Multiresistente Keime sind weiter auf dem Vormarsch. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sorgen sie jetzt schon für jährlich mehr als eine Million Tote. Auf das Problem möchte die Organisation mit einer aktuell laufenden Aktionswoche aufmerksam machen. Das Universitätsklinikum Freiburg ist schon einen Schritt weiter.
Antibiotika-Einsatz steigt bundesweit an
Die Freiburger Uniklinik gehört zu den drei Krankenhäusern in Deutschland, die am wenigsten Antibiotika einsetzen. Während der Antibiotikaverbrauch bundesweit seit 2023 um drei Prozent gestiegen ist, konnte man ihn in Freiburg um 1,7 Prozent senken.
Warum das im Kampf gegen multiresistente Keime wichtig ist, erklärt Siegbert Rieg, Leiter der Abteilung Infektiologie am Universitätsklinikum Freiburg: "Jede unnötige oder falsch dosierte Gabe fördert Resistenzen", so der Experte.
Expertise vor Ort reduziert Antibiotika-Nutzung
Um dies zu verhindern, setzt die Klinik auf gezielte Maßnahmen: In rund 3.000 Fällen pro Jahr beraten Expertinnen und Experten die behandelnden Ärztinnen und Ärzte bei Fällen auf den Stationen. So werden Dosierung und Dauer der Antibiotika-Einnahme verbessert.
Zusätzlich bietet die Klinik regelmäßig Schulungen für medizinisches Personal an. Diese Fortbildungen sind ein wichtiger Baustein, um den bewussten Umgang mit Antibiotika zu fördern. Mehr Expertise vor Ort reduziere den Einsatz von Antibiotika und verbessere gleichzeitig die Behandlung, meint Rieg.
Antibiotika sind ein medizinischer Schatz, und wir verlieren ihn, wenn wir sie unbedacht einsetzen.
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Politik gefordert: Antibiotika-Expertise an allen Kliniken
So wie am Universitätsklinikum Freiburg sieht es aber nicht überall aus, sagt Internist und Infektiologe Rieg. Etwa 85 Prozent aller Patientinnen und Patienten werden in nicht-universitären Kliniken behandelt. Gerade dort aber fehle es oft an Expertise. Rieg fordert die Politik deshalb auf, Strukturen wie an seinem Klinikum zum Standard zu machen.
Das Universitätsklinikum selbst will ebenfalls seinen Beitrag leisten. Umliegende Kliniken in Südbaden können sich an das Klinikum wenden und beraten lassen. Der Großteil aller Antibiotika wird aber in Hausarztpraxen verschrieben. Auch für diese fordert Rieg mehr Schulungen.
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Was können die Patienten tun?
Neben Ärztinnen und Ärzten könnten aber auch Patientinnen und Patienten einen Beitrag leisten, meint Rieg. Etwa, indem man nicht immer gleich Antibiotika fordere. Sie wirken nämlich nur bei bakteriellen Erkrankungen, nicht aber bei Viruserkrankungen. Außerdem sollte man Antibiotika genauso einnehmen, wie es der Arzt oder die Ärztin verordnet hat.
Zuletzt könnten laut Rieg auch Impfungen gegen Influenza, Covid oder das respiratorische Synzytial-Virus (RSV) den Verbrauch von Antibiotika reduzieren. Auch wenn es sich dabei um Viruserkrankungen handelt, oft setzten sich Bakterien auf diese Infektionen. Die Impfung verhindere eine Infektion und somit auch einen Einsatz von Antibiotika gegen diese Bakterien.