leitet die Infektiologie an der Uniklinik Freiburg. Er setzt sich für einen bewussten Antibiotika-Umgang ein.

Zusätzlich bietet die Klinik regelmäßig Schulungen für medizinisches Personal an. Diese Fortbildungen sind ein wichtiger Baustein, um den bewussten Umgang mit Antibiotika zu fördern. Mehr Expertise vor Ort reduziere den Einsatz von Antibiotika und verbessere gleichzeitig die Behandlung, meint Rieg.

Antibiotika sind ein medizinischer Schatz, und wir verlieren ihn, wenn wir sie unbedacht einsetzen.

Medizin Antibiotikaresistenz: Stehen wir vor einer Krise, wenn Medikamente versagen?

Die Antibiotikaresistenz steigt. Neue Modellberechnungen zeigen: Bis 2050 könnten mehr als 39 Millionen Menschen an resistenten Keimen sterben.

Politik gefordert: Antibiotika-Expertise an allen Kliniken

So wie am Universitätsklinikum Freiburg sieht es aber nicht überall aus, sagt Internist und Infektiologe Rieg. Etwa 85 Prozent aller Patientinnen und Patienten werden in nicht-universitären Kliniken behandelt. Gerade dort aber fehle es oft an Expertise. Rieg fordert die Politik deshalb auf, Strukturen wie an seinem Klinikum zum Standard zu machen.

Das Universitätsklinikum selbst will ebenfalls seinen Beitrag leisten. Umliegende Kliniken in Südbaden können sich an das Klinikum wenden und beraten lassen. Der Großteil aller Antibiotika wird aber in Hausarztpraxen verschrieben. Auch für diese fordert Rieg mehr Schulungen.

Anwendung, Wirkung, Risiken Antibiotika richtig einnehmen: Darauf kommt es an

Antibiotika sollen in der Infektionszeit für schnelle Abhilfe sorgen. Doch eine falsche Einnahme kann gefährliche Folgen haben. Worauf sollte man achten und gibt es Alternativen?

Doc Fischer SWR

Was können die Patienten tun?

Neben Ärztinnen und Ärzten könnten aber auch Patientinnen und Patienten einen Beitrag leisten, meint Rieg. Etwa, indem man nicht immer gleich Antibiotika fordere. Sie wirken nämlich nur bei bakteriellen Erkrankungen, nicht aber bei Viruserkrankungen. Außerdem sollte man Antibiotika genauso einnehmen, wie es der Arzt oder die Ärztin verordnet hat.

Zuletzt könnten laut Rieg auch Impfungen gegen Influenza, Covid oder das respiratorische Synzytial-Virus (RSV) den Verbrauch von Antibiotika reduzieren. Auch wenn es sich dabei um Viruserkrankungen handelt, oft setzten sich Bakterien auf diese Infektionen. Die Impfung verhindere eine Infektion und somit auch einen Einsatz von Antibiotika gegen diese Bakterien.

Freiburg

Kampagne nach Umfrage an BW-Krankenhäusern Uniklinik Freiburg: Über tausend Beschäftigte berichten von sexualisierter Belästigung

Tausende Beschäftigte erlebten laut einer Umfrage an den Unikliniken in BW sexualisierte Belästigung. In Freiburg sind es drei Viertel der Befragten. Dagegen soll eine Kampagne helfen.

Freiburg

Gefahr durch falschen Wirkstoff Nach Vergiftung: Uniklinik Freiburg warnt vor Tabletten aus dem Internet

Tabletten, die online bestellt werden, können gefährlich sein - und sogar lebensbedrohlich werden. Die Uniklinik Freiburg warnt vor falsch deklarierten Tabletten aus dem Internet.

SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR BW

Freiburg

Wirkstoff gegen voranschreitende Demenz Bei Alzheimer im Frühstadium: Neue Behandlung an der Uniklinik Freiburg

Für Menschen mit Alzheimer gibt es in Freiburg eine neue Behandlungsmethode. Damit kann der geistige Abbau verlangsamt werden. Die Therapie ist jedoch nicht für alle Erkrankten geeignet.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Lukas Herzog
Lukas Herzog

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!