50 Jahre Europäische Raumfahrtagentur ESA

Wie Airbus-Experten vom Bodensee die Satellitentechnologie mitprägen

Die Europäische Weltraumorganisation ESA baut seit 50 Jahren Raketen und schickt Satelliten ins All. Mitverantwortlich für deren Erfolg ist das Unternehmen Airbus Defence and Space in Immenstaad.

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Stand

Von Autor/in Thomas Wagner

Vor 50 Jahren, Ende Mai 1975, ist die Europäische Weltraumorganisation ESA gegründet worden. Seit Jahrzehnten ist sie ein wichtiger Auftraggeber des Satellitenherstellers Airbus Defence and Space in Immenstaad (Bodenseekreis). Rund die Hälfte der 2.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Standort arbeiten in der Satellitentechnik.

Ende April im Raumfahrtzentrum Kourou der Europäischen Raumfahrtorganisation ESA: Anspannung pur: "Dix, neuf, huite…". Auf Französisch zählt eine Stimme von Zehn auf Null. Dann: "Decollage - Start!"  Erst langsam, dann immer schneller schießt eine riesige Rakete in den Himmel. Ganz oben die Aufschrift: "Biomass". So heißt der Satellit, der gerade ins All geschossen wird.

Klimaforschung aus dem All mit dem Satellit "Biomass"

"Es geht um Kartierung der Äste und der Baumstämme auf der Erde - und um das darin gebundene Klimagas CO2", erklärt einer, dessen Schreibtisch normalerweise ganz in Bodenseenähe steht: Rüdiger Hartwich arbeitet als Raumfahrt-Manager beim Unternehmen Airbus Defence and Space in Immenstaad - und ist sichtlich erleichtert über den erfolgreichen Start des Satelliten "Biomass". Denn die Messinstrumente an Bord haben die Expertinnen und Experten in Immenstaad im Auftrag der Europäischen Raumfahrtorganisation ESA entwickelt. Und die 50 Jahre alte ESA gilt, so ein Unternehmenssprecher, als wichtigster Kunde des Satellitengeschäftes.

Immenstaad

Klimaforschung aus dem All Satellit "Biomass" startet mit Technik vom Bodensee in den Weltraum

Wie geht es unseren Wäldern? Diese Frage soll der Satellit "Biomass" künftig beantworten. Am Dienstagvormittag ist er ins All gestartet - mit Messtechnik vom Bodensee.

Jahrzehntelange Geschäftsbeziehungen zwischen ESA und Bodensee

Die enge Geschäftsbeziehung zur Satellitenschmiede am Bodensee, die aus dem einstigen Dornier-Konzern hervorgegangen ist, zieht sich wie ein roter Faden durch die 50-jährige Geschichte der Europäischen Raumfahrtagentur. Ein Beispiel: Der über acht Tonnen schwere und über 3,5 Milliarden Euro teure Umweltsatellit "Envisat", der in Immenstaad mitentwickelt und endmontiert wurde, bevor er im Jahr 2002 in den Orbit geschossen wurde. Oder der Röntgensatellit "ROSAT", der bereits Anfang der 1990er-Jahre seine Forschungsarbeit aufnahm.

"Mein letztes Projekt war der Satellit 'Sentinel 2', erzählt der ehemalige Raumfahrtmanager Gunther Lautenschläger, der bis zum Beginn seines Ruhestandes 2020 drei Jahrzehnte lang in Immenstaad Satelliten hauptsächlich für die ESA entwickelt hat. Auch bei den "Sentinel"-Satelliten geht es um Erdbeobachtung: Geringste Veränderungen der Oberfläche werden mit Kameras und Infrarot-Instrumenten detektiert.

Immenstaad am Bodensee

Europäisches Projekt ins All abgehoben Atomuhren vom Bodensee sind Ostermontag ins All gestartet

Die wohl genauste Zeit im All messen künftig zwei Atomuhren vom Bodensee. Das "Atomic Clock Ensemble in Space" (ACES) von Airbus startete am Montag zur ISS.

Freud und Leid liegen im Satellitenbau eng beieinander

Lautenschläger hat in seiner 30-jährigen Tätigkeit als Satellitenexperte auch erfahren, wie eng Freud und Leid im Raumfahrtgeschäft beieinander liegen. Am 4. Juni 1996 beobachtete Lautenschläger zusammen mit vielen Hundert weiteren Entwicklern und Managern den Start der vier sogenannten Cluster-Satelliten – ein weiteres Projekt der ESA. Doch kurz nach dem Abheben der Rakete starren die Anwesenden erst ungläubig, dann erschrocken auf die Großleinwand im Werk in Immenstaad: Die Rakete explodiert - und mit ihr die vier Satelliten, an denen die Raumfahrt-Experten vom Bodensee vier Jahre lang gearbeitet haben.

Ich habe Kollegen gesehen, wirklich alte Haudegen, die geweint haben. Ich hatte natürlich auch Tränen in den Augen.

Was Gunther Lautenschläger und seine Kollegen in diesem Moment nicht ahnen können: Die ESA bewilligt kurze Zeit nach dem Fehlstart die Gelder für einen Nachbau der Satelliten. Die Expertinnen und Experten in Immenstaad krempeln erneut die Ärmel hoch. Und beim nächsten Cluster-Start vier Jahre später klappte dann alles wie geplant.

Von Anfang bis heute gilt: Allen Beschäftigten im Satellitenbau von Airbus Defence and Space am Bodensee ist eine große Faszination für die Raumfahrt zu eigen, vor allem, wenn es um ESA-Projekte geht. Etwa die Hälfte der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Standort Immenstaad arbeitet nach Angaben eines Unternehmenssprechers in der Satellitentechnik.

Traumberuf seit der Kindheit: Raumfahrtingenieur

"Als der erste Mensch den Mond betreten hat, war ich zehn Jahre alt", erinnert sich Gunther Lautenschläger. "Da habe ich meinen Eltern gesagt: Ich will Raumfahrtingenieur werden." Und dieser Berufswunsch verstärkte sich wenig später noch: "Klar, die Serie 'Star Treck' - da habe ich alle Folgen gesehen." Seit dem Jahr 2020 ist Lautenschläger zwar im Ruhestand. Dennoch: In der Endphase des Cluster-Projektes wirkt er noch beratend mit. Und ab und an führt er auch Besuchergruppen an seine frühere Wirkungsstätte - an den sogenannten Reinraum, wo zahlreiche Satelliten im Auftrag der ESA endmontiert worden sind.

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