Der Affenberg Salem (Bodenseekreis) feiert Jubiläum: Vor 50 Jahren, 1976, öffnete auf dem Mendlishauser Hof das bis heute größte Affenfreigehege Deutschlands. Hauptattraktion des über 20 Hektar großen Waldstückes sind knapp 200 Berberaffen, die sich dort frei bewegen, sowie eine große Storchenkolonie.
Was 1976 wie eine Schnapsidee erschien - wildlebende Affen in einem deutschen Wald zu halten - gilt heute als eine der bedeutendsten touristischen Attraktionen am Bodensee. Gefeiert wird das Jubiläumsjahr mit zahlreichen Aktionen und neuen Attraktionen.
Gründungsgeschichte und Idee hinter dem Affenberg
Gegründet wurde der Affenberg von Baron Gilbert de Turckheim und Jacques Renaud. Die beiden Franzosen hatten zuvor bereits zwei Tierparks mit Berberaffen in Frankreich eröffnet. Sie wollten Tiere zeigen, die sich frei bewegen - ohne Gitter zwischen ihnen und den Besucherinnen und Besuchern. Aus diesen beiden Parks in Frankreich stammten die ersten 164 Berberaffen, die 1976 nach Salem kamen.
Das Gelände in Salem erschien den Franzosen aufgrund seiner Lage und des Klimas ideal für einen weiteren Affenpark. Der Mendlishauser Hof ist ein historisches, über 200 Jahre altes Gehöft mit großen Waldflächen. Die Anlage gehört dem Haus Baden, die Betreiber haben sie vom Markgraf von Baden gepachtet.
Berberaffen: Auf der Roten Liste der bedrohten Arten
Ende der 1970er-Jahre waren Berberaffen in Nordafrika noch weit verbreitet. Das Thema Artenschutz spielte bei der Gründung des Affenbergs deshalb keine Rolle. Mittlerweile aber gelten die Berberaffen als "gefährdete Art". In Marokko und Algerien finden sie kaum noch Lebensraum. Schuld sind Waldbrände, Überweidung und der illegale Tierhandel. Auf dem Affenberg Salem leben die Tiere geschützt und scheinen sich wohlzufühlen. Jedes Jahr meldet der Park tierischen Nachwuchs.
Richtig ausgebüxt ist in all den Jahren nur einmal ein Affe: 2024 machte sich ein männliches Tier auf den Weg von Salem hinunter zum Bodensee. Der Ausreißer wurde aber schnell entdeckt und wieder zurück zu seinen Artgenossen gebracht. Ein Ereignis, das Parkleiter Roland Hilgartner so schnell nicht vergisst. Und auch eine andere Geschichte vom Affenberg bleibt ihm als ganz besonders in Erinnerung: Ein Affenbaby hatte seine Mutter verloren und wurde von einem Männchen adoptiert. "So kam das Kleine problemlos durch den kalten Winter."
Aufklärung und Forschung zum Schutz der Berberaffen
In den 1980er-Jahren halfen die beiden Affenparks in Frankreich und der Affenberg Salem, die Population in Marokko zu erhalten. Damals wurden insgesamt 600 Berberaffen ausgewildert. Der Affenberg sieht es nach eigenen Angaben auch heute noch als seine Aufgabe, die Berberaffen zu schützen. Deshalb gelten die Affen in Salem als sogenannter "auswilderungsfähiger Reservebestand". Sie könnten jederzeit ausgewildert werden und in freier Wildbahn leben.
Heute spielen Aufklärungsarbeit und Umweltbildung eine große Rolle auf dem Affenberg. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind während der Öffnungszeiten im Park unterwegs, beantworten Fragen und erzählen, wie die Tiere leben. Schon früh habe man außerdem die Wissenschaft auf den Affenberg geholt, sagt Parkchef Hilgartner. Er ist selbst Zoologe und Primatenforscher. Regelmäßig seien Verhaltensforscher zu Gast. "Knapp die Hälfte dessen, was man über Berberaffen weiß, stammt von unseren Parks", so Hilgartner.
Weißstörche: Aufbau der Storchenkolonie
Eine andere, damals schon bedrohte Tierart hatten die Parkgründer 1976 auch im Blick: den Weißstorch. 1975 gab es nur noch 15 Storchenpaare in ganz Baden-Württemberg. Also wurde auf dem Mendlishauser Hof Lebensraum für die Vögel geschaffen: 1977 wurde der Storchenweiher renaturiert, 1978 die Storchenstation auf dem Affenberg gegründet.
Daraus entwickelte sich die größte freifliegende Storchenkolonie in Süddeutschland mit rund 50 Storchenpaaren. Sie brüten jedes Jahr auf den Dächern der Wirtschaftsgebäude und sind die zweite große Attraktion des Tierparks.
Touristische Entwicklung und neue Angebote
Touristisch hat sich der Affenberg in 50 Jahren zu einem der beliebtesten Ausflugsziele in der Bodenseeregion entwickelt. Ende der 1970er-Jahre kamen rund 100.000 Besucherinnen und Besucher jährlich, inzwischen sind es fast 400.000. In der Hochsaison sind heute auf dem Affenberg bis zu 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Auch bauliche Veränderungen gab es. So wurde zum Beispiel 2023 ein Baumwipfelpfad für die Besucher eröffnet.
Und in diesem Jahr wurde der Eingangsbereich neu gestaltet. Künstliche Felsen und Grotten sollen an die Herkunft der Tiere erinnern: das Atlasgebirge in Marokko.
Geöffnet ist der Affenberg von März bis November. In der Hochsaison täglich von 10 bis 17:30 Uhr bzw. 18 Uhr.