Bürgerinnen und Bürger in Baden-Württemberg können am 8. März 2026 einen neuen Landtag wählen. Momentan wird das Land von einer Koalition aus Grünen und CDU regiert. An der Spitze steht Winfried Kretschmann. Der 77-Jährige ist seit 2011 Regierungschef, der erste und bislang einzige mit einem grünen Parteibuch bundesweit. Doch Kretschmann tritt nicht mehr an, in Baden-Württemberg wird eine Ära zu Ende gehen.
Wer wird sein Nachfolger? Zwei Spitzenkandidaten haben die größten Chancen, Kretschmann zu beerben: Cem Özdemir von den Grünen und Manuel Hagel von der CDU. Eine Koalition mit der AfD und ihrem Spitzenkandidaten Markus Frohnmaier wird derzeit von allen Parteien ausgeschlossen, die im Landtag sitzen. Wird es einen Regierungswechsel geben?
Wir beantworten hier alle wichtigen Fragen zur Wahl:
- Warum wird am 8. März 2026 gewählt?
- Neues Wahlrecht: zwei Stimmen und 16-Jährige dürfen wählen
- Wer sind die Spitzenkandidaten der Parteien?
- Welche Parteien und Wahlkreiskandidaten treten an?
- Ab wann kann Briefwahl beantragt werden?
- Wie kann ich Wahlhelfer werden?
- Ab wann gibt es den Wahl-O-Mat?
- Wie funktioniert barrierefreies Wählen?
- Wie sicher ist die BW-Landtagswahl?
- Aktuelle Umfrage: So schneiden die Parteien im BW-Trend ab
Warum findet die Landtagswahl in BW am 8. März 2026 statt?
Die Landtage der sechzehn Bundesländer werden überwiegend alle fünf Jahre neu gewählt. Nur bei der Bremischen Bürgerschaft beträgt der Turnus vier Jahre. Ebenso wie bei der Wahl des Bundestags, dort dauert eine Legislatur auch vier Jahre.
In Baden-Württemberg wurden die Bürgerinnen und Bürger zuletzt am 14. März 2021 zur Wahlurne gerufen. Die Termine setzt die Landesregierung laut Landtagswahlgesetz fest. Die grün-schwarze Koalition hat den 8. März 2026 bestimmt, dann wird der 18. Landtag von Baden-Württemberg gewählt. Laut dem Wahlgesetz muss der Landtag mindestens 120 Sitze haben. Aufgrund von Überhang- und Ausgleichsmandaten hat er momentan mehr als 150 Abgeordnete.
Nach Baden-Württemberg gibt es 2026 weitere Wahlen - und zwar in Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern.
Infos, Termine, Hintergründe, Ergebnisse Landtagswahl 2026: Baden-Württemberg wählt
Die Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg: Aktuelle Umfragen, Informationen zu Kandidaten, wichtigen Themen, Hintergründe und Ergebnisse.
Neues Wahlrecht: Zwei Stimmen und 16-Jährige dürfen wählen
Die Bundesländer haben teilweise unterschiedliche Wahlsysteme. Zuletzt galt im Saarland und in Baden-Württemberg das Ein-Stimmen-System. In Baden-Württemberg wurde allerdings im Jahr 2022 eine Reform des Wahlrechts beschlossen - mit zwei wesentlichen Änderungen.
Bislang hatte jeder Wahlberechtigte in Baden-Württemberg eine Stimme. Mit dieser Stimme wählte man den Wahlkreiskandidaten und gleichzeitig dessen Partei. Jetzt hat jeder Wahlberechtigte zwei Stimmen - genau wie bei der Bundestagswahl: Mit der Erststimme wird eine Kandidatin oder ein Kandidat im Wahlkreis gewählt, mit der Zweitstimme eine Partei.
Der Unterschied zur Bundestagswahl: Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg ziehen die Wahlkreisgewinner sicher in das Parlament ein. Das war bei der Bundestagswahl im Februar 2025 aufgrund des geänderten Bundes-Wahlrechts nicht mehr automatisch der Fall.
