Gegen die Personalnot und den Fachkärftemangel in Kindergärten sollen indische Erzieherinnen und Erzieher helfen. Gemeinsam mit einer Delegation aus Wirtschaft und Handwerk reist die Oberbürgermeisterin von Weil am Rhein (Kreis Lörrach), Diana Stöcker (CDU), am Sonntag nach Indien. Vor Ort möchte sie indische Erzieherinnen und Erzieher für die Region gewinnen. Auch für andere Städte könnte das Modell Vorbildcharakter haben.
Fachkräftemangel in Kindergärten als akutes Problem
Der Personalmangel in Kindergärten und Kitas ist ein drängendes Problem, das auch die Stadt Weil am Rhein stark betrifft. Für Eltern bedeutet das oft, dass sie keine ausreichende Betreuung für ihre Kinder finden. Häufig kommt es in Kindergärten zu krankheitsbedingten Ausfällen, weswegen Gruppen geschlossen werden und Eltern die Betreuung spontan selbst organisieren müssen. Andere müssen ihren Beruf aufgeben, um die Betreuung der Kinder selbst zu übernehmen, weil sie keinen Platz bekommen.
Zusätzlich zu den bestehenden Problemen kommt, dass sich immer weniger Menschen zu Erzieherinnen und Erziehern ausbilden lassen wollen. "Wir haben Schwierigkeiten, Nachwuchs zu kriegen. Wir würden gerne ausbilden, aber es gibt nur sehr wenige, die sich zur Ausbildung bewerben oder die Ausbildung beginnen können", schildert Sandra Trefzer, Leiterin der Kita "Haus der kleinen Stühle" in Weil am Rhein, die angespannte Situation.
Erster Erfolg: Metzger aus Indien in Weil am Rhein
Die Idee, Fachkräfte aus Indien zu gewinnen, ist nicht neu für Weil am Rhein. Bereits seit Jahren bildet der örtliche Metzgermeister Joachim Lederer, Innungsmeister des Fleischerhandwerks in Baden-Württemberg, erfolgreich Metzger aus Indien aus. Nun soll dieses Konzept auf den Bereich der frühkindlichen Bildung übertragen werden.
Oberbürgermeisterin Diana Stöcker zeigt sich von dem Ansatz überzeugt: "Wir haben einen tollen Metzgerinnungsmeister, der das Projekt schon seit mehreren Jahren betreibt. Ich habe die jungen Menschen gesehen, war begeistert davon und habe gesagt, ich will das auch als Modell für unsere Kitas."
Indische Erzieherinnen und Erzieher: Ein Blick in die Zukunft
Die Reise der Delegation nach Indien dient dazu, die zukünftigen Fachkräfte vor Ort kennenzulernen und Vertrauen aufzubauen. Stöcker betont die Bedeutung des persönlichen Kontakts: "Ich finde es ganz wichtig, dass die Menschen uns vor Ort in Indien kennenlernen, damit sie wissen, wer ihre Partner sind. Sie schenken uns ja auch Vertrauen, weil sie ihre jungen Menschen an uns geben. Wir sind dann auch weiterhin ein Stück Ersatzfamilie."
Schon im Herbst 2026 werden die ersten beiden von insgesamt elf indischen Erzieherinnen und Erziehern in Weil am Rhein ihre Ausbildung beginnen. Die beiden Kandidaten sprechen bereits gut Deutsch. Weitere neun Fachkräfte werden in anderen Städten im Kreis Lörrach, darunter Eimeldingen, Binzen und Grenzach-Wyhlen, in kommunalen und kirchlichen Kindergärten ausgebildet.
Ein Modellprojekt mit Signalwirkung
Die Initiative aus Weil am Rhein könnte Vorbildcharakter für andere Städte und Gemeinden haben, die ebenfalls mit einem Fachkräftemangel in Kindergärten kämpfen. Der Ansatz zeigt, wie internationale Zusammenarbeit helfen kann, lokale Probleme zu lösen.
Ob das Modell langfristig erfolgreich sein wird, bleibt abzuwarten. Doch die ersten Schritte sind getan. Die Stadt zeigt sich optimistisch, dass die neuen Erzieherinnen und Erzieher aus Indien nicht nur das Personalproblem entschärfen, sondern auch eine kulturelle Bereicherung für die Region darstellen.