Es ist sieben Uhr morgens in Maulburg, einem Vorort von Lörrach im Südwesten Baden-Württembergs. Noch im Morgengrauen startet Eugen Chiorean mit seinem Auto zur Arbeit. Der Weg führt ihn in die Nähe von Basel in der Schweiz. Seit 18 Jahren ist er Grenzgänger, arbeitet in einem Unternehmen, das Messgeräte für die Industrie herstellt. Den fast täglichen Grenzübertritt nehme er gar nicht mehr bewusst wahr, sagt der 43-Jährige: "Ich bin im Dreiländereck groß geworden. Man sieht hier auf der Straße permanent schweizerische oder französische Autos. Das gehört eigentlich zum Alltag dazu."
Bus- und Bahnverbindungen: Die Schweiz als Vorbild
In der Regel pendelt er vier Mal pro Woche in die Schweiz. Von dem Nachbarland könnte sich Deutschland so manches abgucken, findet er - zum Beispiel beim Bus- und Bahnverkehr. Der sei in der Schweiz besser organisiert, sagt Chiorean. "Die S-Bahn, die hier in Deutschland gerade an uns vorbeifährt, wird von der Schweizerischen Bundesbahn betrieben. Das sagt wahrscheinlich einiges aus, dass hier der Öffentliche Nahverkehr zu unattraktiv geworden ist und die Schweizerischen Bundesbahnen das scheinbar effizient koordinieren." Früher sei auch er mit der Bahn zur Arbeit gependelt. Doch als zweifacher Familienvater würde ihn das heute zu viel Zeit kosten. Mit dem Auto sei er deutlich schneller und umstiegsfrei unterwegs.
Handlungsbedarf sieht er auch beim Thema Bildung
Aus Chioreans Sicht sollte auch ein anderes Thema von der neuen Landesregierung angepackt werden: Bildung.
Mir wäre wichtig, dass die Kinder wieder mehr in den Vordergrund rücken und weniger die Finanzen.
Er habe mit seinen Kindern selbst schon einiges erlebt und denke, "dass da Luft nach oben ist, sowohl im Vergleich zur Schweiz als auch im Vergleich zu einigen Bundesländern."
Grenzgänger Philipp Buser hat sich ganz bewusst für die Schweiz entschieden
Nach gut einer halben Stunde Fahrzeit ist Basel erreicht. Die drittgrößte Stadt der Schweiz ist auf die Grenzpendlerinnen und -pendler aus Deutschland und Frankreich angewiesen. Etwa jeder sechste Beschäftigte hier kommt aus dem Ausland. Unter ihnen ist auch Philipp Buser. Der 40-jährige Lörracher arbeitet als Ingenieur in der Luftfahrtbranche. Er hat sich gleich nach seiner Ausbildung einen Job in der Schweiz gesucht – ganz bewusst, wie er sagt, "da die Bezahlung besser war. Die Lebensunterhaltskosten sind in Deutschland niedriger. Dadurch kann man einige Sachen ausgleichen."
Nach Feierabend geht es für ihn über die Autobahn zurück nach Deutschland. Am Grenzübergang gibt es auch heute wieder Stau - wie fast jeden Tag. Anstrengend sei das, ärgert sich Philipp Buser. Die Bundespolizei würde es im Moment auf die Spitze treiben: "Wenn man jedes zweite oder jedes dritte Auto mit lokalem Kennzeichen anhält, frage ich mich schon, ob das sein muss." Manchmal benötige er über eine Stunde für den Heimweg. Dabei sei der Weg ohne Stau auch in einer halben Stunde zu schaffen.
Das teure Leben in Grenznähe
Ein ganz anderes Problem treibt Heide Kolb um. Sie ist alleinerziehend, wohnt in Lörrach und arbeitet als Sozialarbeiterin seit knapp einem Jahr in der Schweiz. Der Grund: Mit einem Job im sozialen Bereich komme sie in Deutschland finanziell nicht mehr über die Runden.
In der Schweiz verdiene ich für die gleiche Arbeit mehr als das Doppelte. Das ist so traurig.
Die Nähe zu dem wohlhabenden Land ist für sie deshalb Segen und Fluch zugleich. Denn auch in Lörrach sei das Leben vergleichsweise teuer: "Die Lebenshaltungskosten sind sehr hoch. Allein das Tanken - ich denke, dass das schon mit der Grenznähe zu tun hat." Auch die Mieten seien vergleichbar mit denen in Basel und Umgebung.
Ein weiterer Wunsch: Es müsse viel mehr für Kinder und Jugendliche gemacht werden. Als Mitarbeiterin an einer Grundschule habe Heide Kolb vieles erlebt, was aus ihrer Sicht nicht in Ordnung sei. "Da haben sich die Kinder teilweise nicht auf die Toilette getraut, weil die schon vor der Tür so widerlich gestunken hat", beschreibt sie die Zustände.
Grundsätzlich zufrieden in Deutschland
Was die drei Grenzgänger dennoch vereint: Trotz der Umstände, die ihre Arbeit im Ausland mitunter macht, leben sie gerne in Baden-Württemberg. In die Schweiz auszuwandern - das sagen sie deutlich - komme für sie nicht in Frage.