Für die Erststimme bei der Landtagswahl stellen die Parteien in den 70 Wahlkreisen Kandidatinnen und Kandidaten auf. Für die Zweitstimme hat jede Partei eine eigene Landesliste aufgestellt mit weiteren Kandidierenden. Oft stehen auf der Liste die Kandidaten, die auch in einem Wahlkreis ins Rennen gehen.
Der Landtag setzt sich aus mindestens 120 Abgeordneten zusammen: 70 davon kommen aus den Wahlkreisen, mindestens 50 Abgeordnete über die Stimmen für die Parteien.
Zwei Stimmen statt einer Neues Wahlrecht bei der Landtagswahl BW 2026: Was sich ändert
Bei der Landtagswahl im März greift ein neues Wahlrecht. Das Ziel: Mehr Frauen ins Parlament bringen, mehr junge Leute an die Wahlurne. So soll es klappen.
Rechenbeispiele zur Erst- und Zweitstimme:
Wenn eine Partei mehr Erststimmen als Zweitstimmen bekommt:
- Gewinnt eine Partei mit der Erststimme 50 Wahlkreis-Sitze, mit der Zweitstimme aber nur 30 Partei-Sitze, dann behält sie die zusätzlichen 20 Sitze. Sie werden "Überhangmandate" genannt. Weil durch sie die Zahl der Sitze im Landtag insgesamt steigt und das Wahlergebnis fair abgebildet werden muss, bekommen die anderen Parteien im Gegenzug dafür prozentual "Ausgleichsmandate". Überhang- und Ausgleichsmandate gab es auch bisher. Hier kamen unterlegene Wahlkreiskandidaten zum Zug.
Wenn eine Partei mehr Zweitstimmen als Erststimmen bekommt:
- Es kann auch sein, dass eine Partei mit der Erststimme fünf Wahlkreis-Sitze gewinnt, mit der Zweitstimme aber acht Partei-Sitze - also drei mehr. Dann werden diese drei Sitze auch mit Kandidierenden auf den neuen Landeslisten der Parteien "aufgefüllt". Bislang wurden sie ausschließlich an unterlegene Wahlkreiskandidaten vergeben.
Eine zweite wichtige Neuerung beim Wahlrecht in Baden-Württemberg ist: Junge Leute dürfen schon ab 16 Jahren wählen, die Altersgrenze lag bisher bei 18. Die Stimme abgeben darf außerdem, wer seit mindestens drei Monaten seinen Hauptwohnsitz in Baden-Württemberg hat - und wer im Wählerverzeichnis der Heimatgemeinde aufgeführt ist.
Wer sind die Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2026 in BW?
Alle fünf im aktuellen Landtag vertretenen Parteien haben ihre Spitzenkandidaten bereits gewählt. Für die Grünen geht der frühere Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir ins Rennen, für die CDU der Landes- und Fraktionschef Manuel Hagel. Die SPD wählte ihren Landes- und Fraktionschef Andreas Stoch auf den ersten Listenplatz, die FDP ihren Landes- und Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke. Die AfD kürte ihren Landeschef Markus Frohnmaier zum Spitzenkandidaten für das Ministerpräsidentenamt. Die Partei Die Linke, die keine Mandate im Landtag hat, tritt mit drei Spitzenkandidatinnen an: Kim Sophie Bohnen, Amelie Vollmer und Mersedeh Ghazaei.
Welche Parteien und Wahlkreiskandidaten treten an?
Wie schon bei der letzten Landtagswahl vor fünf Jahren werden auch dieses Mal 21 Parteien antreten. Der Landeswahlausschuss hat von jeder dieser Parteien die eingereichte Landesliste mit Kandidierenden zugelassen. Die Listen mit den Bewerbern findet man bei der Landeszentrale für politische Bildung.
Auf den Wahlzetteln werden zuerst die fünf derzeit im Landtag vertretenen Parteien genannt. Die Reihenfolge richtet sich nach dem Ergebnis der Landtagswahl 2021. Dann folgen 16 weitere Parteien.
In den 70 Wahlkreisen bewerben sich Kandidatinnen und Kandidaten von insgesamt 18 Parteien um ein Direktmandat. Ihre Namen wurden offiziell veröffentlicht. Hier gibt es eine Übersicht mit allen Wahlkreisen und Namen. Viele Kandidatinnen und Kandidaten sieht man auch auf Wahlplakaten in ihren Wahlkreisen.
Nicht jede Partei, die auf den Wahlzetteln steht, hat auch in jedem Wahlkreis Kandidatinnen und Kandidaten. Vor allem die Kleinstparteien treten häufig nur mit Landeslisten, in einzelnen Wahlkreisen oder als Einzelbewerber an.
21 Landeslisten Landtagswahl 2026: Diese Parteien stehen in Baden-Württemberg zur Wahl
Am 8. März stellen sich in Baden-Württemberg 21 Parteien dem Votum der Bürgerinnen und Bürger. Viele der kleineren Parteien setzen sich häufig für ein konkretes Thema ein.
Landtagswahl BW: Ab wann kann Briefwahl beantragt werden?
Wer wahlberechtigt ist, kann die Briefwahlunterlagen bei der Gemeinde, in der er oder sie wohnt, beantragen - das geht per Post, Mail oder oft online. Man kann aber auch Briefwahl über die Wahlbenachrichtigung beantragen. Diese wurde bereits von den Gemeinden automatisch an alle Wahlberechtigten verschickt und enthält Informationen zur Briefwahl.
Die dritte Option ist, die Unterlagen persönlich in einem Wahlbüro abzuholen, sie dort direkt vor Ort auszufüllen oder die zugeschickten Unterlagen abzugeben. Jede der 1.101 Kommunen in Baden-Württemberg stellt laut der Landeswahlleiterin ein solches Wahlbüro zur Verfügung, viele erst ein paar Wochen vor dem Urnengang. Größere Städte wie Mannheim haben eine zentrale Stelle für Bürgerinnen und Bürger zu Fragen rund um Wahlen auf unterschiedlichen Ebenen.
Briefwahlunterlagen werden von den Gemeinden ab Ende Januar/Anfang Februar verschickt. Anträge können bis zum Freitag, 6. März um 15 Uhr gestellt werden.
Wer seine Unterlagen per Post zurücksenden will, dem empfiehlt die Landeswahlleiterin spätestens den Mittwoch vor der Wahl, also am 4. März. Alternativ können die roten Wahlbriefe auch bei der angegebenen Adresse, zum Beispiel im Rathaus, abgegeben werden. Generell gilt: Die Unterlagen müssen am Wahlsonntag bis 18 Uhr eingegangen sein.
Wie kann ich Wahlhelfer für die Landtagswahl in BW werden?
Jeder und jede Wahlberechtigte kann sich dafür zur Verfügung stellen - genauso wie bei der Bundestagswahl. Wer Interesse hat, kann sich einfach bei seiner Gemeinde melden. Wenn sich nicht genügend Freiwillige finden, kann die Gemeinde auch Wahlberechtigte direkt anschreiben und sie dazu verpflichten, das Ehrenamt zu übernehmen. Es kann nur aus bestimmten Gründen, etwa Krankheit oder dringenden beruflichen Gründen, abgelehnt werden.
In Baden-Württemberg werden bei Parlamentswahlen rund 80.000 Wahlhelferinnen und Wahlhelfer gebraucht. Sie überprüfen in den Lokalen der insgesamt 1.001 Kommunen die Wahlberechtigungen, geben die Stimmzettel aus und zählen das Ergebnis aus, auch von Briefwählern.
Ehrenamt für die BW-Landtagswahl im März Wahlhelfer bei der Landtagswahl 2026: Was dahinter steckt und wie man davon profitieren kann
Für die Landtagswahl 2026 werden in Baden-Württemberg wieder rund 80.000 Wahlhelfer gebraucht. Aber wie kommt man an dieses Amt - und was steckt dahinter?
Ab wann gibt es den Wahl-O-Mat für die Landtagswahl?
Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) hat am 9. Februar den Wahl-O-Mat für die Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg veröffentlicht. Wichtigster Bestandteil des Wahl-O-Maten sind politische Thesen. Diese wurden vor allem von einer Redaktion aus Jung- und Erstwählern im November erstellt. Auf unserer Wahl-O-Mat-Seite können Sie das Tool nutzen.
Wahl am 8. März Wahl-O-Mat für die Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg
Am Sonntag wird in Baden-Württemberg ein neuer Landtag gewählt. Die Bundeszentrale für politische Bildung hat dafür wieder einen Wahl-O-Mat erstellt. Alles Wichtige im Überblick.
Wie funktioniert barrierefreies Wählen?
Wahlberechtigte mit Behinderung sollen bei Wahlen die Möglichkeit haben, selbstbestimmt von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Das kann zum Beispiel ein barrierefreier Zugang zum Wahlraum sein. Sollte der auf der Wahlbenachrichtigung angegebene Raum nicht barrierefrei erreichbar sein, kann man einen Wahlschein beantragen und damit in einem anderen Wahlraum in der Nähe oder per Briefwahl wählen.
Ein Mensch mit Sehbehinderung wiederum muss erkennen können, wer zur Wahl steht, sagt Ralf Müller vom Blinden- und Sehbehindertenverband Baden-Württemberg dem SWR. In der Regel schicke das Landratsamt die Wahlunterlagen zu - in einer Wahlschablone mit Braille-Schrift, der Schrift für Blinde.
Wer keine Briefwahl machen will, kann im Wahllokal wählen. Hier nähmen sehbehinderte Menschen oft eine Person ihres Vertrauens zur Unterstützung mit. Doch trotz der Hilfe - am Ende sollte der Wahlberechtigte alleine in der Kabine stehen, so Müller. Das habe mit geheimer, demokratischer und sicherer Wahl zu tun.
Wie sicher ist die BW-Landtagswahl?
Einflussnahme im Internet, Manipulation von Wahlzetteln: Es gibt zahlreiche Möglichkeiten des Wahlbetrugs. Das Wahlrecht schreibt laut der Landeswahlleiterin einige Maßnahmen vor, um die Wahl vor Betrug zu schützen:
- Die Wahl ist öffentlich und die spätere Auszählung kann von Interessierten beobachtet und damit auch nachvollzogen werden.
- Zur Urnenwahl zugelassen wird nur, wer seine Wahlbenachrichtigung im Wahllokal abgibt. Die wurde von der Gemeinde wenige Wochen vor der Wahl zugeschickt.
- Nachdem ein Wahlberechtigter seine Stimme abgegeben hat, wird dies entsprechend im Wählerverzeichnis vermerkt. Damit wird eine mehrfache Stimmabgabe verhindert.
- Nach Einschätzung der Landeswahlleiterin könnte es zu Versuchen der Einflussnahme und zur Verbreitung von Desinformation durch extremistische Akteure kommen. Beides sei bei vergangenen Landtagswahlen in Deutschland bereits beobachtet worden. Bezogen auf die Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg lägen dem Landesamt für Verfassungsschutz aktuell keine entsprechenden Hinweise vor.
Bildung, Polizei, Klimaschutz Wählen bei der BW-Landtagswahl: Was kann meine Stimme bewirken?
Wer eine Partei wählt, verfolgt damit eigene Interessen. Doch wie viel Einfluss hat ein Einzelner? Und worüber kann der BW-Landtag überhaupt entscheiden?
Aktuelle Umfrage: So schneiden die Parteien im BW-Trend ab
Den letzten BW-Trend hat es am 26. Februar gegeben. Dabei lagen CDU und Grüne fast gleichauf: Die CDU verlor im Vergleich zum Januar einen Prozentpunkt und kommt auf 28 Prozent. Die Grünen konnten vier Prozentpunkte dazugewinnen und kommen somit auf 27 Prozent. Die AfD verliert und folgt dahinter mit 18 Prozent (minus 2 Punkte). Für die SPD geht es auf 7 Prozent (minus 1 Punkt) - das ist der tiefste jemals gemessene Wert für die Sozialdemokraten. FDP (6 Prozent, plus ein Punkt) und Linke (5,5 Prozent, minus 1,5 Punkte) können sich Hoffnungen auf den Einzug in den Landtag machen. Der BW-Trend ist eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap, die ARD/SWR beauftragt haben.